Hallo liebe Leserunde!
Erster Akt Ich hab den ersten Akt gelesen und ich muss gestehen, dass ich zuerst einmal etwas stutzen musste, als ich die Aufstellung der Charaktere gesehen hab. Ganz schön viele, aber bisher finde ich es ganz gut verständlich. Mir ist auch aufgefallen, dass die Namen der Personen sehr oft wiederholt werden, was vermutlich pragmatische Gründe hat. Der Zuschauer kann sich die Namen ja nicht gleich alle merken.
Was mir bisher auch aufgefallen ist, ist dass bisher sehr wenig Caesar in
Julius Caesar vorgekommen ist. Im ersten Akt lernen wir ihn eigentlich nur durch die Einschätzung von Cassius kennen, der man vermutlich auch nicht so ganz trauen kann. Cassius entwickelt sich ja bereits zum Bösewicht im Stück, der mit seiner rhetorischen Begabung, die er ironischer Weise selbst als „weak words“ (1.2.176) bezeichnet, alle gegen Caesar aufhetzt… allen voran natürlich Brutus, der selbst auch schon Zweifel an Caesars Herrschaft geäußert hat, aber auch persönlich an ihm zu hängen scheint.
Caesar selbst wiederum darf im ersten Akt kaum mehr äußern als die Befürchtungen, was Cassius betrifft und mit welchen er ja recht zu haben scheint. Cassius ist wohl kein Caesar-Fan.

Besonders interessant fand ich im ersten Akt übrigens die körperliche Verfassung Caesars. Caesar scheint eine Art Anfall zu erleiden, als er die Krone ablehnt und das vor den Bürgern Roms. Meine Ausgabe verweist hier auf Shakespeares Quelle Plutarch, der Caesars gesundheitliche Verfassung so beschreibt:
„He was … often subject to headache, and otherwhile to the falling sickness (the which took him the first time… in Corduba, a city of Spain)“ Ein weiterer gesundheitlicher Makel, der dieses mal nicht von Plutarch stammt, sondern, den Shakespeare selbst hinzugefügt hat, ist Caesars Taubheit auf dem linken Ohr. Das wird im Nachhinein auch sofort mit dem sehr guten Gehör von Cassius kontrastiert:
“Your ear is good“ (1.3.42). Auch Caesars Frau Calpurnia scheint es schwer getroffen zu haben: Sie ist unfruchtbar. (Alternative Erklärung:Auch das könnte an Caesars mangelnder Gesundheit liegen)
Das alles zeigt sehr schön die elisabethanische Ansicht (die noch aus dem Mittelalter stammt), dass die Gesundheit des Monarchen auch immer die Gesundheit des Landes darstellt. Diese Thematik zieht sich durch die sämtlichen Historien Shakespeares und wird auch hier aufgegriffen (Das ganze gipfelt bei Shakespeare in der Figur des Richard III, der als körperlich stark deformiert dargestellt wird und somit den Verfall Englands zur Zeit der Rosenkriege wiederspiegelt).
Oh, und nochwas! Ganz besonders gut gefallen hat mir folgende Stelle:
Men at some time are masters of their fates:
The fault, dear Brutus, is not in our stars
But in ourselves, that we are underlings. (1.2.139-141)
Das ganze liest sich wie eine Kritik am elisabethanischen Weltbild, in dem jeder seinem ihm bei Geburt zugewiesenen Platz in der großen Seins-Kette hat. Shakespeares Römer werden oft als verkappte Elisabethaner bezeichnet und Shakespeare kann hier Gesellschaftskritik äußern, ohne dass es für ihn fatale Folgen hat, da die Protagonisten ja Römer sind und nicht englische Zeitgenossen und primär auch nicht als solche wahrgenommen werden.
Nun stelle ich mir aber noch die Frage, ob dem wirklich so ist und das römische Reich „krank“ ist oder ob Cassius das nur so hinstellt, um Brutus als Mitverschwörer zu gewinnen. Vielleicht hat Cassius ja recht und Caesars Herrschaft ist kein Segen für das römische Volk. Seine moderne Einstellung, dass jeder sein Schicksal selbst in der Hand hat, gefällt mir auf jeden Fall gut und macht ihn auch etwas sympathischer. Ich bin gespannt, wie’s weitergeht!
Liebe Grüße,
Mrs. Dalloway