Nachdem ich in den letzten beiden Tagen wieder nicht vernünftig zum Lesen gekommen bin (ich sollte weniger arbeiten), konnte ich heute wenigstens dieses Abschnitt beenden. Vieles, was mir auch so durch den Kopf gegangen ist, habt ihr schon gesagt.
Was Richard angeht, da bin ich im Moment noch nicht sicher. Es scheint tatsächlich so, daß die Massagestunde bei ihm so etwas wie einen Denkprozeß ausgelöst hat, oder zumindest ein lange nagendes Unbehagen für ihn greif- und benennbar gemacht hat. Das ist schon mal nicht schlecht, wenn er auf dem Weg weitergehen will, wird er aber eher über kurz als lang einige Entscheidungen treffen müssen, die ihn seinem bisherigen Umfeld entfremden, Ansätze waren ja auf der unsäglichen Dinnerparty schon zu erkennen.
Überrascht war ich eigentlich, daß sich der Prolog schon so vergleichsweise früh aufklärt, es könnte sich allerdings als ein wiederkehrendes Motiv erweisen, will sagen: ich wäre nicht überrascht, wenn sich die Szene an der Tür in ähnlicher Form noch ein- oder mehrmals wiederholen würde.
Natürlich kam mir auch sofort die Idee, daß Ryno der Typ war, dem Ifasen die Verhaftung verdankt. Dicker BMW, die Frisur, Rynos eigene Äußerung – das paßt alles viel zu gut zusammen, um (in einem Roman!) zufällig zu sein. Nein, ich bin ziemlich sicher, daß er es war. Und da deutet sich natürlich die nächste Konfliktlinie an: Wenn Richard die Verbindung zu Abayomi aufrecht erhält – wird sie Richard von Ifasen erzählen und ihn als Anwalt für ihren Mann um Hilfe bitten? Angedeutet hat sie noch nichts, aber beim ersten Treffen kann ich das auch verstehen.
Ich bin warscheinlich sehr naiv, aber passiert das wirklich so in Africa? Furchtbar...
Das passiert sicher in Afrika, aber nicht nur dort. Als illegaler Einwanderer wirst Du kaum irgendwo auf der Welt besser behandelt. Ich würde nicht einmal für alle Polizisten hierzulande die Hand diesbezüglich ins Feuer legen. Es ist hier vermutlich nicht eine solch grundlegende Systemschwäche wie in einem vergleichsweise armen Land, wo Polizisten noch dazu chronisch unterbezahlt und korrupt sind, und wo es eine lange Tradition der Diskriminierung gibt, aber ich bin ziemlich sicher, daß sich vergleichbare Fälle ohne langes Suchen auch in Europa finden lassen. Als Illegaler hast Du eben keine Lobby.
Das Verhalten von Svritsky war in diesem Kapitel so gar nicht böse. Irgendwie passt was nicht bei der Figur. Ich weiß auch nicht, sein Ruf passt nicht zum Verhalten. Irgendwie kommt er mir "Kumpelhaft" rüber. Aber vielleicht sehe nur ich das so?
Nein, ich war auch einigermaßen irritiert und fragte mich, wie das zu dem zuvor von Svritsky gezeichneten Bild passen kann. Ich hatte ja im vorigen Abschnitt die Vermutung geäußert, daß Svritsky der Zuhälter ist. Wenn er wirklich, wie er behauptet, erst einmal bei Abayomi gewesen wäre, könnte das kaum sein, aber das kann aber natürlich auch eine Schutzbehauptung sein, um den prüden Richard nicht gleich abzuschrecken ... Daher gebe ich diese Idee noch nicht völlig auf.