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Autor Thema: William Shakespeare - Julius Cäsar  (Gelesen 3528 mal)

Mrs.Dalloway

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Re: William Shakespeare - Julius Cäsar
« Antwort #30 am: 31. August 2010, 19:00:51 »

:lachen: Wenn Du einen schönen Umschlag zauberst les ich sie gerne ;)

Gut zu wissen, dauert aber noch ein paar Jährchen.  :zwinker:
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Doris

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Re: William Shakespeare - Julius Cäsar
« Antwort #31 am: 31. August 2010, 20:39:14 »

Was mich im letzten Akt sehr gewundert hat waren zwei Dinge:
1)   Der Umgang mit Selbstmord. Julius Caesar war für mich ein neues Stück und ich fand es sehr überraschend, dass der Selbstmord hier in etwa dem Heldentod gleichkommt. Beide "Hauptverschwörer" Cassius und Brutus bringen sich selbst um, und zwar jeweils mit den Schwertern, die vorher Caesar erstachen.

Vielleicht war das aber auch nur der Versuch, das letzten Rest Würde zu behalten, denn sie müssten sich mit ihren Heeren Antonius und Oktavian unterwerfen, was eine große Schmach für sie bedeuten würde.

2)   Es hat mich auch verwundert, dass Caesars Geist nicht mehr auftaucht. [...] Da kann man natürlich nur spekulieren, aber ich finde es wirft auch irgendwie einen Schatten auf Brutus: Hat er sich den Geist nur eingebildet?

Möglich, denn ganz sicher ist sich Brutus selbst darüber auch nicht, er befragte ja direkt nach der Erscheinung seine Diener, ob sie etwas bemerkt hätten.
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Mrs.Dalloway

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Re: William Shakespeare - Julius Cäsar
« Antwort #32 am: 31. August 2010, 21:13:39 »

Was mich im letzten Akt sehr gewundert hat waren zwei Dinge:
1)   Der Umgang mit Selbstmord. Julius Caesar war für mich ein neues Stück und ich fand es sehr überraschend, dass der Selbstmord hier in etwa dem Heldentod gleichkommt. Beide "Hauptverschwörer" Cassius und Brutus bringen sich selbst um, und zwar jeweils mit den Schwertern, die vorher Caesar erstachen.

Vielleicht war das aber auch nur der Versuch, das letzten Rest Würde zu behalten, denn sie müssten sich mit ihren Heeren Antonius und Oktavian unterwerfen, was eine große Schmach für sie bedeuten würde.

Das würde sicherlich das Verhalten innerhalb der Brutus-Cassius-Fraktion erklären, aber selbst Oktavian und Marc Antony erachten den Selbstmord von Brutus als ehrenwert.
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Doris

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Re: William Shakespeare - Julius Cäsar
« Antwort #33 am: 31. August 2010, 21:22:28 »

Vielleicht, weil sie an Brutus' und Cassius' Stelle zu feige für einen Selbstmord gewesen wären und sich lieber unterworfen hätten? Es gehört schon Mut dazu, auf diese Weise zu reagieren und sich nicht in das Unvermeidliche zu fügen, nachdem der Putsch misslungen war.

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Mrs.Dalloway

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Re: William Shakespeare - Julius Cäsar
« Antwort #34 am: 31. August 2010, 21:38:49 »

Vielleicht, weil sie an Brutus' und Cassius' Stelle zu feige für einen Selbstmord gewesen wären und sich lieber unterworfen hätten? Es gehört schon Mut dazu, auf diese Weise zu reagieren und sich nicht in das Unvermeidliche zu fügen, nachdem der Putsch misslungen war.

Ja, das stimmt... Ich glaub, ich vergleiche Brutus und Cassius gerade zu sehr mit Hamlet, der ja ewig darüber reflektiert, ob er nicht doch in die Hölle kommen wird wenn er sich selbst umbringt.
Hamlet und Julius Caesar sind relativ zeitnah verfasst worden und mich überrascht die komplett unterschiedliche Auffassung von Selbstmord: einmal als Sünde und einmal eben als Heldentod.
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Doris

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Re: William Shakespeare - Julius Cäsar
« Antwort #35 am: 03. September 2010, 19:55:00 »

Mir ist gerade eingefallen, was ich schon längst fragen wollte: Seid ihr eigentlich auf Sprichworte gestoßen? Mir ist nichts untergekommen, das mir geläufig ist.
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Nicole89

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Re: William Shakespeare - Julius Cäsar
« Antwort #36 am: 12. September 2010, 11:30:42 »

Mir ist gerade eingefallen, was ich schon längst fragen wollte: Seid ihr eigentlich auf Sprichworte gestoßen? Mir ist nichts untergekommen, das mir geläufig ist.

Jetzt wo du es sagst, bemerke ich auch, dass ich nichts Bekanntes gelesen habe.
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:lesen: "Purpurmond" von Heike Eva Schmidt

Bluebell

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Re: William Shakespeare - Julius Cäsar
« Antwort #37 am: 25. September 2010, 23:33:28 »

Hallihallo,
ich bin wieder im Lande (bzw. im Internet) ... leider habe ich die Leserunde vor meinem Urlaub nicht mehr beenden können, aber das mache ich jetzt. Zum 3. Akt wollte ich sagen, dass mir ganz ähnliche Gedanken wie Doris und Kat gekommen sind:

Nach der Ermordung Cäsars geht ein Aufruhr durch das Volk. Die Bürger schimpfen Cäsar einen Tyrannen, obwohl sie ihm anfangs noch zujubelten, doch als Marcus Antonius darauf hinweist, dass Cäsar drei Mal die Krone ablehnte, sehen sie wieder einen Helden in ihm. Antonius schürt den Hass auf geschickte Weise weiter und wiegelt das Volk, dem nicht bewusst ist, dass es instrumentalisiert wird, gegen Brutus und seine Komplizen auf.

Die Ermordung Cäsars ist dann ja ziemlich schnell über die Bühne gegangen. Die zwei Reden danach, von Brutus und dann von Antonius, haben mich sehr beeindruckt. Und vor allem die Manipulierbarkeit der dummen Masse. Ein bisschen war das wie Wahlkampfreden heutzutage. Nur dass die meisten Politiker nicht so eine Rhetorik drauf haben wie die beiden Herren. :zwinker:

In Wien tobt ja gerade der Wahlkampf, und da fallen wirklich unschöne Parallelen auf ...  :sauer:

4. Akt


Über den "beiläufigen" Tod von Portia habt ihr euch ja schon unterhalten, aber sagt mal - sie schlang Feuer!? Was ist denn das für eine Art, Selbstmord zu begehen!?  :entsetzt:
Messala sagt ja dann zu Brutus:

Sie starb, und zwar auf wunderbare Weise.


Wie ist denn dieses "wunderbar" um Himmels Willen zu verstehen? Tatsächlich genauso wie im modernen Sprachgebrauch? Oder eher im Sinne von "wundersam/seltsam"? Auf den Handlungsstrang (na gut ... bestenfalls Faden) rund um Portias Tod kann ich mir keinen rechten Reim machen ...

Und beim Auftritt des Geistes ging es mir wie Doris:

Ich habe nicht den Eindruck, dass Brutus Cäsar in dem Geist erkannt hat.

Bei der 1. Szene im 5. Akt gefällt mir ein kleiner dramaturgischer Kunstgriff ... dass Cassius zu wenig sieht und deswegen Pindarus auf einen Hügel schickt, damit dieser ihm (besser gesagt dem Publikum  :zwinker: ) nun die Geschehnisse verbal beschreibt.  :daumen:

Übrigens ist der Name Titinius ein Graus für mich, ich lese jedes Mal "Tinnitus" ...  und Volumnius ist auch so eine Merkwürdigkeit.  :breitgrins:

Was den Selbstmord des Brutus betrifft: der erinnert mich sehr an den japanischen seppukku - nicht nur die Wahrnehmung als Heldentod, sondern auch die Art und Weise (sich ins Schwert stürzen). Auf die Idee, diesen Selbstmord mit dem Ophelias zu vergleichen, wäre ich übrigens gar nicht gekommen ... wie die Römer im Allgemeinen auf Suizid reagierten, weiß ich zwar nicht, aber Hamlet spielt ja in einem christlichen Umfeld, und die ganzen Probleme rund um Ophelias Begräbnis ergeben sich ja einzig und allein daraus.

Tut mir leid, das ich zwischendurch mal weg vom Fenster war, aber insgesamt war es wieder eine sehr nette Leserunde! :blume:
« Letzte Änderung: 26. September 2010, 00:36:22 von Bluebell »
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Re: William Shakespeare - Julius Cäsar
« Antwort #38 am: 26. September 2010, 16:11:36 »

Über den "beiläufigen" Tod von Portia habt ihr euch ja schon unterhalten, aber sagt mal - sie schlang Feuer!? Was ist denn das für eine Art, Selbstmord zu begehen!?  :entsetzt:

Plutarch überliefert, dass sie glühende Kohlen verschluckt haben soll. Andere Quellen sprechen von einer brennenden Fackel. Moderne Forscher bezweifeln beides und gehen glaubhafter von einer CO-Vergiftung durch das Verbrennen der Kohlen in geschlossenen Räumen aus. Shakespeare hat sich in jedem Fall elegant aus der Affäre gezogen, indem er die genauen Umstände offen lässt.



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Bluebell

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Re: William Shakespeare - Julius Cäsar
« Antwort #39 am: 26. September 2010, 16:38:38 »

Glühende Kohlen schlucken? Oder eine brennende Fackel? Du liebe Zeit, das klingt ja nach den Gebrüdern Grimm. Da kommt mir die CO-Theorie zumindest um einiges glaubwürdiger vor ... danke für den Exkurs!
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kat

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Re: William Shakespeare - Julius Cäsar
« Antwort #40 am: 04. Oktober 2010, 23:55:37 »

Ich bin auch wieder im Lande und habe gerade die letzten Akte gelesen. :winken:

So sieht das meine Ausgabe auch. Hier wird es unterteilt in Caesars Tragödie und Caesars Rache. Warum das jetzt allerdings laut Wikipedia bemängelnswert sein soll, kann ich persönlich noch nicht so genau nachvollziehen. Ist eben kein klassisches Drama, aber muss ja auch nicht alles gleich sein.  :zwinker:

Und jetzt verstehe ich auch das bemängelnswerte an dieser Zweiteilung: der zweite Teil kann mit dem ersten einfach nicht mithalten. :breitgrins:

Schlachten sind einfach nicht meins, obwohl sie auf der Bühne sicher unterhaltsamer sind.
Und vor allem hat mir nicht gefallen, dass alle Verschwörer so sterben müssen, quasi als Sühne für ihre böse Tat. So etwas kommt mir immer ein bisschen zu einfach vor. Und alles ist gut.

Die ersten drei Akte fand ich aber wirklich toll, ich behalte mir das Stück lieber nur halb in Erinnerung. :zwinker:
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