Hallihallo,
ich bin wieder im Lande (bzw. im Internet) ... leider habe ich die Leserunde vor meinem Urlaub nicht mehr beenden können, aber das mache ich jetzt. Zum
3. Akt wollte ich sagen, dass mir ganz ähnliche Gedanken wie Doris und Kat gekommen sind:
Nach der Ermordung Cäsars geht ein Aufruhr durch das Volk. Die Bürger schimpfen Cäsar einen Tyrannen, obwohl sie ihm anfangs noch zujubelten, doch als Marcus Antonius darauf hinweist, dass Cäsar drei Mal die Krone ablehnte, sehen sie wieder einen Helden in ihm. Antonius schürt den Hass auf geschickte Weise weiter und wiegelt das Volk, dem nicht bewusst ist, dass es instrumentalisiert wird, gegen Brutus und seine Komplizen auf.
Die Ermordung Cäsars ist dann ja ziemlich schnell über die Bühne gegangen. Die zwei Reden danach, von Brutus und dann von Antonius, haben mich sehr beeindruckt. Und vor allem die Manipulierbarkeit der dummen Masse. Ein bisschen war das wie Wahlkampfreden heutzutage. Nur dass die meisten Politiker nicht so eine Rhetorik drauf haben wie die beiden Herren. 
In Wien tobt ja gerade der Wahlkampf, und da fallen wirklich unschöne Parallelen auf ...

4. AktÜber den "beiläufigen" Tod von Portia habt ihr euch ja schon unterhalten, aber sagt mal - sie
schlang Feuer!? Was ist denn das für eine Art, Selbstmord zu begehen!?

Messala sagt ja dann zu Brutus:
Sie starb, und zwar auf wunderbare Weise.Wie ist denn dieses "wunderbar" um Himmels Willen zu verstehen? Tatsächlich genauso wie im modernen Sprachgebrauch? Oder eher im Sinne von "wundersam/seltsam"? Auf den Handlungsstrang (na gut ... bestenfalls Faden) rund um Portias Tod kann ich mir keinen rechten Reim machen ...
Und beim Auftritt des Geistes ging es mir wie Doris:
Ich habe nicht den Eindruck, dass Brutus Cäsar in dem Geist erkannt hat.
Bei der 1. Szene im
5. Akt gefällt mir ein kleiner dramaturgischer Kunstgriff ... dass Cassius zu wenig sieht und deswegen Pindarus auf einen Hügel schickt, damit dieser ihm (besser gesagt dem Publikum

) nun die Geschehnisse verbal beschreibt.

Übrigens ist der Name Titinius ein Graus für mich, ich lese jedes Mal "Tinnitus" ... und Volumnius ist auch so eine Merkwürdigkeit.

Was den Selbstmord des Brutus betrifft: der erinnert mich sehr an den japanischen
seppukku - nicht nur die Wahrnehmung als Heldentod, sondern auch die Art und Weise (sich ins Schwert stürzen). Auf die Idee, diesen Selbstmord mit dem Ophelias zu vergleichen, wäre ich übrigens gar nicht gekommen ... wie die Römer im Allgemeinen auf Suizid reagierten, weiß ich zwar nicht, aber Hamlet spielt ja in einem christlichen Umfeld, und die ganzen Probleme rund um Ophelias Begräbnis ergeben sich ja einzig und allein daraus.
Tut mir leid, das ich zwischendurch mal weg vom Fenster war, aber insgesamt war es wieder eine sehr nette Leserunde!
