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Autor Thema: William Shakespeare - Julius Cäsar  (Gelesen 3528 mal)

Doris

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William Shakespeare - Julius Cäsar
« am: 21. August 2010, 20:47:22 »

Wir starten in die dritte Leserunde unseres Shakespeare-Projekts:

Julius Cäsar
Eine Tragödie in fünf Akten

 

Um 1599 entstanden, ist "Julius Cäsar" Shakespeares erstes Römerdrama und führt die Reihe der großen Tragödien an. Die Krise der römischen Republik, von der Ermordung Cäsars bis zur Schlacht bei Philippi ein heroischer Stoff. Bei Shakespeare wird der Imperator zum Menschen mit Schwächen, der Böses ahnt und, wie sich später zeigt zu Recht, allen mißtraut. Der Titelheld stirbt, der Verräter Brutus avanciert zur zunehmend tragischen Hauptfigur im Konflikt zwischen persönlicher Bindung und politischer Verantwortung. Das Stück gipfelt in der berühmten Leichenrede des Antonius. Diese Neuübersetzung zeigt meisterhaft, daß die Faszination der Shakespeareschen Sprachgewalt auch im Deutschen erhalten bleiben kann. (Quelle: Amazon)

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Re: William Shakespeare - Julius Cäsar
« Antwort #1 am: 21. August 2010, 21:31:27 »

Hallo liebe Leserunde!

Erster Akt
Ich hab den ersten Akt gelesen und ich muss gestehen, dass ich zuerst einmal etwas stutzen musste, als ich die Aufstellung der Charaktere gesehen hab. Ganz schön viele, aber bisher finde ich es ganz gut verständlich. Mir ist auch aufgefallen, dass die Namen der Personen sehr oft wiederholt werden, was vermutlich pragmatische Gründe hat. Der Zuschauer kann sich die Namen ja nicht gleich alle merken.

Was mir bisher auch aufgefallen ist, ist dass bisher sehr wenig Caesar in Julius Caesar vorgekommen ist. Im ersten Akt lernen wir ihn eigentlich nur durch die Einschätzung von Cassius kennen, der man vermutlich auch nicht so ganz trauen kann. Cassius entwickelt sich ja bereits zum Bösewicht im Stück, der mit seiner rhetorischen Begabung, die er ironischer Weise selbst als „weak words“ (1.2.176) bezeichnet, alle gegen Caesar aufhetzt… allen voran natürlich Brutus, der selbst auch schon Zweifel an Caesars Herrschaft geäußert hat, aber auch persönlich an ihm zu hängen scheint.

Caesar selbst wiederum darf im ersten Akt kaum mehr äußern als die Befürchtungen, was Cassius betrifft und mit welchen er ja recht zu haben scheint. Cassius ist wohl kein Caesar-Fan. :breitgrins:

Besonders interessant fand ich im ersten Akt übrigens die körperliche Verfassung Caesars. Caesar scheint eine Art Anfall zu erleiden, als er die Krone ablehnt und das vor den Bürgern Roms. Meine Ausgabe verweist hier auf Shakespeares Quelle Plutarch, der Caesars gesundheitliche Verfassung so beschreibt: „He was … often subject to headache, and otherwhile to  the falling sickness (the which took him the first time… in Corduba, a city of Spain)“ Ein weiterer gesundheitlicher Makel, der dieses mal nicht von Plutarch stammt, sondern, den Shakespeare selbst hinzugefügt hat, ist Caesars Taubheit auf dem linken Ohr. Das wird im Nachhinein auch sofort mit dem sehr guten Gehör von Cassius kontrastiert: “Your ear is good“ (1.3.42). Auch Caesars Frau Calpurnia scheint es schwer getroffen zu haben: Sie ist unfruchtbar. (Alternative Erklärung:Auch das könnte an Caesars mangelnder Gesundheit liegen)

Das alles zeigt sehr schön die elisabethanische Ansicht (die noch aus dem Mittelalter stammt), dass die Gesundheit des Monarchen auch immer die Gesundheit des Landes darstellt. Diese Thematik zieht sich durch die sämtlichen Historien Shakespeares und wird auch hier aufgegriffen (Das ganze gipfelt bei Shakespeare in der Figur des Richard III, der als körperlich stark deformiert dargestellt wird und somit den Verfall Englands zur Zeit der Rosenkriege wiederspiegelt).

Oh, und nochwas! Ganz besonders gut gefallen hat mir folgende Stelle:
Men at some time are masters of their fates:
The fault, dear Brutus, is not in our stars
But in ourselves, that we are underlings.
(1.2.139-141)
Das ganze liest sich wie eine Kritik am elisabethanischen Weltbild, in dem jeder seinem ihm bei Geburt zugewiesenen Platz in der großen Seins-Kette hat. Shakespeares Römer werden oft als verkappte Elisabethaner bezeichnet und Shakespeare kann hier Gesellschaftskritik äußern, ohne dass es für ihn fatale Folgen hat, da die Protagonisten ja Römer sind und nicht englische Zeitgenossen und primär auch nicht als solche wahrgenommen werden.

Nun stelle ich mir aber noch die Frage, ob dem wirklich so ist und das römische Reich „krank“ ist oder ob Cassius das nur so hinstellt, um Brutus als Mitverschwörer zu gewinnen. Vielleicht hat Cassius ja recht und Caesars Herrschaft ist kein Segen für das römische Volk. Seine moderne Einstellung, dass jeder sein Schicksal selbst in der Hand hat, gefällt mir auf jeden Fall gut und macht ihn auch etwas sympathischer. Ich bin gespannt, wie’s weitergeht!

Liebe Grüße,
Mrs. Dalloway
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Doris

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Re: William Shakespeare - Julius Cäsar
« Antwort #2 am: 21. August 2010, 22:32:18 »

Mein Gott, Mrs. Dalloway, du legst aber los! Was soll man denn dazu noch ergänzen  :zwinker:.
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Re: William Shakespeare - Julius Cäsar
« Antwort #3 am: 22. August 2010, 08:48:08 »

Mein Gott, Mrs. Dalloway, du legst aber los! Was soll man denn dazu noch ergänzen  :zwinker:.

 :redface: Das lag an einer Mischung aus zu viel Zeit, Motivation und daran, dass Julius Caesar (im Gegensatz zu Hamlet oder Wie es euch gefällt) ein neues Stück für mich ist.  :breitgrins:

Und ergänzenswert ist Shakespeare immer, sonst wären die ganzen Profs ja schon längst arbeitslos.  :zwinker:
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Bluebell

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Re: William Shakespeare - Julius Cäsar
« Antwort #4 am: 22. August 2010, 17:21:48 »

Na, dann will ich mal versuchen, etwas zu ergänzen.  :zwinker:

Mir ist auch aufgefallen, dass die Namen der Personen sehr oft wiederholt werden, was vermutlich pragmatische Gründe hat. Der Zuschauer kann sich die Namen ja nicht gleich alle merken.

Das ist mir auch aufgefallen und ich finde es sehr praktisch - man stelle sich eine Bühne voller Männer in Toga vor, wenn sich die nicht mit Namen anreden, steigt man als durchschnittliches Publikum doch binnen kürzester Zeit aus.  :spinnen:

Was mir bisher auch aufgefallen ist, ist dass bisher sehr wenig Caesar in Julius Caesar vorgekommen ist.

Stimmt. Mein "Shakespeare für Dummies" meint auch, dass das Julius Caesar eigentlich mehr ein Stück über Brutus ist als über Cäsar selbst, bzw. über das Verhältnis der beiden. Ich dachte ja auch, dass der Mord bestimmt der Höhepunkt im 5. Akt sein wird, dabei stirbt die Titelfigur schon viel früher! Interessant auch Wikipedia dazu:

Die Tragödie weist eine oft bemängelte doppelgipflige Struktur auf, in deren beiden Teilen sich Handlungs- und Motiventsprechungen finden. Der eine Gipfel besteht in der Ermordung Caesars im dritten Akt, der zweite in der Schlacht bei Philippi im fünften Akt.

Besonders interessant fand ich im ersten Akt übrigens die körperliche Verfassung Caesars. Caesar scheint eine Art Anfall zu erleiden, als er die Krone ablehnt und das vor den Bürgern Roms.

Klingt verdammt psychosomatisch, nicht wahr?  :breitgrins:

Oh, und nochwas! Ganz besonders gut gefallen hat mir folgende Stelle:
Men at some time are masters of their fates:
The fault, dear Brutus, is not in our stars
But in ourselves, that we are underlings.
(1.2.139-141)

Dazu passend:

Ich weiß, er wär kein Wolf,
Wenn er nicht säh, die Römer sind nur Schafe.


Zwei Hinweise sind mir im ersten Akt noch besonders aufgefallen, nämlich in der 1. Szene:

wißt ihr nicht,
Daß ihr als Handwerksleut an Werkeltagen
Nicht ohn ein Zeichen der Hantierung dürft
Umhergehn?


Sowie in der 2.:

Ein alter Glaube, unfruchtbare Weiber,
Berührt bei diesem heilgen Wettelauf,
Entladen sich des Fluchs.


Wusste ich beides nicht!
Und wenn ich kurz mal ganz, ganz kindisch sein darf :elch: - Caesar sagt in der 2. Szene:

Laßt wohlbeleibte Männer um mich sein,
Mit glatten Köpfen, und die nachts gut schlafen.


*pruuust* - ja genau, das wünsche ich mir auch! :clown:
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Doris

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Re: William Shakespeare - Julius Cäsar
« Antwort #5 am: 22. August 2010, 23:57:15 »

Mein bescheidener Beitrag zum ersten Akt.

Ich stimme dem Shakespeare für Dummies zu - bisher steht eher Brutus als Cäsar im Mittelpunkt. Mir erscheint mir noch als sehr loyal gegenüber Cäsar; stattdessen erweist sich Cassius als der Bösewicht, der Brutus drängt, sich der Verschwörung anzuschließen. Ich habe noch nicht durchschaut, warum Cäsar nicht König werden soll. Es hat sich noch nicht herauskristallisiert, wen die Mordgesellen an seiner Stelle krönen wollen.

Momentan kämpfe ich noch etwas mit der Sprache, aber ich finde mich langsam rein in das Stück.
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Re: William Shakespeare - Julius Cäsar
« Antwort #6 am: 24. August 2010, 09:27:59 »

So ich habe jetzt auch endlich angefangen und kann wie ihr feststellen, dass Caesar im ersten Akt nicht besonders oft vorkommt und wenn dann um unangenehm aufzufallen mit Krankheit und Schwäche.

Mrs. Dalloway was du so alles herausliest bzw. durch andere Dramen weißt - alle Achtung. Das mit der Krankheit des Monarchen und die Verbindung zur Gesundheit des Volkes weiß ich nicht bzw. ist mir das so noch nicht aufgefallen -aber sehr interessant.

Ich muss mich auch noch auf die Sprache einstellen - für mich nicht so einfach, zumal es mein erstes Shakespearewerk ist. Aber ich finde die Sprache interessant. Ich habe ein Fassung von rororo Deutsch/Englisch und habe hinten einige Anmerkungen bei denen ich leider nicht immer durchblicke.

Cassius ist also hier der Anführer der Verschwörung, da ist er ja schon ziemlich fleißig gewesen. Bei Brutus merkt man noch einiges an Zurückhaltung. Mal sehen wie es weitergeht.

Bluebell: Die Stelle mit den wohlbeleibten Männern gefällt mir auch  :zwinker:
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Re: William Shakespeare - Julius Cäsar
« Antwort #7 am: 24. August 2010, 20:42:13 »

Ich bin jetzt auch mit dem 1. Akt fertig und lese übrigens wieder die Schlegel/Tieck-Übersetzung.

Spannend, spannend muss ich sagen. Das ist ja ein Krimi!

Über die Länge des Personenregisters hab ich mich auch ganz schön geschreckt.

Mir ist auch aufgefallen, dass die Namen der Personen sehr oft wiederholt werden, was vermutlich pragmatische Gründe hat. Der Zuschauer kann sich die Namen ja nicht gleich alle merken.

Das ist mir auch aufgefallen und ich finde es sehr praktisch - man stelle sich eine Bühne voller Männer in Toga vor, wenn sich die nicht mit Namen anreden, steigt man als durchschnittliches Publikum doch binnen kürzester Zeit aus.  :spinnen:

Das ist die Erklärung! :breitgrins:
Beim Lesen bringt mir die ständige Namenswiederholung leider nicht so viel, weil die Namen alle so ähnlich sind. Fast alle beginnen mit C und Casca und Cäsar schauen für mich sowieso gleich aus. Da muss ich mich echt konzentrieren, wer gerade spricht. Abgesehen davon, finde ich die Sprache wieder toll (ich hab mich dabei ertappt, laut, mit verschiedenen Stimmen zu lesen, aber solange ich keine Toga anziehe, ist alles in Ordnung. :zwinker:)

Inhaltlich kann ich sonst nicht mehr viel beitragen, was ihr nicht schon erwähnt hättet. So einen richtigen Sympathieträger scheint es bis jetzt nicht zu geben. Für mich ist Cäsar (noch?) nicht der Gute und Cassius (noch?) nicht der Böse. Cassius scheint ihn halt nicht für den richtigen Mann zu halten, was ja an und für sich legitim ist. Und von Mord war ja auch noch nicht die Rede, oder hab ich da was überlesen?

Mrs. Dalloway: Was du über Cäsars Wehwehchen und über Shakespeares Gesellschaftskritik schreibst, ist wieder einmal sehr interessant.

Ich freu mich schon aufs Weiterlesen! :winken:
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Re: William Shakespeare - Julius Cäsar
« Antwort #8 am: 24. August 2010, 20:46:02 »

Interessant auch Wikipedia dazu:
Die Tragödie weist eine oft bemängelte doppelgipflige Struktur auf, in deren beiden Teilen sich Handlungs- und Motiventsprechungen finden. Der eine Gipfel besteht in der Ermordung Caesars im dritten Akt, der zweite in der Schlacht bei Philippi im fünften Akt.


So sieht das meine Ausgabe auch. Hier wird es unterteilt in Caesars Tragödie und Caesars Rache. Warum das jetzt allerdings laut Wikipedia bemängelnswert sein soll, kann ich persönlich noch nicht so genau nachvollziehen. Ist eben kein klassisches Drama, aber muss ja auch nicht alles gleich sein.  :zwinker:

Es hat sich noch nicht herauskristallisiert, wen die Mordgesellen an seiner Stelle krönen wollen. 

Da bin ich mir auch noch nicht ganz so sicher. Mir kommt es vor, als ob die Verschwörer generell gegen Alleinherrschaft wären.  Vielleicht wollen sie, dass der Senat die alleinige Gewalt über Rom hat, statt die Macht auf einen einzelnen Herrscher zu zentrieren.


Mrs. Dalloway was du so alles herausliest bzw. durch andere Dramen weißt - alle Achtung. Das mit der Krankheit des Monarchen und die Verbindung zur Gesundheit des Volkes weiß ich nicht bzw. ist mir das so noch nicht aufgefallen -aber sehr interessant.

Danke. :breitgrins: Aber ich beschäftige mich mittlerweile ja auch schon bisschen länger mit Shakespeare und so langsam erkennt man dann die Muster und Zusammenhänge.
Interessant in dem Zusammenhang ist auch, dass zu Shakespeares Zeit ja eine Frau, Elizabeth I., regierte und auch ihr weiblicher Körper von ihren Gegner oft als generell und von Natur aus „krank“ und „monströs“ dargestellt wurde und deshalb ihre Herrschaft als schädlich für England. Hier ist ein Beispiel von einem dieser Gegner, John Knox:

”For who wolde not judge that bodie to be a monster, where there was no head eminent above the rest, but that the eyes were in the hands, the tonge and mouth beneth in the belie, and the eares in the feet… And no lesse monstruous is the bodie of that common welth, where a woman beareth empire.” (Kurzum: Der Körper einer Frau ist monströs und entspricht nicht den natürlichen Normen und daher ist jedes Land, in dem eine Frau regiert genauso monströs.)


Sollte ich mit meinen Anmerkungen übrigens mal zu sehr ausufern, dann stoppt mich bitte. Aber ich rede so gern darüber!  :redface:
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Re: William Shakespeare - Julius Cäsar
« Antwort #9 am: 24. August 2010, 20:51:37 »

”For who wolde not judge that bodie to be a monster, where there was no head eminent above the rest, but that the eyes were in the hands, the tonge and mouth beneth in the belie, and the eares in the feet… And no lesse monstruous is the bodie of that common welth, where a woman beareth empire.” (Kurzum: Der Körper einer Frau ist monströs und entspricht nicht den natürlichen Normen und daher ist jedes Land, in dem eine Frau regiert genauso monströs.)

 :entsetzt:

Sollte ich mit meinen Anmerkungen übrigens mal zu sehr ausufern, dann stoppt mich bitte. Aber ich rede so gern darüber!  :redface:

Wehe, du hörst damit auf! :breitgrins:
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Doris

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Re: William Shakespeare - Julius Cäsar
« Antwort #10 am: 24. August 2010, 21:42:38 »

Ich habe heute den Mord an Cäsar miterlebt und bin erstaunt, wie schnell das über die Bühne ging. Cäsar war wohl völlig arglos, wie seine letzten Worte beweisen, bevor Casca ihn niedersticht. Brutus ist zwar einer der Mittäter, doch er ist für mich nach wie vor der Gute, weil er zum Wohle des Volkes handelt, das er vor dem Tyrannen bewahren will. Seine Loyalität für beide Seiten bringt ihn sehr ins Grübeln.

@ Dalloway
Nur her mit deinen Anmerkungen, der Thread hat viel Platz.
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Re: William Shakespeare - Julius Cäsar
« Antwort #11 am: 25. August 2010, 16:02:31 »

Ihr seid ja schon wieder mittendrin  :smile: Habe bis jetzt nur den ersten Akt gelesen. Habe mich zuerst erschrocken, als ich die Namensliste gesehen habe  :ohnmacht: Aber bis jetzt haben die Personen ja noch nicht so oft gewechselt. Und vom Verständnis her finde ich das Stück auch recht gut.

Und wie Mrs. Dalloway finde ich die physische Verfassung Cäsars interessant. Ich habe noch nicht ganz kapiert, warum er gleich ohnmächtig geworden ist, als er die Krone dreimal ablehnte.
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:lesen: "Purpurmond" von Heike Eva Schmidt

Doris

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Re: William Shakespeare - Julius Cäsar
« Antwort #12 am: 25. August 2010, 23:02:56 »

Spätestens im III. Akt kann man die Beteiligten ganz gut auseinanderhalten, besonders die Hauptakteure.

Im II. Akt, 1. Szene hat mir gut gefallen, wie wortgewaltig Portia ihren Gatten Brutus umschmeichelt und beschwatzt, um in Erfahrung zu bringen, was ihn so offensichtlich quält. Bei uns heißt das "von hinten durch die Brust ins Auge".  Typisch Frau :smile:

Nach der Ermordung Cäsars geht ein Aufruhr durch das Volk. Die Bürger schimpfen Cäsar einen Tyrannen, obwohl sie ihm anfangs noch zujubelten, doch als Marcus Antonius darauf hinweist, dass Cäsar drei Mal die Krone ablehnte, sehen sie wieder einen Helden in ihm. Antonius schürt den Hass auf geschickte Weise weiter und wiegelt das Volk, dem nicht bewusst ist, dass es instrumentalisiert wird, gegen Brutus und seine Komplizen auf.

Der Verlauf des Stückes gefällt mir immer besser, da Cäsar gar nicht so sehr im Mittelpunkt steht, sondern die Absichten um seine Ermordung, die Manipulationen und ihre Auswirkungen. Es kommt mir viel mehr auf die Psyche bezogen vor als die anderen Dramen, die wir bisher gelesen haben.
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Re: William Shakespeare - Julius Cäsar
« Antwort #13 am: 26. August 2010, 09:05:32 »

Bis zur Ermordung Caesars
So, die Lage spitzt sich so langsam (naja, eigentlich eher rasend schnell) zu und für Caesar wird’s gefährlich. Die Verschwörer haben Brutus auf ihre Seite gezogen und er erkennt, dass der Mord an Caesar die einzige Alternative ist. Allerdings äußert nur Bedenken, wie sich die Krone auf Caesar auswirken könnte, aber das sind ja alles nur Vermutungen. Er scheint auch weiterhin geplagt von schlechtem Gewissen:

O, that we then could come by Caesar’s spirit
And not dismember Caesar! But, alas,
Caesar must bleed for it
(2.1.169 – 171)

Der Verlauf des Stückes gefällt mir immer besser, da Cäsar gar nicht so sehr im Mittelpunkt steht, sondern die Absichten um seine Ermordung, die Manipulationen und ihre Auswirkungen. Es kommt mir viel mehr auf die Psyche bezogen vor als die anderen Dramen, die wir bisher gelesen haben.

Das kommt mir gerade ganz genauso vor und ich finde es auch sehr gut. Mich wundert ein bisschen, dass das Stück doch eher unbekannt ist… Ich habe so ein bisschen die Befürchtung, dass es im zweiten Teil stark nachlassen könnte, denn bisher gefällt hier ja allen ziemlich gut, soweit ich das sehe. Mal schauen…

Interessant finde ich auch, wie alles auf die Ermordung hinzudeuten scheint und gerade der abergläubische Caesar versteht die Zeichen einfach nicht. Seine Frau Calpurnia warnt ihn, der Seher ganz am Anfang warnt ihn, der Dichter auf der Straße warnt ihn und sogar die Natur selbst deutet an, das etwas nicht stimmt.

most horrid sights seen by the watch.
A lioness hath whelped in the streets,
And graves have yawned and yielded up their dead;


Das erinnert sehr an Macbeth wo die Pferde einander auffressen, nachdem die „natürliche“ politische Ordnung gestört wird.

Tja, hätte Caesar mal auf seine Frau gehört! :breitgrins: Jetz is es zu spät.
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Re: William Shakespeare - Julius Cäsar
« Antwort #14 am: 26. August 2010, 09:19:46 »


Es hat sich noch nicht herauskristallisiert, wen die Mordgesellen an seiner Stelle krönen wollen. 

Da bin ich mir auch noch nicht ganz so sicher. Mir kommt es vor, als ob die Verschwörer generell gegen Alleinherrschaft wären.  Vielleicht wollen sie, dass der Senat die alleinige Gewalt über Rom hat, statt die Macht auf einen einzelnen Herrscher zu zentrieren.

So in der Art habe ich das zumindest ganz dunkel aus dem laaange zurückliegenden Lateinunterricht in Erinnerung ...

Ihr seid ja schon wieder mittendrin  :smile: Habe bis jetzt nur den ersten Akt gelesen.

Weiter bin ich auch noch nicht gekommen!
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