  | | Péter Nádas - Schöne Geschichte der Fotografie A fotográfia szép története Aus dem Ungarischen von Akos Doma BvT, Berlin 2003 (Jelenkor Kiadó, Pécs 1995) 132 Seiten
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Inhalt:Die junge Kornélia liebt es, mit ihrer Plattenkamera zu fotografieren, sie nimmt ihre Umgebung fast gänzlich durch das Objektiv wahr und distanziert sich so von ihren Mitmenschen. Sie flüchtet sich außerdem in Tagträume, die häufig mit einem ihrer epileptischen Anfälle zusammenhängen. Ihr Erholungsaufenthalt in einem Sanatorium ist von erotischen Kapriolen geprägt, denn so naiv und schüchtern wie sie tut, ist sie nicht. Ob das mit ihrer tragischen Liebe zum Fotografen Károl zusammenhängt?
Meine Meinung:Mit der Zusammenfassung des Inhalts habe ich mich schwer getan. Die eigentliche Geschichte ist zwar nicht besonders komplex, aber verworren und mit Mut zur Lücke erzählt. Ich war mir oft nicht sicher, ob das Geschilderte nun Realität oder einer von Kornélias Tagträumen war. Besonders der Handlungsstrang um Károl warf Fragen auf. Hat einer seiner Selbstmordversuche funktioniert und erschien er danach als "Geist"? Hat er überhaupt jemals existiert oder war er von vornherein eine Fluchtmöglichkeit für die mit einem alten Mann verlobte Kornélia? Welche Ereignisse im Sanatorium sind tatsächlich geschehen - die nach außen naive und zurückhaltende Kornélia erscheint promiskuitiv und berechnend, für eine Fotografie treibt sie sogar einen Patienten in den Selbstmord. Bis zuletzt bin ich mir nicht sicher, ob ihre Epilepsie tatsächlich der Grund für ihren Aufenthalt im Sanatorium ist, oder ob nicht weitergehende Persönlichkeits- oder Realitätsstörungen der Grund sind.
In weiten Teilen ist auch der Sprachstil traumartig, eher wie in einem Delirium, deren surreale Bilder auf mich allerdings nicht rätselhaft und faszinierend, sondern eher langweilig oder gar abstoßend wirkten. Im Gegensatz dazu stehen gestelzte Konversationen, in denen eine Floskel zur nächsten führt. Der "virtuose" Wechsel der Sprechenden zwischen Ungarisch, Deutsch und Französisch verliert seinen Sinn, wenn man als deutscher Leser lediglich die französischen Einsprengsel liest. Besonders ermüdend fand ich die Formulierung "Da ist eine Stimme", die durch ständige Wiederholung die Handlung strukturiert. Wem diese Stimme bzw. diese Stimmen gehören? Ich weiß es nicht.
Zu den manieriert gezeichneten Personen, die trotz allem farb- und leblos bleiben, und der verworrenen Handlung kommen die unmotivierten erotischen Szenen. Für mich waren diese Szenen weder elegant noch drastisch, wie der Klappentext meint, und schon gar nicht sinnlich, sondern schlichtweg überflüssig.
Die
Schöne Geschichte der Fotografie (der Titel ist ausnahmsweise mal wörtlich übernommen worden) des Schriftstellers und Fotografen Péter Nádas hat mich leider auf ganzer Linie enttäuscht. Lediglich für die dichte, düstere Stimmung auf den ersten Seiten, die nicht zum Rest der Geschichte zu gehören scheinen, und aufgrund der Tatsache, dass es noch schlechtere Romane gibt, vergebe ich

Viele Grüße
Breña