Den Auszug aus Juvals Magisterarbeit fand ich strange, damit konnte ich nun eher wenig anfangen. Allerdings ist das Thema "Philosophen, die ihre Meinung ändern" ein spannender Ansatz. Meist denkt man ja eher, dass ein Philosoph seiner Denkschule ein Leben lang verhaftet ist.
Warum ist eigentlich der Anfang des 2. Kapitels in einer anderen Schriftart gesetzt?
Ofir hat ein ziemliches Vaterproblem, dieser hält ihn für verweichlicht, und immer, wenn Ofir mal für ihn ein Mann sein will, geht es daneben, siehe das zerdepperte Flugzeug. Schade, wenn Eltern ihre Kinder nicht so akzeptieren können, wie sie sind, nur weil sie nicht in ein althergebrachtes Rollenschema passen. Und dann auch noch
ein tragisches Ende - Ofir reißt sich mit einer Werbekampagne für die Tankstelle des Vaters den Hintern auf, und dieser stirbt kurz vor Fertigstellung!
Und nun also ein Nervenzusammenbruch. Ob Ofir überfordert ist mit der Beförderung in einem Job, der ihm gar keinen Spaß zu machen scheint?
Daraufhin dann der totale Ausstieg aus dem Alltag, und Ofir bleibt auf einem spirituellen Trip in Indien kleben. Damit hätte ich nun gar nicht gerechnet. Dafür wird eine neue Tradition geboren, die Telefonate nach dem Fußballspiel.
Die Beobachtung, dass man bei Menschen, die man ständig sieht, Veränderungen kaum wahrnimmt, habe ich selbst auch schon gemacht. Manchmal ist das sogar ein wenig erschreckend.
Auch der Vergleich mit dem "Schälen" gefällt mir, wie er in seiner Geschichte immer tiefer vorzustoßen versucht.
Über die Geschichten aus Indien musste ich lachen - genau dieses stoische Sich-mit-allem-Abfinden ist bisher allen Indienreisenden, mit denen ich gesprochen habe, sehr merkwürdig vorgekommen.
Zum Schluss dann der Knalleffekt für Juval:
Churchill und Jaara verkünden, dass sie heiraten. Das war wohl nichts mit der Hoffnung, es könnte nur ein Strohfeuer sein ...
Nevos Metaphern gefallen mir übrigens. "Kalkweiß wie der Punkt in der Mitte des Sechzehners" oder eine Krankenschwester, "dünn wie ein Reagenzglas"

Das finde ich originell, ohne dass es überkandidelt und gewollt rüberkommt.
Was mich dagegen nervt, ist das schlampige Lektorat! Mich stört es nicht, wenn Anführungszeichen fehlen (vielleicht ist das auch eine israelische Spezialität, bei Zeruya Shalev ist es genauso), aber wenn es andauernd nach einem Ausrufe- oder Fragezeichen am Ende der wörtlichen Rede groß weitergeht, könnte ich Pickel kriegen
