Hallo zusammen,
die Geschichte fesselt mich zunehmend. Gleichzeitig breitet sie aber immer mehr erschreckende Details über das Leben der nigerianischen Flüchtlinge in Südafrika aus. Ich finde, dass Andrew Brown das ziemlich gut macht - seinen LeserInnen die Situationen, mit denen nicht wenige in den Straßen Kapstadts (oder anderswo in Südafrika) zu kämpfen haben, näher zu bringen.
Jeneker beispielsweise. Der Polizist meint, einen verdammt guten Grund für seinen Hass gegen Nigerianer zu haben und lässt es so jeden spüren, auch Ifasen. Dass sich dieser fast noch bei ihm entschuldigt - für das, was ein 'Landsmann' Jenekers Sohn angetan hat, zeigt noch mehr, wie sehr Vorurteile und Verallgemeinerungen in den Köpfen verankert sind. Und natürlich auch die Angst davor. Am liebsten möchte ich Jeneker anbrüllen, dass sein Sohn auch was dafür kann, dass er den Scheiß überhaupt genommen hat. Oder hat ihn der Dealer dazu gezwungen? Und wäre es weniger schlimm, wenn der Dealer einen südafrikanischen Pass hätte? Oder einen englischen, holländischen oder sonst was für einen? Oh, dieses Land steckt so tief in seinem jahrzehntelang gepredigten und gelebten Rassismus fest - wann soll das bloß enden?
Sicher, in Deutschland gibt es auch schlimme Zustände, in denen Flüchtlinge leben müssen, ganz zu schweigen von den Vorurteilen und dem Rassismus, der auch hierzulande an der Tagesordnung ist... Und auch hier gibt es Behörden und Polizeibeamte, denen es herzlich egal ist, was mit diesen Menschen passiert - ob sie beispielsweise in ein Land abgeschoben werden, in dem sie verfolgt werden. Auch hier möchten sehr viele kein Stückchen vom Wohlstandskuchen abgeben. Auch hier kräht kein Hahn nach den Frauen, denen ihre Pässe weggenommen wurden und die nun für ihre Zuhälter ihren Körper verkaufen müssen und so weiter, und so weiter. Dennoch ist die Situation in den Gefängnissen und in den Unterkünften um ein wesentliches zugespitzter als in Westeuropa. Oder wie Richard Abayomi sagt, Polizisten haben am Anfang sehr viel macht über die Festgenommenen... Dazu kommen noch viele andere Komponenten wie beispielsweise Aids, Kindersterblichkeitsraten, ... Heftig, sehr heftig.
Mandla könnte Abayomis Zuhälter sein - was für eine widerliche Type. Aber er scheint irgendeine Macht zu haben, sonst würden Abayomi und Sunday nicht plötzlich so angespannt wirken. Und wer ist dieser Igbo der in Ife studiert hat?
Richard verliebt sich immer mehr in Abayomi. Doch was ist mit ihr? Sie möchte, denke ich, ihre kleine Familie retten und beschützen - eine Sache, die sie ja schon lange übernommen hat, denn verdient sie das Geld zum Überleben. Natürlich auf sehr krasse Weise - aber mal ehrlich, was bleibt ihr schon groß übrig? Darum bewundere ich sie schon beinahe um ihre pragmatische Art und Weise... Ifasen bleibt nichts weiter übrig, als es zu akzeptieren - auch wenn er (wie man am Streit der beiden zu Anfang gemerkt hat) natürlich darunter leidet. Abayomi nutzt so also auch die Chance, die ihr Richard geboten hat, und fragt ihn um Hilfe. Dass sie dabei nicht verrät, dass es sich um ihren Ehemann handelt, kann ich nur zu gut verstehen. Es ist ein Schutz ihrer Familie und zudem kann sie nicht wissen, ob Richard sich dann nicht vielleicht von ihr abwendet und ohne Rechtsanwalt (auch indirekt) sieht es sicher noch schlechter für Ifasen aus.
Dessen Erlebnisse werden noch heftiger - der sterbende Mann neben seiner Schlafstelle ist vorab der traurige Höhepunkt. Oh mein Gott, ich wäre, glaube ich, zusammengebrochen. Und dann der Satz, dass einige Insassen schon bald wieder die Plastikgriffe ihrer Zahnbürsten schärfen...

Svritsky nimmt doch nicht die große Rolle ein, die ich zu Beginn angenommen habe! Aber eventuell ändert sich das ja auch noch. Jedenfalls ist und bleibt er ein ziemliches Schwein: nicht nur, dass er Richard gegenüber längst zugegeben hat, dass er den Mann über den Haufen gefahren und Fahrerflucht begangen hat, zudem noch eine Falschaussage getätig hat - nein, er bedroht jetzt mit ziemlicher Sicherheit auch noch den Zeugen! Oder hat er ihn tatsächlich sogar schon umgebracht?
Wenn Richards Veränderung weiterhin stattfindet, dann bin ich schon sehr gespannt, ob er solche Typen in Zukunft noch verteidigt. Irgendwie würde es dann nicht mehr so richtig passen - und er fragte sich ja schon vor seiner Begegnung mit Abayomi, wie er die Taten seines Klienten eigentlich mit seinem Gewissen vereinbaren kann...
Es bleibt spannend.
Liebe Grüße
dubh
PS. Würdet Ihr das Buch bislang beim Genre Krimis/ Thriller einordnen?