Hallo zusammen,
jetzt habe ich endlich auch den zweiten Abschnitt beendet. Nachdem im ersten der Fokus mehr auf der Vorstellung der Personen lag, war er jetzt doch deutlicher bei der weiteren Entwicklung der Geschichte.
Ifasen verdient sein Geld mehr als bitter: in sengender Hitze steht er auf einer asphaltierten Straße und versucht billige Mobiles an die wartenden Autofahrer zu verkaufen. Was allerdings noch schlimmer ist, sind die Beleidigungen oder verächtlichen Blicke, die er über sich ergehen lässt. Der alte Rassismus - denn wie Coetzee an anderer Stelle sagt, muss man ja jetzt aufpassen, was man so sagt

- projiziert sich nun auf Nigerianer, Mosambikaner, Simbabwer, ... Auch der Xhosa-sprechende Polizist, der Ifasen festnimmt, berurteilt ihn aufgrund seiner Herkunft sofort negativ. Apropos Festnahme: dieser widerliche BMW-Fahrer! Beim Abendessen bei Amanda und Richard habe ich überlegt, ob es sich dabei wohl um Coetzee handeln könnte... Aber das wäre vielleicht ein bißchen viel Zufall - obwohl das großkotzige und rassistische Verhalten passen würde.
Richard besucht Abayomi und ist somit tatsächlich der Mann aus dem Prolog. Obwohl es letztlich ein Sex-Besuch und kein Massage-Termin war, fand ich die Szene ziemlich gut dargestellt - der Autor war nicht obszön oder pornographisch in seiner Beschreibung, wie ich finde. Und schlußendlich erlebt Richard eine Veränderung... Anfänglich habe ich sie eher für kurzfristig empfunden, aber in Richard setzt sich offensichtlich wirklich etwas in Bewegung - spätestens in der Kneipe und beim Abendessen mit Gästen wird das deutlich. Richard stellt sich plötzlich elementare Fragen, die ihn zuvor nicht sonderlich interessiert haben. Da trifft es sich gut, dass er zuerst auf den Mosambikaner trifft, der ihm die menschenverachtende Situation, unter der die "Gastarbeiter" leben müssen, schildert und später dann als Kontrast Coetzee, der mit seinem überlegenen, arroganten Getue einfach nur anwidert.
Aber auch die Familiensituation zeigt sich plötzlich anders: Richard scheint sich die Jahre zuvor in einen Kokon zurück gezogen zu haben: die Einladungsarien Amandas hat er über sich ergehen lassen, ebenso wie die dumpfen Unterhaltungen mit den ihm unbekannten Gästen. Selbst die unterkühlte, ja, fast nicht vorhandene Beziehung zu seiner Tochter Raine, hat ihn nie wirklich gekümmert... Ob sich das alles ändern lässt oder ob dann alles in die Brüche geht? Amanda scheint ja relativ großen Wert auf materielle Dinge und das Repräsentieren zu legen... Was Richard - man sieht es am Mercedes SLK und seine Reaktionen auf die Wagen der Kollegen oder aber an den Wein-Kaufentscheidungen - ja auch nicht fern liegt. Aber das könnte sich weiter ändern - wenn ich jetzt einfach mal spekuliere: Abayomi erfährt von der Verhaftung ihres Mannes und kontaktiert Richard wirklich. Dann wird Richard sicherlich noch mehr Einblicke in des Leben der Minderheiten in seinem Land erfahren...
So, nun lese ich erstmal Eure Beiträge.
Liebe Grüße
dubh