Meine Meinung:Als Weltenschöpfer braucht sich Alexey Pehov ganz sicher nicht hinter anderen Autoren zu verstecken. Pehovs fiktive Welt ist mindestens genauso plastisch wie die von z. B. Robert Jordan, wenn nicht gar wie die von Tolkien höchstselbst. Meinen Geschmack hat er damit auf jeden Fall getroffen, denn ich mag detailiert ausgearbeitete Universen.
Derzeit gehen in Siala, genauer gesagt, im Land Valiostr*, seltsame Dinge vor. Gerüchten zufolge regen sich die Orks in ihren Gebieten und sie haben auch einen neuen Herrn - einen untoten, vor Jahrhunderten aus Valiostr verbannten Magier, dessen Namen sich niemand zu erwähnen traut. Doch auch eine andere, noch unheimlichere Kraft, versucht die Geschicke des Landes zu lenken. Mit dieser Kraft macht auch der Meisterdieb Garret unfreiwillige Bekanntschaft, als er in das Haus des Königlichen Schatzmeisters einbricht, um eine Goldfigur zu stehlen. Kurz darauf steckt Garret in dem Schlamassel seines Lebens, denn er wurde vom König und dessen Beratern ausgewählt, das Horn des Regenbogens aus den berüchtigten Grabstätten der Oger zu holen. Seine Mission ist die dritte dieser Art, denn die ersten beiden endeten in einer Katastrophe. Nur dieses Horn, ein Artefakt von großer magischer Macht, kann den Unaussprechlichen noch aufhalten.
Bevor Garret sich auf die Reise begibt, erlebt er noch einige Abenteuer.
Mangelnde Spannung kann man diesem Buch sicher nicht vorwerfen. Kaum ist Garret einer Gefahr entronnen, trifft er auf die nächste. Mit List, trockenem Humor und der Erfahrung eines wahren Meisters der Zunft meistert Garret jede einzelne. Eigentlich hätte es der Jagd nach dem Artefakt gar nicht bedurft; hätte der Autor sich auf Garrets Abenteuer in der Hauptstadt beschränkt, wäre das Buch genauso gut geworden.
Am spannendsten fand ich Garrets Ausflug in den "Fleck", in den verbotenen Teil der Stadt. Vor Jahrhunderten ereignete sich dort ein magischer Unfall und seitdem überleben dort nur Kreaturen der Finsternis. Mich erinnerte dieser "Fleck" an die "Zone" aus "Picknick am Wegesrand", genauso unheimlich und unwirklich wirkt er.
Schön fand ich, dass man manchmal die Gelegenheit hat, in die Vergangenheit zu sehen - durch Garrets Träume. So begegnet man z. B. dem sehr sympathischen Magier Valder.
Gestört hat mich, dass dieses Buch so komplett unrussisch ist - weder Namen noch Handlung noch die Charaktere haben etwas Russisches an sich, das hatte ich nicht erwartet. Es hätte von jedem westlichen Autor stammen können. Pehov hat sich offenbar von vielen dieser westlicher Autoren inspirieren lassen, besonders von Tolkien. Nicht genug, dass es von Orks, Zwergen und Elfen nur so wimmelt, es gibt in Siala sogar ein Land, das Issilia heißt. In der russischen "Herr der Ringe"-Version, die ich besitze, wurde Tolkiens Ithilien als "Itilia" übersetzt.
Aber gut, es dürfte wohl schwierig sein, einen Autor zu finden, der nicht wenigstens einen Bruchteil seiner Geschichte bei Tolkien abgekupfert hat.
Auch gibt es hier und dort kleine Logik-Rätsel, z. B. fand ich die die Erklärung, warum die Karte der Grabstätten wieder in der Bibliothek im "Fleck" gelandet ist, sehr unbefriedigend und an den Haaren herbeigezogen.
Trotzdem, dem Lesespaß hat das alles nicht geschadet. Die Figuren fand ich gut beschrieben, die Geschichte der Welt Siala interessant und die magischen Geschöpfe, auch wenn schon tausendmal dagewesen, nicht langweilig. Außerdem gibt es zwei Karten (weiß nicht, ob auch wirklich beide in der deutschen Ausgabe drin sind) und ein Glossar.
Ich habe ein paar unterhaltsame Tage in Gesellschaft des Meisterdiebs Garret verbracht und habe gerade mit dem zweiten Band angefangen.

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Aeria
* Ich hatte keine Gelegenheit in die deutsche Übersetzung reinzulesen, deshalb weiß ich nicht, welche Schreibweise Christiane Pöhlmann gewählt hat.