Hi!
Nachdem das Buch so gelobt wurde, habe ich es jetzt auch gelesen und kann mich den positiven Meinungen nur anschliessen.
Inhalt:
Wir schreiben das Jahr 1975. In der afghanischen Hauptstadt Kabul wachsen die beiden Jungen Amir und Hassan Seite an Seite auf – aber gleich sind sie nicht. Amir ist der Sohn eines wohlhabenden Mannes und besucht die Schule. Hassan und sein Vater Ali dagegen sind ungebildete Diener von Amir und seinem Vater. Das hindert die Jungen nicht, Freundschaft zu schliessen und auch zusammen an den Drachenwettkämpfen teilzunehmen. Am Ende eines solchen Wettbewerbes begeht Amir aus Angst um sein eigenes Wohl einen schrecklichen Verrat an Hassan. Es dauert lange Jahre, bis Amir die Chance bekommt, seine Schuld zu tilgen.
Meine Meinung:
«Drachenläufer» ist auf mehreren Ebenen ein gelungenes Buch. Man erfährt vieles über das Leben in Afghanistan vor dem Einmarsch der Sowjets, während der Besetzung und dann auch ein wenig über die Zustände, die nach der Machtübernahme der Taliban herrschten – wobei man da in den letzten Jahren auch durch die Medien recht ausführlich informiert wurde.
Sehr gelungen sind auch die Charaktere, vor allem Amir, der als Ich-Erzähler fungiert. Da ist endlich mal ein Hauptcharakter, der moralisch nicht sehr integer ist und das auch zugibt. Natürlich habe ich mich beim Lesen manchmal aufgeregt – etwa wenn er Hassan veräppelt, weil dieser nicht lesen kann, anstatt es seinem Freund beizubringen und ihm etwas von der unerschütterlichen Treue zurückzugeben, die er jeden Tag von ihm erfährt. Auch später, in seinem Erwachsenenleben, zeigt Amir manchmal, dass Einfühlungsvermögen und Mitdenken nicht seine Stärken sind – teils mit schlimmen Konsequenzen. Trotz oder vielleicht auch wegen seiner Defizite war mir Amir bis fast zum Schluss symphatisch und seine Beweggründe nachvollziehbar, wenn auch schwer zu akzeptieren.
Auch alle anderen Charaktere wirken authentisch, man sieht die Leute richtig vor sich. Doch Hosseini beweist nicht nur im Beschreiben von Personen Stärke, sondern auch bei der Schilderung des Lebens im Kabul der 70er-Jahre. Wenn man sich überlegt, was die Russen und die Taliban aus dieser Stadt und diesem Land gemacht haben, kommt schon mal Wehmut auf. Das Kabul von Amirs Kindheit wäre für Reisebegeisterte sicher einen Abstecher wert gewesen. Aber so kann man nur noch virtuell dahin reisen – zum Beispiel mit «Drachenläufer», das ich jedem empfehle, der Bücher mit Geschichte und Geschichten über Menschen mag.
Fazit:
Ein Buch mit lebendigen Schilderungen von Land und Leuten, versetzt mit traurigen Episoden, die allerdings aus dem Leben gegriffen sind. Kein Wohlfühlbuch, aber trotzdem schön zu lesen, da Hosseini nie vergisst, überall noch ein Fünkchen Hoffnung hineinzupacken.
7 von 10 Punkten.