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Autor Thema: Richard D. Precht - Wer bin ich und wenn ja, wieviele?  (Gelesen 1592 mal)

Saltanah

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Richard D. Precht - Wer bin ich und wenn ja, wieviele?
« am: 17. Juli 2010, 17:47:44 »



Kurzbeschreibung:

„Fragen zu stellen ist eine Fähigkeit, die man nie verlernen sollte.“ (Richard David Precht)

Eine faszinierende Reise in die Welt der Philosophie – Richard David Prechts Buch bietet Antworten auf die großen Fragen des Lebens

Was ist Wahrheit? Woher weiß ich, wer ich bin? Warum soll ich gut sein?

Bücher über Philosophie gibt es viele. Doch Richard David Prechts Buch „Wer bin ich?“ ist anders als alle anderen Einführungen. Niemand zuvor hat den Leser so kenntnisreich und kompetent und zugleich so spielerisch und elegant an die großen philosophischen Fragen des Lebens herangeführt. Ein einzigartiger Pfad durch die schier unüberschaubare Fülle unseres Wissens über den Menschen. Von der Hirnforschung über die Psychologie zur Philosophie bringt Precht uns dabei auf den allerneusten Stand. Wie ein Puzzle setzt sich das erstaunliche Bild zusammen, das die Wissenschaften heute vom Menschen zeichnen. Eine aufregende Entdeckungsreise zu uns selbst: Klug, humorvoll und unterhaltsam!

• Eine ebenso kompetente wie spielerische Annäherung an die großen philosophischen Fragen

• Ein Buch, das die Lust am Denken weckt!

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hilde

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Re: Richard D. Precht - Wer bin ich und wenn ja, wieviele?
« Antwort #1 am: 17. Juli 2010, 18:20:33 »

Hallo!

Ich bin jetzt ungefähr auf Seite 120. Euphorisch bin ich nicht gerade. Mein Eindruck: Eine Aneinanderreihung von Fakten, die zwar interessant, aber zu einem großen Teil auch allgemein bekannt sind, ohne tiefere Einsichten. Wenn man denkt: Jetzt wird`s spannend, dann kommt ein neues Kapitel.
Gut gefallen haben mir die biografischen Einblicke über verschiedenste Wissenschaftler, da war auch einiges neu für mich.
Vielleicht wird`s noch besser.

LG
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Re: Richard D. Precht - Wer bin ich und wenn ja, wieviele?
« Antwort #2 am: 19. Juli 2010, 17:00:56 »

Wo seid ihr und wenn ja, wieviele?
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foenig

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Re: Richard D. Precht - Wer bin ich und wenn ja, wieviele?
« Antwort #3 am: 20. Juli 2010, 09:57:00 »

Wo seid ihr und wenn ja, wieviele?

Ich sitze zu Hause vor meinem PC und bin alleine und kann somit nun auch vermelden, dass ich das Precht-Buch lese! Da pankratz es nun doch nicht schafft und bella* es auch nicht später schafft einzusteigen, fehlt nur noch riff-raff und unsere Minileserunde ist vollständig...


Ich bin jetzt ungefähr auf Seite 120. Euphorisch bin ich nicht gerade.
Ich habe ersten 40 Seiten gelesen und kann mich dir nur anschließen. Aber noch habe ich Hoffnung, dass ich mich in das Buch erst hineinlesen muss...

Einleitung:

Ich bin absolut kein Fan von Einleitungen. Daher hat es mich auch nicht allzu sehr überrascht, dass ich auch diese eher langweilig fand, obwohl ich es ganz gut finde vorher etwas über den Autor zu erfahren. Momentan vermute ich, dass mir der zweite Teil des Buches am besten gefallen wird. Ich bin schon gespannt, was Precht zu Ethik und Moral zu sagen hat!

Was ist Wahrheit?

Gut gefallen haben mir die biografischen Einblicke über verschiedenste Wissenschaftler, da war auch einiges neu für mich.
Obwohl ich das Kapitel gerade erst gelesen habe, kann ich schon jetzt gar nicht mehr sagen, was denn nun Wahrheit ist. Aber dafür kann ich mich daran erinnern, was über Nietzsche gesagt wurde. :breitgrins: Momentan schreibe ich diese Vergesslichkeit noch meiner Müdigkeit zu, aber so richtig fesseln konnte mich Precht einfach nicht, außer mit eigentlich nebensächlichen Aussagen...

Woher kommen wir?
Die Lucy-Geschichte der Beatles fand ich niedlich, die hätte Precht ruhig für mich ausführlicher beschreiben können. :breitgrins:
Breit grinsen musste ich bei der Aussage, dass bisher nur bei Menschen und Delfinen die Gehirne schneller wuchsen als ihre Körper. Diese Tatsache musste wohl auch Douglas Adams kennen und daher hat er sich die Delfine ausgesucht, die von der Bedrohung für die Erde Bescheid wussten (bekomme die genaue Story gerade nicht mehr auf die Reihe...)


Da ich mich auf dem Feld der Philosophie überhaupt nicht auskenne, werde ich bestimmt noch mit interessanten Erkenntnissen überrascht, die für andere wahrscheinlich schon längst bekannt sind. Noch bin ich jedenfalls, trotz des mäßigen Anfangs, noch sehr interessiert an diesem Buch!


Wie funktioniert mein Gehirn?
Wenn ich mir die Überschriften der einzelnen Kapitel nach dem Lesen noch mal anschaue, bemerke ich, dass ich die Kapitelüberschriftfrage gar nicht beantworten kann... Das liegt aber meiner Meinung nach nicht unbedingt an mir, sondern dass die Fragen auch gar nicht so konkret beantwortet werden!


Warum steht unter jedem Kapitelchen die Überschrift des nächsten Kapitels? Oft muss man ja noch nicht mal umblättern um die Überschrift des nächsten Kapitels lesen zu können und selbst wenn das nötig wäre, würde der Leser des Buches es wohl schaffen...


Wer ist "Ich"?
Dieses Kapitel fand ich mal richtig interessant, aber leider viel zu oberflächig. Bisher habe ich noch nicht über mein "Ich", falls es das "Ich" überhaupt gibt, nachgedacht, so dass die Erläuterungen von Precht dazu für mich neu waren. Nun bin ich gespannt auf das nächste Kapitel über die Gefühle...
« Letzte Änderung: 22. Juli 2010, 10:09:09 von foenig »
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hilde

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Re: Richard D. Precht - Wer bin ich und wenn ja, wieviele?
« Antwort #4 am: 24. Juli 2010, 12:29:01 »

Momentan vermute ich, dass mir der zweite Teil des Buches am besten gefallen wird. Ich bin schon gespannt, was Precht zu Ethik und Moral zu sagen hat!

Der zweite Teil des Buches, „Was soll ich tun?“ gefällt mir tatsächlich besser als der erste.

Rousseaus Irrtum – Brauchen wir andere Menschen?

Rousseau lastete der Zivilisation an, die wahre Natur des Menschen zu verderben und für unmoralische Handlungen verantwortlich zu sein. In der Einsamkeit sei der Mensch von Natur aus gut. Seine Theorie wurde später durch die Psychologie widerlegt, die herausfand, dass die Fähigkeit, Liebe und Mitgefühl zu schenken, ein wichtiger Baustein für Lebensglück ist.
Soweit, so einleuchtend. Das Kapitel dient wohl als Einleitung in diesen zweiten Teil des Buches, da es mehr Fragen aufwirft, als es beantwortet. Was heißt überhaupt „gut“ sein? In den Kapiteln, die ich bisher gelesen habe, geht es um die Frage, was den Menschen dazu bringt, moralisch zu handeln. Aber wer bestimmt, was gut und böse ist? Das sind doch Wertungen. Eine Auseinandersetzung mit solchen Begriffen hätte für mich in die Einleitung gehört.



Das Schwert des Drachentöters – Warum sollen wir anderen helfen?

Die Primatenforschung belegt, dass selbst Affen altruistische Verhaltensweisen praktizieren. Der Mensch gilt als grundsätzlich moralfähig.
Andere Erkenntnisse liefert mir das Kapitel nicht, aber diese Einsicht finde ich schon mal ganz interessant.



Das Gesetz in mir – Warum soll ich gut sein?

Immanuel Kant entdeckt den kategorischen Imperativ. Damit verlässt er die Diskussion, ob der Mensch von Natur aus gut sei und beschäftigt sich mit der Theorie, warum der Mensch sich für „gutes“ Handeln entscheidet. Kant geht vom Gut-sein-wollen des Menschen aus, das dessen Handlungen leitet. Voraussetzung für sein Gedanken-Konstrukt ist der freie Wille.
Ich finde es faszinierend, wie im 18. Jahrhundert, ohne die heutigen Methoden der Hirnforschung, Gedankenkonstrukte aufgebaut werden, deren Fragestellungen auch heute noch handlungsleitend sein können. Die Hirnforschung hat, wie Precht im nächsten Kapitel zeigt, berechtigte Zweifel an der Willensfreiheit des Menschen angemeldet. Aber die Gedankenwelt, die solche Forschungen inspiriert, geht auf Kant zurück.


Das Libet-Experiment – Kann ich wollen, was ich will?

Zwischen der Entscheidung, eine Handlung auszuführen, und ihrer tatsächlichen Durchführung, liegt eine halbe Sekunde. Man entscheidend sich also für eine Handlung, bevor diese einem bewusst ist.
Damit wird die Vernunft, die jahrtausendelang in der Philosophie der Maßstab war, zur Spitze eines Eisbergs reduziert; eines Eisbergs, dessen riesiger, nicht-sichtbarer Bereich Vorbewusstsein, Unterbewusstsein oder das Unbewusste genannt wird. Gibt es Instinkte, die den Menschen zu „gutem“ Handeln antreiben?
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Cyberangel

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Re: Richard D. Precht - Wer bin ich und wenn ja, wieviele?
« Antwort #5 am: 25. Juli 2010, 20:56:18 »

Ich verfolge schon seit Längerem den Verlauf eurer Leserunde, weil ich das Buch eigentlich auch schon längst lesen wollte, aber ich hatte am Starttermin keine Zeit. Da euch ja zwei Teilnehmer abhanden gekommen sind, möchte ich mich euch gerne jetzt noch anschließen.

Ich habe erst die Einleitung gelesen und ich fand sie für eine Einleitung recht gelungen. Allerdings verspricht sie viel und ich hoffe, dass meine Vorstellungen davon nicht enttäuscht werden. Die Einteilung der Kapitel in die von Immanuel Kant gestellten Fragen hört sich nicht schlecht an.
Ich habe Ethik in der Schule immer geliebt und da es nun schon über ein Jahr her ist, dass ich mein Abi gemacht habe, freue ich mich nun auf den weiteren Verlauf dieses Buches.

Viele Grüße  :winken:
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Cyberangel

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Re: Richard D. Precht - Wer bin ich und wenn ja, wieviele?
« Antwort #6 am: 25. Juli 2010, 23:57:26 »

Kluge Tiere im All - Was ist Wahrheit?

Nietzsche machte die Welt darauf aufmerksam, dass der Mensch unter der vorherrschenden Meinung Ende des 19. Jahrhunderts "Gott ist tot" ein Produkt der Natur sei und somit von seinen Trieben etc. bestimmt ist.
Es gibt keine objektive Wahrheit, da wir durch unsere "mangelhaften" Sinnesorgane gar nicht dazu in der Lage sind, diese zu erkennen, und wahrscheinlich ist es auch besser so. So Precht.

Teilweise finde ich es sehr populärwissenschaftlich und reißerisch geschrieben, so z.B. die Anspielungen auf Faust.
Zitat
Zu gern hätte er der Mutter den Gefallen getan, ein rechter Pfarrer zu werden - allein ihm fehlt der Glaube.


Lucy in the Sky - Woher kommen wir?

Mir gefällt die Art und Weise, wie Precht diese drei Geschichten miteinander verknüpft und sein Ausflug in die Evolutionsgeschichte bringt durchaus Neues mit sich. Schade, dass er es nicht weiter ausführt, dass wir den größten Teil unserer Intelligenz für unser Sozialleben nutzen, trotzdem sind es interessante Denkanstöße.
Nietzsche kritisiert zu Recht die Vorstellung, dass der Mensch das "Ziel der Evolution" sei, denn alles in allem sind das doch sehr menschliche Klassifizierungen.
Fazit ist, dass man sich von der Suche nach einer "objektiven Realität" lösen sollte und sich der Frage nach dem Umfang des möglichen Wissens und dessen Funktionsweise widmen sollte.
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foenig

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Re: Richard D. Precht - Wer bin ich und wenn ja, wieviele?
« Antwort #7 am: 27. Juli 2010, 11:43:51 »

Hey  :winken:

Ich verfolge schon seit Längerem den Verlauf eurer Leserunde, weil ich das Buch eigentlich auch schon längst lesen wollte, aber ich hatte am Starttermin keine Zeit. Da euch ja zwei Teilnehmer abhanden gekommen sind, möchte ich mich euch gerne jetzt noch anschließen.
Na, dann mal herzlich Willkommen in unserer Minileserunde :winken:

Der zweite Teil des Buches, „Was soll ich tun?“ gefällt mir tatsächlich besser als der erste.
Puuh, da bin ich beruhigt! Ich fand den ersten Teil nämlich immer nerviger zu lesen, was auch erklärt, warum ich nur so langsam voran komme... Meine ganze Hoffnung lag jetzt auf dem zweiten Teil!

Was sind Gefühle?
In diesem Kapitel fand ich den Aspekt der Sprache sehr interessant. Besser gesagt, hat mich das Problem mit der Sprache neugierig gemacht. Es ist wirklich schwer abstrakte Sachen mit Sprache genau zu beschreiben und wenn dann noch jede Sprache anderer Akzente setzt wird es immer schwieriger. Ansich ist das ja nichts Neues, schließlich kennt wohl jeder das Beispiel vom Schnee, wofür die Eskimos (mir fällt gerade das politisch korrekte Wort nicht ein) unzählige Worte haben, die auch etwas anderes meinen. Trotzdem war ich überrascht, dass die Unzulänglichkeit der Sprache auch in der Wissenschaft Probleme bereitet.
Außerdem erwähnt Precht, dass Emotionen lernfähig sind. Leider führt er das aber nicht aus oder ich habe es überlesen... Jedenfalls hätte ich mich mit dieser These gerne intensiver beschäftigt.

Was ist mein Unterbewusstsein?

In diesem Kapitel beschreibt Precht, das "Ich" als arme Sau. Da passt Cyberangels Aussage sehr gut!
Teilweise finde ich es sehr populärwissenschaftlich und reißerisch geschrieben,
Auch wenn dieses Buch ein Buch für jedermann sein soll und nicht durch Fachsprache abschrecken möchte, wünsche ich mir doch ein wenig mehr Niveau bei der Sprachauswahl. Mir kommt es so vor, als ob Herr Precht verzweifelt "cool" und "witzig" wirken möchte. Leider funktioniert das nicht, sondern es wirkt eher fehl am Platz, was das Lesen nur erschwert.
Lächeln musste ich über das Gorilla-Experiment! Ich gehöre auch zu den Leuten, die den Gorilla beim ersten Sehen völlig übersehen haben. :redface:

Was ist das Gedächtnis?
Über Savants habe ich mal eine Reportage im Fernsehen gesehen. Dieses Phänomen finde ich wirklich faszinierend, zu was unser Gehirn alles in der Lage sein kann...
An dieser Stelle ist mir mal wieder aufgefallen, dass Precht nur Beispiele bringt, die selbst ich schon kenne, obwohl ich mich mit dem Thema der Philosophie und was so dazu gehört fast noch gar nicht beschäftigt habe. Da hätte er sich ruhig die Mühe machen können und andere Beispiele finden können, das hätte das Lesen auch gleich spannender gemacht.

Was ist Sprache?
Zwar ist es ganz interessant den Werdegang so mancher Theorien zu verfolgen und auch von Theorien zu hören, die mittlerweile widerlegt sind, aber ich finde Precht sollte mehr den Fokus auf den heutigen Kenntnisstand legen. Mir kommen die aktuellen Theorien etwas zu  kurz.

Brauchen wir andere Menschen?
Das Kapitel dient wohl als Einleitung in diesen zweiten Teil des Buches, da es mehr Fragen aufwirft, als es beantwortet. Was heißt überhaupt „gut“ sein? In den Kapiteln, die ich bisher gelesen habe, geht es um die Frage, was den Menschen dazu bringt, moralisch zu handeln. Aber wer bestimmt, was gut und böse ist? Das sind doch Wertungen. Eine Auseinandersetzung mit solchen Begriffen hätte für mich in die Einleitung gehört.
Ich denke, Precht geht nicht auf den Begriff "gut" ein, weil er in diesem Kapitel erst einmal klären möchte, ob wir andere Menschen brauchen. Trotzdem hätte ich mir genau wie du eine Abhandlung dazu gewünscht. Ich hoffe einfach, dass er noch einmal darauf zurück kommt.

Das Schwert des Drachentöters – Warum sollen wir anderen helfen?
Die Primatenforschung belegt, dass selbst Affen altruistische Verhaltensweisen praktizieren. Der Mensch gilt als grundsätzlich moralfähig.
Andere Erkenntnisse liefert mir das Kapitel nicht, aber diese Einsicht finde ich schon mal ganz interessant.
Viel mehr Erkenntnisse kann man ja auch nicht aus so einem kurzen Kapitel herausholen :zwinker:
Ich fand aber die Gegenüberstellung der Theorien von Rousseau, dass der Mensch gut ist, mit der Theorie von Huxley, dass der Mensch schlecht ist, auch sehr spannend. Aber leider wird diese Gegenüberstellung kaum ausgeführt, sondern man kommt sofort zu der Erkenntnis, dass der Mensch weder gut noch böse ist, bzw. dass er die Anlagen für gut und böse hat.

Das Gesetz in mir – Warum soll ich gut sein?
Ich kann zwar Kants Gedankengänge zum Freien Willen folgen, aber ich finde, Precht hat wie an so vielen anderen Stellen zuvor schon die Frage seiner Kapitelüberschrift nur äußerst knapp und ohne weiterführende Erklärung abgegeben. :grmpf: Mittlerweile nervt mich diese Knappheit nicht nur, sondern sie ärgert mich regelrecht. Ich bekomme einfach nicht das Gefühl, dass ich durch das Lesen dieses Buches irgendeinen Gewinn erziele...

Das Libet-Experiment – Kann ich wollen, was ich will?

Der Name Libet sagt mir zwar irgendwas, aber mit dem Libet-Experiment konnte ich doch nichts anfangen. Dabei ist dieses Experiment wirklich faszinierend oder besser gesagt die Interpretationsmöglichkeiten sind äußerst spannend. Ich bin bisher auch immer mutig davon ausgegangen, dass ich einen freien Willen habe. Aber die Schlussfolgerung von Libet aus seinem Experiment, dass es wohl eher einen freien Unwillen gibt als einen freien Willen finde ich sehr logisch. Gerne hätte ich mich mal wieder an dieser Stelle mehr mit dieser These befasst. Ich bin sehr gespannt, ob man diese These noch weiter untermauern kann oder ob sie durch eine andere ersetzt wird!

Viele Grüße
foenig
« Letzte Änderung: 29. Juli 2010, 08:56:27 von foenig »
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hilde

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Re: Richard D. Precht - Wer bin ich und wenn ja, wieviele?
« Antwort #8 am: 29. Juli 2010, 14:12:17 »


Lucy in the Sky - Woher kommen wir?
Nietzsche kritisiert zu Recht die Vorstellung, dass der Mensch das "Ziel der Evolution" sei, denn alles in allem sind das doch sehr menschliche Klassifizierungen.

Precht hat zum Thema Krone der Schoepfung einige ganz interessante Ansaetze, wie ich finde. Im Kapitel Die Qual der Wale... Der Mensch, als Teil der Natur, koennte als weitere Naturkatastrophe aufgefasst werden, aehnlich Meteoriteneinschlaegen vergangener Zeiten. Betrachtet man den Menschen konsequent unter der Perspektive des Naturschutzes, so koennte man das Verhungern von Millionen von Menschen als etwas Positives betrachten...
Hier gefaellt mir vor allem, dass Precht diesen Gedanken zurueckweist und klar macht, dass solche Gedankengaenge uns nicht weiterbringen. Fazit ... Reine Logik greift zu kurz.
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Cyberangel

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Re: Richard D. Precht - Wer bin ich und wenn ja, wieviele?
« Antwort #9 am: 01. August 2010, 19:47:39 »

Hallo ihr beiden!

Ihr hört von mir momentan nichts, weil ich seit Mittwoch daheim kein Internet und Festnetz mehr habe, da auf einer Baustelle bei uns im Ort vermutlich die Leitungen beschädigt wurden. Da die direkte Schadensstelle noch nicht lokalisiert werden konnte, kann ich auch noch nicht garantieren, dass ich morgen wieder an die Außenwelt angeschlossen bin.

Ich werde dann was zu den weiteren Kapiteln schreiben, wenn ich wieder daheim ins Internet kann.

Weiterhin viel Spaß mit der Lektüre  :winken:
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foenig

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Re: Richard D. Precht - Wer bin ich und wenn ja, wieviele?
« Antwort #10 am: 02. August 2010, 16:32:35 »

Hey :winken:

Der Fall Gage - Gibt es Moral im Gehirn?
Zuerst einmal bin ich wirklich sehr überrascht, dass Gage mit einem Loch im Kopf überlebt hat. Da muss er wohl eine Menge Glück gehabt haben bzw. wenn man sich sein späteres Leben anschaut vielleicht doch eher Pech. Zum anderen fand ich den Aspekt der Moral an dieser Geschichte auch sehr spannend. Scheinbar scheint es ja wirklich einen Bereich für unsere Moral im Gehirn zu geben. Schade, dass mal wieder Pro und Contra für diese These nicht ausführlicher ausgebreitet wurden.

Ich fühle was, was du auch fühlst. - Lohnt es sich, gut zu sein?
Von diesen sogenannten Spiegelneuronen habe ich auch schon mal gehört. Profisportler machen sich diesen Effekt wohl zu nutze, wenn sie rein in Gedanken ihre einzelnen Abläufe ihrer Bewegungen noch mal durchgehen. Sie trainieren also nur in Gedanken, haben aber trotzdem einen Nutzen davon.

Der Mann auf der Brücke - Ist Moral angeboren?
Bei den beiden Fragen hätte ich wahrscheinlich aus den angegebenen Gründen wie die Mehrheit der Menschen geantwortet. Aber trotzdem habe ich mich gefragt, ob ich auch wirklich so gehandelt hätte. Zu sagen, was man machen würde ist schließlich ein großer Unterschied zu dem, es dann doch wirklich zu machen, was das Beispiel der Hiroshima-Bomben auch bestätigt.
Gut fand ich, dass Precht den Unterschied zwischen einer mutwilligen und einer unterlassenen Handlung vertieft hat. Ich gehe davon aus, dass dieser Unterschied noch wichtig wird bei moralischen Fragen.

Bisher konnte mich das Buch ja leider noch so gar nicht überzeugen, aber noch habe ich die Hoffnung nicht aufgegeben, besonders da der nächste Teil praxisnaher sein wird.

@Cyberangel:
Achherrje, du Ärmste...
Ich drücke dir die Daumen, dass das Problem schnell entdeckt und auch behoben wird!

Grüße foenig
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Re: Richard D. Precht - Wer bin ich und wenn ja, wieviele?
« Antwort #11 am: 02. August 2010, 19:15:49 »


Da die direkte Schadensstelle noch nicht lokalisiert werden konnte, kann ich auch noch nicht garantieren, dass ich morgen wieder an die Außenwelt angeschlossen bin.

Das verschafft Dir Zeit zum Lesen :zwinker:

Der Mann auf der Brücke - Ist Moral angeboren?
 
Gut fand ich, dass Precht den Unterschied zwischen einer mutwilligen und einer unterlassenen Handlung vertieft hat. Ich gehe davon aus, dass dieser Unterschied noch wichtig wird bei moralischen Fragen.

Dieses Kapitel ist für mich eines der entscheidenden für den weiteren Verlauf des Buches. Hier werden grundsätzliche moralische Überlegungen angestellt, die auf die praxisnahen Beispiele der folgenden Kapitel angewandt werden. Das ist meiner Meinung nach gut gelungen.
Entscheidend finde ich die Feststellung, dass intuitive Moral als Kategorie angeboren ist. Wie diese Kategorie dann mit Inhalt gefüllt wird, ist kultur- und erziehungsabhängig. Moral als Gegenstand der Intuition ist damit affektiv, wie Precht herausstellt. Nun hat sich die Philosophie jahrtausendelang bemüht, die Vernunft als Maßstab des Handelns zu deklarieren und komplizierteste Gedankengebäude konstruiert – aber mit reiner Vernunft und Logik sind viele Probleme der Menschheit nicht zu lösen. Das arbeitet Precht ganz gut heraus, finde ich. Auch die Beispiele, die er in späteren Kapiteln bringt, sind immer wieder auf diesen Gedanken zurückzuführen.

Die Geburt der Würde - Ist Abtreibung moralisch

Rein vernünftig, in diesem Beispiel utilitaristisch argumentiert, beginnt der Lebenwert eines Kleinkindes mit dem 2. Lebensjahr, weil es dann ein Ich-Bewusstsein hat. Was daraus folgen könnte, sollte man sich lieber nicht ausmalen, denn diese Betrachtungsweise ist natürlich zynisch. Ein schönes Beispiel für die Grenzen reiner Vernunft.
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Re: Richard D. Precht - Wer bin ich und wenn ja, wieviele?
« Antwort #12 am: 04. August 2010, 12:26:04 »

Tante Bertha soll leben. - Darf man Menschen töten?
Precht hat es geschafft, sich einem schwierigen Thema mit ein wenig Übertreibung und Witz zu nähern. Das Kapitel hat mir mal zur Abwechslung richtig gut gefallen. Passend hätte ich es noch gefunden, wenn er noch auf die Todesstrafe eingegangen wäre. Denn scheinbar wird der Wert eines Menschen nicht von allen Menschen als gleich hoch angesehen.

Die Geburt der Würde - Ist Abtreibung moralisch
Rein vernünftig, in diesem Beispiel utilitaristisch argumentiert, beginnt der Lebenwert eines Kleinkindes mit dem 2. Lebensjahr, weil es dann ein Ich-Bewusstsein hat. Was daraus folgen könnte, sollte man sich lieber nicht ausmalen, denn diese Betrachtungsweise ist natürlich zynisch. Ein schönes Beispiel für die Grenzen reiner Vernunft.
Nach deinem Kommentar war ich richtig gespannt auf dieses Kapitel und wurde auch nicht enttäuscht.
Precht hat die verschiedenen philosophischen Ansätze gut dargestellt und zeigt deutlich wohin sie führen können. Positiv anzumerken finde ich auch, dass er selbst gar keine Stellung nimmt und somit keine Wertung einfliessen lässt. Natürlich erkennt man, dass er keine reine utilitarische Vorstellung vom Lebensanfang befürwortet, aber ich finde er schafft es die verschiedenen Argumente trotzdem neutral vorzubringen.
Trotzdem konnte ich nicht ganz nachvollziehen, warum Abtreibungen bei behinderten Menschen eine Ausnahme bilden! Da kommt wieder die Frage nach dem Wert des Menschen auf!
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hilde

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Re: Richard D. Precht - Wer bin ich und wenn ja, wieviele?
« Antwort #13 am: 04. August 2010, 18:46:05 »

@foenig

Auch ich fand das Kapitel interessant zu lesen, und es regt zum Nachdenken an. Ich bin der gleichen Meinung, dass die Argumentationen für - wider Abtreibung sehr schnell in eine ungute Richtung gehen können und in eine unschöne Debatte über lebenswertes und lebensunwertes Leben abdriften.
Deswegen: Wäre es nicht wünschenswert, dass eine ungewollte Schwangerschaft überhaupt nicht zu einem moralischen Dilemma wird, sondern dass auch "ungeplante" Kinder und ihre Mütter durch die Gesellschaft aufgefangen werden? Der Gedanke ist natürlich idealistisch und utopisch, aber m. M. n. gehört er in die Auseinandersetzung mit dieser Frage.

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Re: Richard D. Precht - Wer bin ich und wenn ja, wieviele?
« Antwort #14 am: 05. August 2010, 10:49:32 »

End-Zeit - Soll man Sterbehilfe erlauben?
Tja, soll man oder soll man nicht? Ich finde, das ist eine unglaublich schwere Entscheidung und ich bin mir selbst unschlüssig. Zunächst einmal fand ich es gut, dass die Einteilung in passive, indirekte und aktive Sterbehilfe erklärt wurde. Die Möglichkeit der indirekten Sterbehilfe kannte ich nämlich noch gar nicht, wobei ja auch erwähnt wird, dass oft keine klaren Grenzen zwischen aktiver und indirekter gezogen werden können.
Einerseits bin ich für die Legalisierung der aktiven Sterbehilfe, da man meiner Meinung nach nicht nur ein Recht auf Leben hat, sondern gleichzeitig damit auch ein Recht auf einen selbstgewählten Tod. Deshalb gefällt mir auch die Möglichkeit der straffreien aktiven Sterbehilfe, die es in der Niederlande gibt. Solange der Mensch selbst deutlich machen kann, dass er sterben möchte, befürworte ich seinen Wunsch. Aber das große Problem entsteht, wenn der Mensch selbst nicht mehr entscheiden kann oder es nicht mehr sagen kann. Was ist mit Komapatienten oder stark geistigbeeinträchtigten Menschen? Hier würde ich mir große Sorgen machen, dass ein Kosten-Nutzen-Faktor herbeigezogen wird, der aber nichts mehr mit dem Wert des Menschens zu tun hat. Ich denke, hier kann man bestimmt Beispiele für beide Positionen finden, die eine allgemeine Äußerung erschweren.

Jenseits von Wurst und Käse - Dürfen wir Tiere essen?
Achja, dass ist auch ein Thema, was mich immer wieder begleitet. Ich habe mich jahrelang vegetarisch ernährt, aber irgendwann war der Heißhunger so groß, dass ich doch mal wieder Fleisch probiert habe und dann war die Hürde gebrochen. Mittlerweile ernähre ich mich meist vegetarisch, aber wenn mein Freund und ich zusammen essen, dann esse ich aus Bequemlichkeit Fleisch mit.
Dieses Kapitel hat mein schlechtes Gewissen mal wieder zum Vorschein gebracht. Nun werde ich mich mal wieder mehr bemühen, weniger Fleisch und Wurst zu essen und vorallem auch wieder mehr darauf achten, wo die Sachen herkommen.

@hilde:
Ich unterstütze auch den utopischen Gedanken, dass unsere Gesellschaft kinderfreundlicher wird und man dadurch vielleicht gar keinen Abbruch in Erwägung ziehen muss. Aber ich finde auch, dass es mehr Aufklärung unter Teenies geben muss. Ich habe jedenfalls das Gefühl, dass die Teenieschwangerschaften zugenommen haben. Ich finde einfach, wenn man noch nicht für sich selbst sorgen kann, dann sollte man nicht noch für eigene Kinder sorgen müssen.
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