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Autor Thema: Richard D. Precht - Wer bin ich und wenn ja, wieviele?  (Gelesen 1592 mal)

hilde

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Re: Richard D. Precht - Wer bin ich und wenn ja, wieviele?
« Antwort #15 am: 05. August 2010, 14:01:40 »

Jenseits von Wurst und Käse - Dürfen wir Tiere essen?
Mittlerweile ernähre ich mich meist vegetarisch, aber wenn mein Freund und ich zusammen essen, dann esse ich aus Bequemlichkeit Fleisch mit.
Dieses Kapitel hat mein schlechtes Gewissen mal wieder zum Vorschein gebracht. Nun werde ich mich mal wieder mehr bemühen, weniger Fleisch und Wurst zu essen und vorallem auch wieder mehr darauf achten, wo die Sachen herkommen.

Ein Kapitel, das mir ziemlich gut gefallen hat, weil differenziert argumentiert wird. Wie auch in deinem Beitrag zu sehen ist, foenig: Es gibt kein einfaches Richtig oder Falsch. Ich muss gestehen, dass ich auf bisher den schlichten Standpunkt vertrat: Der Mensch hat schon immer Fleisch gegessen, es ist etwas ganz Natürliches. Da hat mich Precht zum Nachdenken angeregt, indem er schreibt, dass wir heute durchaus eine Wahl haben: Im Gegensatz zum Höhlenmenschen oder zum Löwen in freier Wildbahn müssen wir nicht verhungern, wenn wir auf Fleisch verzichten, und wir müssen auch keine gesundheitlichen Nachteile in Kauf nehmen.
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foenig

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Re: Richard D. Precht - Wer bin ich und wenn ja, wieviele?
« Antwort #16 am: 09. August 2010, 12:07:43 »

Ein Kapitel, das mir ziemlich gut gefallen hat, weil differenziert argumentiert wird. Wie auch in deinem Beitrag zu sehen ist, foenig: Es gibt kein einfaches Richtig oder Falsch.
Das gefällt mir momentan auch sehr gut! Precht erhebt nicht den Zeigefinger und sagt wie wir leben sollen, damit wir alle besser Menschen sind, sondern er stellt beide Seiten dar und am Ende muss sich jeder selbst entscheiden, schließlich muss man seine Entscheidung auch nur vor sich selbst rechtfertigen.

Der Affe im Kulturwald - Wie sollen wir mit Menschenaffen umgehen?
Hier fällt mir erstmal ein Kommentar von Precht zu Singer ein. Er hat, ich glaube schon im Abtreibungskapitel, davon gesprochen, dass Singer gerade bei den Sonderpädagogen ein rotes Tuch ist, weil er die Tiere mit den Menschen mit Behinderung gleichstellt. So ungefähr wurde es gesagt, aber ich bin mir nicht mehr ganz so sicher. Jedenfalls sagt Precht, dass Singer nicht die Würde oder Rechte der Menschen mit Behinderung herabsetzen wollte, sondern die Tierrechte erhöhen wollte. Da sieht man mal wieder wie man mißverstanden werden kann, wenn man nur einzelne Aussagen kennt und nicht den kompletten Zusammenhang. Aber wahrscheinlich hat sich, wenn Precht recht hat, Singer auch sehr unglücklich ausgedrückt. Ansonsten würde so ein Mißverständniss doch erst gar nicht entstehen.
Ich bin fasziniert, wie schlau Affen sind. Ich habe mich aber ehrlich gesagt auch noch nicht besonders mit diesem Thema befasst. Mir war schon bewusst, dass Affen (am Menschen gemessen) intelligente Tiere sind, aber die Beispiele haben mich doch sehr erstaunt.
Ich habe mich aber auch gefragt, was uns diese Intelligenztest sagen. Die Test sind von Menschen gemacht und so gut er sich versucht in das Tier hineinzuversetzen, ich glaube trotzdem, dass man menschliche Intelligens testet und nicht die wahre Intelligenz des Tieres. Schließlich müssen diese Tiere mit ganz anderen Lebensumständen umgehen können.
Ich finde, um zum Thema zurückzukehren, nicht jeder Zweck heiligt die Mittel und daher bin ich vehement gegen Tierversuche an Menschenaffen. Schließlich kann man eindeutig erkennen, dass diese Tiere dabei leiden!

Die Qual der Wale - Warum sollen wir die Natur schützen?
Interessant fand ich die Argumentation, dass schon bevor es den Menschen gab Tier- und Pflanzenarten ausgestorben sind. Also könnte man den Menschen auch als riesige Katastrophe für die Erde sehen von der sie sich längerfristig aber erholen wird.
Ich habe eine ganz einfache und egoistische Haltung zum Naturschutz. Ich bin dafür, weil ich den Nutzen für die Menschen darin sehe. Ich denke, dass das Leben viel lebenswerter ist mit einer großen Artenvielfalt und vorallem mit Natur um mich herum.

Ansichten eines Klons - Darf man Menschen kopieren?
Sehr schön hat mir hier gefallen, dass Precht das Thema des Geldes miteinfließen lässt. Denn ich finde, dass Geld einen entscheidenen Faktor in vielen Ethikfragen spielt! Denn das Forschung viel Geld kostet, dürfte jeden klar sein. Aber ob man sich immer bewusst ist, dass man indem man ein Projekt unterstützt sich auch gleichzeitig gegen ein anderes stellt. Schön wäre es, wenn man sich gar nicht entscheiden müsste, aber so ist es nun mal nicht. Ich hoffe, dass die adulte Stammzellforschung bald von Erfolgen berichten kann. Scheinbar sind sie ja nicht mehr weit davon entfernt...

Kinder von der Stange - Wohin führt die Reproduktionsmedizin?
Spontan, ohne das Kapitel zu lesen, hätte ich klar dazu Nein gesagt. Schließlich ist es ein großer Unterschied, ob ich ein Kind in diese Welt setze oder mir ein Auto kaufe und entscheiden kann, wie es sein soll.
Nach der Lektüre bin ich immer noch dieser Meinung, aber schon abgeschwächter. Ich kann verstehen, dass ein Paar ein Mädchen möchte, wenn bei Jungen ein hohes Risiko an der Bluterkrankheit zu leiden vorhanden ist. Wenn es medizinische Gründe gibt, würde ich auch diese Art der Vorauswahl befürworten. Aber wenn man einmal damit anfängt, ist es schwer eine klare Linie zu ziehen, was moralisch vertretbar ist und was nicht.
Ich kann sogar das schottische Paar verstehen, das eine Tochter verloren hat und nun sicher gehen möchte, dass es erneut eine Tochter bekommt. Trotzdem bin ich in diesem Fall absolut gegen eine Vorauswahl. Das würde die Grenzen zum "Bauen" des Wunschbabys aufweichen.
Selbst bei den medizinischen Gründen bin ich skeptisch. Schließlich kann man behinderte Babys bis kurz vor der Geburt noch abtreiben. Aber da kommt man meiner Meinung nach schnell zu einer Entscheidung über lebenswertes und lebensunwertes Leben. Aber wer gibt den Eltern das Recht zu bestimmen, das bei behinderten Menschen das Leben nicht so viel Wert sei!
Auch hier ist wieder Geld das Thema! Ich habe Comhaires Aussage (S. 251) nicht verstanden, dass der hohe Preis für die Geschlechtsauswahl bei der Moral hilft. Warum? Weil es sehr teuer ist, können es sich nur wenige Paare leisten. Aber diese Tatsache hilft meiner Meinung überhaupt nicht bei der moralischen Frage. Es wirft viel mehr noch mehr Fragen auf. Schließlich könnte sich die Welt somit noch mehr in Arm und Reich spalten, ohne dass es eine Mittelschicht gibt und ohne Möglichkeiten sich hoch zu arbeiten.

Die Brücke ins Geisterreich - Was darf die Hirnforschung?
Hier bin ich erstmal fasziniert, was wohl alles demnächst möglich sein kann. Für den Kampf gegen Krankheiten sehe ich viel positives Potenzial in der Hirnforschung. Interessant wird wohl der Umgang mit dem sogenannten "Hirndoping" sein. Für mich ist das ganze zum Glück noch sehr abstrakt, aber ich befürchte, dass es bald Realität ist. Aber ich mache mir auch Sorgen wie das menschliche Gehirn mit diesem Doping umgeht.

Grüße foenig
« Letzte Änderung: 10. August 2010, 09:11:38 von foenig »
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foenig

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Re: Richard D. Precht - Wer bin ich und wenn ja, wieviele?
« Antwort #17 am: 10. August 2010, 15:27:21 »

Was darf ich hoffen?

Die größte aller Vorstellungen - Gibt es Gott?

Ehrlich gesagt konnte ich mit diesem Kapitel gar nichts anfangen. Den ontologischen Gottesbeweis konnte ich nicht nachvollziehen, aber dafür konnte ich die Kritik daran umso besser verstehen.
Der neurotheologische Gottesbeweis konnte mich auch nicht überzeugen, aber ich fand es überraschend zu erfahren, dass man überhaupt auf diese Weise Gott beweisen möchte.
Da empfinde ich den Theologen Bultmann schon wesentlich einleuchtender, wenn er sagt, dass es in der Natur der Sache liegt, dass Gott nicht erkannt werden kann! Der Glaube an Gott ist ein Geschenk, dass man erhält oder nicht. Also, entweder glaubt man an ihn oder nicht. Aber ich kann mir absolut keinen Weg vorstellen, wie man seine Existenz beweisen möchte...

Die Uhr des Erzdiakons - Hat die Natur einen Sinn?
Ich habe mich eher gefragt, welchen Sinn dieses Kapitel hat. Scheinbar können wir Menschen (noch) keinen Sinn in der Natur erkennen oder wir sind uns nicht einig darüber. Jedenfalls mag ich solche schwammigen Aussagen nicht, wo man am Ende nicht schlauer ist als vorher. Das Kapitel hat mir leider nicht gefallen.

Eine ganz normal Unwahrscheinlichkeit - Was ist Liebe?
Das Kapitel fand ich schon wieder interessanter, wenn Precht auch mal wieder viele Seiten damit gefüllt hat über die einzelnen wichtigen Persönlichkeiten und ihr Leben zu erzählen und dadurch für das eigentliche Thema kaum Platz blieb.
Etwas geschockt bin ich ja davon, dass man wohl maximal drei Jahre verliebt sein kann, also in ein und dieselbe Person. Wenn ich das richtig verstanden habe, liebt man den anderen danach zwar eventuell noch, aber es gibt wohl keine Schmetterlinge mehr. Wie traurig! Ich habe leider aus meinem Leben auch noch kein Gegenbeispiel, aber noch bin ich jung genug um an ein Gegenbeispiel zu glauben!

Do be do be do - Was ist Freiheit?

Ich musste erst mal ordentlich über die Steintafel in der Taverne lachen. Auch wenn dieser Spruch sehr bekannt sein soll, ich kannte ihn nicht und werde ihn mir jetzt aber auf jeden Fall merken!
Was sind Gefühle?
In diesem Kapitel fand ich den Aspekt der Sprache sehr interessant. Besser gesagt, hat mich das Problem mit der Sprache neugierig gemacht. Es ist wirklich schwer abstrakte Sachen mit Sprache genau zu beschreiben und wenn dann noch jede Sprache anderer Akzente setzt wird es immer schwieriger. Ansich ist das ja nichts Neues, schließlich kennt wohl jeder das Beispiel vom Schnee, wofür die Eskimos (mir fällt gerade das politisch korrekte Wort nicht ein) unzählige Worte haben, die auch etwas anderes meinen. Trotzdem war ich überrascht, dass die Unzulänglichkeit der Sprache auch in der Wissenschaft Probleme bereitet.
Außerdem erwähnt Precht, dass Emotionen lernfähig sind. Leider führt er das aber nicht aus oder ich habe es überlesen... Jedenfalls hätte ich mich mit dieser These gerne intensiver beschäftigt.
In diesem Kapitel wird noch mal erwähnt, dass Gefühle lernfähig sind. Diesmal gibt er aber auch Beispiele an und nun habe auch ich endlich verstanden, was er damit meint!

Robinsons Altöl - Brauchen wir Eigentum?

Ich bin mir nicht sicher, ob ich zwischen den Zeilen eine Kritik an die heutige stark auf das Materielle bezogene Welt erkannt zu haben. Gut fand ich, dass er als Beispiel Robinson Crusoe gewählt hat. Selbst wenn man es nicht gelesen hat, kennt man doch die Geschichte. An bekannten Sachen finde ich es immer einfacher Dinge zu erklären und zu verstehen.

Das Rawls-Spiel - Was ist gerecht?
Dass es keine gerechte und faire Welt geben kann, das würde ich sofort unterschreiben. Aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass wenn man das Ziel nicht erreichen kann, sich auch der Weg nicht lohnt. Aber ich finde schon, dass man sich anstrengen sollte in einer so gerecht wie möglichen Welt zu leben.

Inseln der Seeligkeit - Was ist ein glückliches Leben?

Von dieser Studie, wo man am glücklichsten lebt, habe ich auch schon mal gehört und auch wenn sie wohl nicht so recht wissenschaftlich begleitet wurde, finde ich das Ergebnis recht interessant. Glück kann man nun mal nicht kaufen!!!
« Letzte Änderung: 12. August 2010, 12:39:45 von foenig »
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hilde

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Re: Richard D. Precht - Wer bin ich und wenn ja, wieviele?
« Antwort #18 am: 15. August 2010, 18:02:52 »

Die Brücke ins Geisterreich - Was darf die Hirnforschung?
Hier bin ich erstmal fasziniert, was wohl alles demnächst möglich sein kann. Für den Kampf gegen Krankheiten sehe ich viel positives Potenzial in der Hirnforschung. Interessant wird wohl der Umgang mit dem sogenannten "Hirndoping" sein. Für mich ist das ganze zum Glück noch sehr abstrakt, aber ich befürchte, dass es bald Realität ist. Aber ich mache mir auch Sorgen wie das menschliche Gehirn mit diesem Doping umgeht.
Dieses Kapitel hat mich leider so gar nicht angesprochen. Ich fand, es wird mal wieder so vieles angerissen, dass ich mich am Ende gefragt habe: Was habe ich jetzt eigentlich gelesen?
Interessant fand ich den Ansatz von Thomas Metzinger, der von Aufmerksamkeitsraub, z.b. durch Computerspiele, spricht und für Kinder eine Gegen-Initiative, etwa in Form von Meditationskursen, fordert. Über dieses Thema hätte ich gerne mehr gelesen, man könnte z. b über ein generelles Verbot von bestimmten Spielen für Kinder nachdenken, denn, wie die Hirnforschung zeigt: Sie manipulieren das Gehirn - also, was unterscheidet sie von bewusstseinveränderten Drogen?
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hilde

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Re: Richard D. Precht - Wer bin ich und wenn ja, wieviele?
« Antwort #19 am: 15. August 2010, 18:22:49 »


Die größte aller Vorstellungen - Gibt es Gott?
Ehrlich gesagt konnte ich mit diesem Kapitel gar nichts anfangen. Den ontologischen Gottesbeweis konnte ich nicht nachvollziehen, aber dafür konnte ich die Kritik daran umso besser verstehen.
Der neurotheologische Gottesbeweis konnte mich auch nicht überzeugen, aber ich fand es überraschend zu erfahren, dass man überhaupt auf diese Weise Gott beweisen möchte.
Da empfinde ich den Theologen Bultmann schon wesentlich einleuchtender, wenn er sagt, dass es in der Natur der Sache liegt, dass Gott nicht erkannt werden kann! Der Glaube an Gott ist ein Geschenk, dass man erhält oder nicht. Also, entweder glaubt man an ihn oder nicht. Aber ich kann mir absolut keinen Weg vorstellen, wie man seine Existenz beweisen möchte...

Dieses Kapitel fand ich wiederum viel interessanter als die vorhergehenden, von denen ich einige ehrlich gesagt übersprungen habe. Wenn es diese Leserunde nicht gäbe, hätte ich das Buch abgebrochen...
Die These von Th. von Aquin, dass der ontologische Gottesbeweis lediglich beweist, dass unsere Vorstellung von Gott existiert, fand ich einleuchtend. Seine eigene "Beweis"-Führung, die die Existenz Gottes darin begründet sieht, dass das Universum irgendwann einen Anfang haben muss, kenne ich noch, natürlich laienhafter formuliert, aus dem Religionsunterricht meiner Kindheit. Hier sieht man, wie selbst dor grpößten Denker in ihrer Zeit gefangen sind: Heute haben wir dieses chronologisch-lineare Denken überwunden.

Die Uhr des Erzdiakons - Hat die Natur einen Sinn?
Ich habe mich eher gefragt, welchen Sinn dieses Kapitel hat. Scheinbar können wir Menschen (noch) keinen Sinn in der Natur erkennen oder wir sind uns nicht einig darüber. Jedenfalls mag ich solche schwammigen Aussagen nicht, wo man am Ende nicht schlauer ist als vorher. Das Kapitel hat mir leider nicht gefallen.
Für mich liegt der Sinn dieses Kapitels darin, indirekte Gottesbeweise ad absurdum zu führen. Erdgeschichtliche Katastrophen haben mehrmals zu einem Massensterben von Lebewesen geführt. Wer wollte so zynisch sein und hier einen Schöpfer, Zerstörer und Wieder-Sdhöpfer annehmen?
Precht bestärkt mich in meiner Haltung, dass die Vorstellung von Gott ein Konstrukt für den Menschen ist, der aufgrund seines begrenzten Verstands nicht in der Lage ist, sich die Zusammenhänge der Welt zu erklären. Ich als Atheist bin bescheidener: Ich erkenne meine Unwissenheit an.


LG
hilde
« Letzte Änderung: 16. August 2010, 20:44:18 von hilde »
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Re: Richard D. Precht - Wer bin ich und wenn ja, wieviele?
« Antwort #20 am: 16. August 2010, 20:59:54 »

Do be do be do
Was ist Freiheit?


Ein Kapitel, das mich mal wieder genervt hat. Der Existenzialist als schwarzgekleideter Melancholiker, stets hin und her pendelnd, zwischen Cafes, Uni und Kino... Das ist doch ein Klischee!
Für mich ist an Sartres Lebensführung vor allem interessant, dass er eben nicht nur ein Stubenhocker und Bücherwurm war, sondern sich unter dem Eindruck des 2. WK bewusst für ein politisch tätiges Leben entschieden hat. Übrigens zusammen mit Simone de Beauvoir, die nicht seine zeitweilige Geliebte, wie Precht schreibt, sondern quasi seine Frau war.
Der Begriff der Freiheit führt also bei Sartre zu bewussten, verantwortungsvollen Entscheidungen und daraus resultierenden Handlungen. In diesem Sinne ist er frei für ein selbstbestimmtes Leben. Precht reduziert hier meiner Ansicht nach unzulässig, indem er Sartres Freiheitsbegriff nicht als ein Frei-Sein _für_, sondern als ein Frei-Sein _von_ etwas, nämlich von inneren und äußeren Zwängen, beschreibt.
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hilde

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Re: Richard D. Precht - Wer bin ich und wenn ja, wieviele?
« Antwort #21 am: 18. August 2010, 18:35:47 »

Zitat
Inseln der Seeligkeit - Was ist ein glückliches Leben?
Von dieser Studie, wo man am glücklichsten lebt, habe ich auch schon mal gehört und auch wenn sie wohl nicht so recht wissenschaftlich begleitet wurde, finde ich das Ergebnis recht interessant. Glück kann man nun mal nicht kaufen!!!
Ja, da würde ich Dir und Precht zustimmen, aber trotzdem finde ich das Kapitel eher nichtssagend (mal wieder). Geld macht nicht glücklich, wahres Glück finden wir in sozialen Beziehungen. Das vermittelt uns derzeit jeder zweite Hollywood-Film.
Was mich darüber hinaus interessieren würde: Warum leben wir in  westlichen Industriegesellschaften nicht nach dieser Devise? Precht spricht diesen Widerspruch an, aber die Auseinandersetzung damit bleibt er schuldig.

Die Matrix-Maschine - Hat das Leben einen Sinn?
Gähn. Die von Precht aufgeführten Antworten sind mir zu simpel. Aus der Sicht des Universums ist es bedeutungslos, ob es eine Erde gibt oder nicht. Man könnte sich also zunächst fragen: Hat eine solche Frage einen Sinn?

So, jetzt habe ich mal wieder ganz schön herumgemäkelt. Sorry, aber ich bin von dem Buch enttäuscht. Die Postkartenweisheiten a la "Leben ist das, was den meisten Menschen passiert, während sie eifrig dabei sind, andere Pläne zu machen (S. 364) haben mir den Rest gegeben. Eure abschließende Meinung, foenig und Cyberangel, würde mich natürlich auch interessieren!

LG
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Re: Richard D. Precht - Wer bin ich und wenn ja, wieviele?
« Antwort #22 am: 31. August 2010, 11:56:29 »

Hey,
ich bin wieder zurück und werde heute oder morgen (je nach Motivatinslage) die letzten beiden Kapitel lesen und dann dieses Buch endlich abschließen können. Wie du, hilde, schon geschrieben hast, hätte ich dieses Buch wahrscheinlich ohne die Leserunde bestimmt schon längst weggelegt und wohl kaum noch mal hervorgeholt. Ich denke, dass ich nichts Neues verrate, wenn ich jetzt schon sage, dass meine abschließende Meinung über dieses Buch kaum allzu positiv ausfallen wird. Aber ich werde es brav erst einmal beenden um danach meinen Unmut kundzutun!
Grüße foenig
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Re: Richard D. Precht - Wer bin ich und wenn ja, wieviele?
« Antwort #23 am: 31. August 2010, 14:47:13 »

Oh, schön, dass hier nochmal jemand was postet. Bin schon sehr gespannt auf dein Urteil, foenig.
Ich hoffe, du hattest einen schönen Urlaub (du warst doch im Urlaub, oder?)

LG
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Re: Richard D. Precht - Wer bin ich und wenn ja, wieviele?
« Antwort #24 am: 01. September 2010, 09:56:49 »

Oh, schön, dass hier nochmal jemand was postet. Bin schon sehr gespannt auf dein Urteil, foenig.
Ich hoffe, du hattest einen schönen Urlaub (du warst doch im Urlaub, oder?)
LG
hilde
Ich war als Betreuerin mit einer Gruppe Jugendlicher mit geistiger Behinderung in den Niederlanden unterwegs. Urlaub würde ich das nicht gerade nennen, aber trotz wenig Schlaf und ein paar stressigen Situationen, hat es mal wieder Spaß gemacht!


Der ferne Garten - Ist Glück lernbar?
Wer sich mit dem Thema Glück beschäftigen möchte, sollte sich besser an Eckart von Hirschhausen wenden! Da bekommt man trotz viel Humor wesentlich mehr Informationen. Klick

Die Matrix-Maschine - Hat das Leben einen Sinn?
Gähn. Die von Precht aufgeführten Antworten sind mir zu simpel. Aus der Sicht des Universums ist es bedeutungslos, ob es eine Erde gibt oder nicht. Man könnte sich also zunächst fragen: Hat eine solche Frage einen Sinn?
Ich kann mal wieder nur dem Gähnen anschließen. Ich hatte das Gefühl, dass Precht in diesem Kapitel versucht noch mal ganz schnell alle im Buch erwähnten Philosophen noch mal, wenn auch nur namentlich, aufzuzählen. Der Sinn ist mir schleierhaft geblieben. Es sollte wohl ein guter Abschluss für das Buch werden, der in meinen Augen aber misslungen ist.

...


Die Brücke ins Geisterreich - Was darf die Hirnforschung?

Interessant fand ich den Ansatz von Thomas Metzinger, der von Aufmerksamkeitsraub, z.b. durch Computerspiele, spricht und für Kinder eine Gegen-Initiative, etwa in Form von Meditationskursen, fordert. Über dieses Thema hätte ich gerne mehr gelesen, man könnte z. b über ein generelles Verbot von bestimmten Spielen für Kinder nachdenken, denn, wie die Hirnforschung zeigt: Sie manipulieren das Gehirn - also, was unterscheidet sie von bewusstseinveränderten Drogen?
Das ganze Thema der Computerspiele finde ich recht interessant. Meiner Meinung nach sollte man sie nicht gleich alle verteufeln, denn mittlerweile sind auch deren positiven Wirkungen belegt worden. Aber wie immer kommt es auf die Dosis an...

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Was ist Freiheit?

...Übrigens zusammen mit Simone de Beauvoir, die nicht seine zeitweilige Geliebte, wie Precht schreibt, sondern quasi seine Frau war.
Der Begriff der Freiheit führt also bei Sartre zu bewussten, verantwortungsvollen Entscheidungen und daraus resultierenden Handlungen. In diesem Sinne ist er frei für ein selbstbestimmtes Leben. Precht reduziert hier meiner Ansicht nach unzulässig, indem er Sartres Freiheitsbegriff nicht als ein Frei-Sein _für_, sondern als ein Frei-Sein _von_ etwas, nämlich von inneren und äußeren Zwängen, beschreibt.
Ob Prechts Darstellung richtig oder falsch ist, kann ich mit meinem Unwissen leider nicht entscheiden. Aber ich habe immer mal wieder das Gefühl gehabt, dass Precht manche Sachen zu sehr verkürtzt hat und dadurch manche Sachen auch verfälscht hat. Dieses Problem regt mich auch sehr auf. Wenn ich so ein Buch lese, dann möchte ich auch, dass die Sachen richtig dargestellt werden und denn ansonsten bringt mir die Lektüre doch gar nichts.
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Re: Richard D. Precht - Wer bin ich und wenn ja, wieviele?
« Antwort #25 am: 02. September 2010, 08:59:21 »

Hey,
ich habe mal einen Thread zum Buch aufgemacht und meine Meinung kurz zusammen gefasst!
Klick

Auch wenn mir das Buch gar nicht gefallen hat, fand ich die Minileserund ganz nett, vorallem hätte ich ansonsten das Buch gar nicht beendet und könnte nicht so einfach behaupten, dass es sich nicht lohnt zu lesen!!!

Grüße foenig
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