Hey

Ich verfolge schon seit Längerem den Verlauf eurer Leserunde, weil ich das Buch eigentlich auch schon längst lesen wollte, aber ich hatte am Starttermin keine Zeit. Da euch ja zwei Teilnehmer abhanden gekommen sind, möchte ich mich euch gerne jetzt noch anschließen.
Na, dann mal herzlich Willkommen in unserer Minileserunde

Der zweite Teil des Buches, „Was soll ich tun?“ gefällt mir tatsächlich besser als der erste.
Puuh, da bin ich beruhigt! Ich fand den ersten Teil nämlich immer nerviger zu lesen, was auch erklärt, warum ich nur so langsam voran komme... Meine ganze Hoffnung lag jetzt auf dem zweiten Teil!
Was sind Gefühle?In diesem Kapitel fand ich den Aspekt der Sprache sehr interessant. Besser gesagt, hat mich das Problem mit der Sprache neugierig gemacht. Es ist wirklich schwer abstrakte Sachen mit Sprache genau zu beschreiben und wenn dann noch jede Sprache anderer Akzente setzt wird es immer schwieriger. Ansich ist das ja nichts Neues, schließlich kennt wohl jeder das Beispiel vom Schnee, wofür die Eskimos (mir fällt gerade das politisch korrekte Wort nicht ein) unzählige Worte haben, die auch etwas anderes meinen. Trotzdem war ich überrascht, dass die Unzulänglichkeit der Sprache auch in der Wissenschaft Probleme bereitet.
Außerdem erwähnt Precht, dass Emotionen lernfähig sind. Leider führt er das aber nicht aus oder ich habe es überlesen... Jedenfalls hätte ich mich mit dieser These gerne intensiver beschäftigt.
Was ist mein Unterbewusstsein?In diesem Kapitel beschreibt Precht, das "Ich" als arme Sau. Da passt Cyberangels Aussage sehr gut!
Teilweise finde ich es sehr populärwissenschaftlich und reißerisch geschrieben,
Auch wenn dieses Buch ein Buch für jedermann sein soll und nicht durch Fachsprache abschrecken möchte, wünsche ich mir doch ein wenig mehr Niveau bei der Sprachauswahl. Mir kommt es so vor, als ob Herr Precht verzweifelt "cool" und "witzig" wirken möchte. Leider funktioniert das nicht, sondern es wirkt eher fehl am Platz, was das Lesen nur erschwert.
Lächeln musste ich über das Gorilla-Experiment! Ich gehöre auch zu den Leuten, die den Gorilla beim ersten Sehen völlig übersehen haben.
Was ist das Gedächtnis?Über Savants habe ich mal eine Reportage im Fernsehen gesehen. Dieses Phänomen finde ich wirklich faszinierend, zu was unser Gehirn alles in der Lage sein kann...
An dieser Stelle ist mir mal wieder aufgefallen, dass Precht nur Beispiele bringt, die selbst ich schon kenne, obwohl ich mich mit dem Thema der Philosophie und was so dazu gehört fast noch gar nicht beschäftigt habe. Da hätte er sich ruhig die Mühe machen können und andere Beispiele finden können, das hätte das Lesen auch gleich spannender gemacht.
Was ist Sprache?Zwar ist es ganz interessant den Werdegang so mancher Theorien zu verfolgen und auch von Theorien zu hören, die mittlerweile widerlegt sind, aber ich finde Precht sollte mehr den Fokus auf den heutigen Kenntnisstand legen. Mir kommen die aktuellen Theorien etwas zu kurz.
Brauchen wir andere Menschen?Das Kapitel dient wohl als Einleitung in diesen zweiten Teil des Buches, da es mehr Fragen aufwirft, als es beantwortet. Was heißt überhaupt „gut“ sein? In den Kapiteln, die ich bisher gelesen habe, geht es um die Frage, was den Menschen dazu bringt, moralisch zu handeln. Aber wer bestimmt, was gut und böse ist? Das sind doch Wertungen. Eine Auseinandersetzung mit solchen Begriffen hätte für mich in die Einleitung gehört.
Ich denke, Precht geht nicht auf den Begriff "gut" ein, weil er in diesem Kapitel erst einmal klären möchte, ob wir andere Menschen brauchen. Trotzdem hätte ich mir genau wie du eine Abhandlung dazu gewünscht. Ich hoffe einfach, dass er noch einmal darauf zurück kommt.
Das Schwert des Drachentöters – Warum sollen wir anderen helfen?Die Primatenforschung belegt, dass selbst Affen altruistische Verhaltensweisen praktizieren. Der Mensch gilt als grundsätzlich moralfähig.
Andere Erkenntnisse liefert mir das Kapitel nicht, aber diese Einsicht finde ich schon mal ganz interessant.
Viel mehr Erkenntnisse kann man ja auch nicht aus so einem kurzen Kapitel herausholen

Ich fand aber die Gegenüberstellung der Theorien von Rousseau, dass der Mensch gut ist, mit der Theorie von Huxley, dass der Mensch schlecht ist, auch sehr spannend. Aber leider wird diese Gegenüberstellung kaum ausgeführt, sondern man kommt sofort zu der Erkenntnis, dass der Mensch weder gut noch böse ist, bzw. dass er die Anlagen für gut und böse hat.
Das Gesetz in mir – Warum soll ich gut sein?Ich kann zwar Kants Gedankengänge zum Freien Willen folgen, aber ich finde, Precht hat wie an so vielen anderen Stellen zuvor schon die Frage seiner Kapitelüberschrift nur äußerst knapp und ohne weiterführende Erklärung abgegeben.

Mittlerweile nervt mich diese Knappheit nicht nur, sondern sie ärgert mich regelrecht. Ich bekomme einfach nicht das Gefühl, dass ich durch das Lesen dieses Buches irgendeinen Gewinn erziele...
Das Libet-Experiment – Kann ich wollen, was ich will?Der Name Libet sagt mir zwar irgendwas, aber mit dem Libet-Experiment konnte ich doch nichts anfangen. Dabei ist dieses Experiment wirklich faszinierend oder besser gesagt die Interpretationsmöglichkeiten sind äußerst spannend. Ich bin bisher auch immer mutig davon ausgegangen, dass ich einen freien Willen habe. Aber die Schlussfolgerung von Libet aus seinem Experiment, dass es wohl eher einen freien Unwillen gibt als einen freien Willen finde ich sehr logisch. Gerne hätte ich mich mal wieder an dieser Stelle mehr mit dieser These befasst. Ich bin sehr gespannt, ob man diese These noch weiter untermauern kann oder ob sie durch eine andere ersetzt wird!
Viele Grüße
foenig