Hallo zusammen. Erstmal möchte ich sagen, dass es mich riesig freut, dass wieder so viele mitlesen.
Ich lese dieses Mal die englische Ausgabe vom New Cambridge Shakespeare (Hrsg. Michael Hattaway)


Ich habe gerade auch den
ersten Akt gelesen:
Zuerst treffen wir das ungleiche Brüderpaar Orlando und Oliver und es kommt auch sofort zum ersten Konflikt in dem Stück. Oliver versagt seinem jüngeren Bruder Orlando eine gute und angemessene Erziehung, weshalb Orlando das nicht länger dulden will und sozusagen versucht, aus der Familie auszusteigen. Er zieht also los und schafft es auch sofort, den Wrestler des Duke zu besiegen, was ihm nur leider nichts bringt, da auch hier seine familiäre Herkunft wieder einmal wichtiger ist als seine eigene Persönlichkeit. Der Duke gesteht ein, dass Orlando tugendhaft und männlich ist, allerdings ist ihm sein Vater verhasst und dadurch auch zwangsläufig Orlando.
Das Thema wird dann noch weitergesponnen und so wird auch Rosalind vom Hof verstoßen, da sofort klar wird, dass sie sich auf den ersten Blick in Orlando verliebt hat. Allerdings wird auch deutlich, dass sie hier nicht verstoßen wird, weil sie den Sohn des Feindes liebt, sondern ganz einfach, weil sie schöner, besser, tugendhafter ist als ihre Cousine Celia. Diese aber will sich nicht von ihrer Cousine trennen und so beschließen die beiden, verkleidet in den Wald von Arden zu fliehen.
Alles in allem sehr viel fröhlicher gestaltet als Hamlet, aber es ist ja auch eine Komödie
Über den Satz musste ich gerade sehr schmunzeln.

Ich lese
As You Like It gerade auch zum ersten Mal und hab mir vorhin mal überlegt, ob ich allein vom ersten Akt (ohne Vorwissen) klar sagen könnte, dass es eine Komödie ist. Es wirkt vom Stil her irgendwie lockerer (was auch daran liegen kann, dass die Charaktere diesmal – anders als bei Hamlet – sehr viel in Prosa statt in Versen reden, was einfach schwungvoller rüberkommt, wie ich finde), aber der erste Akt enthält auch noch klare Tragödienelemente: Pflichtverletzung (Oliver versagt seinem Bruder die Bildung, obwohl das seine Pflicht wäre), illegitime Aufwertung des eigenen sozialen Status (der neue Duke verdrängt den alten und noch gibt es keine klaren Grund dafür). Wenn ich nicht wüsste, dass es eine Komödie ist, könnte ich mir auch ein schlechtes Ende vorstellen. Aber ja, es ist auch dadurch fröhlicher, weil Hamlet’s Melancholie fehlt (hehe… aber nicht mehr lange

)
ich bin gespannt auf MrsDalloways Hintergrund-Infos.
Das freut mich.

Dann hier mal ein kleiner Denkanstoß: In der Literaturwissenschaft wird bei
As You Like It immer viel Aufmerksamkeit auf Rosalinds „Cross-Dressing“ gelegt. Sie ist ein sehr aufgeklärter Charakter und erkennt vor allem auch, dass Frauen in der Gesellschaft keine wichtige Rolle spielen:
Celia.
Laß uns sitzen und die ehrliche Hausmutter Fortuna von ihrem Rade weglästern, damit ihre Gaben künftig gleicher ausgeteilt werden mögen.
Rosalinde.
Ich wollte, wir könnten das; denn ihre Wohltaten sind oft gewaltig übel angebracht, und am meisten versieht sich die freigebige blinde Frau mit ihren Geschenken an Frauen. (1.2.25-29)
Jetzt geht sie also in den Wald und verkleidet sich als Mann. Interessant wird dabei dann auch ihre mentale Verwandlung sein. Und auch interessant ist es, wenn man bedenkt, dass Rosalind im elisabethanischen Theater ja von einem Jungen gespielt wurde. Es ist also ein boy actor, der sich als Frau verkleidet, die sich als Mann verkleidet…
Ok, so viel wollte ich eigentlich grad gar nicht schwafeln…
