Siegtraut Tesdorff - Valse triste Geständnisse an eine Kognakflasche
Gebundene Ausgabe von 1968 Hohenstaufen Verlag
(eine Abbildung ist bei Amazon nicht vorhanden, deshalb verzichte ich auf den Link)Inhalt:
Brigitte, die Tochter Deutscher Einwanderer erzählt an einem Silvesterabend einer Kognakflasche ihr Leben - die Höhen und Tiefen Ihrer Kindheit, vom Tod ihrer Eltern und damit ihr plötzliches Alleinsein in Uruguay, von Ihrer Naivität und Unerfahrenheit mit Männer, von Ihrem Alltag mit den positiven und negativen Aspekten der Einsamkeit, vom Schreiben, Malen und Ballett und immer wieder davon Außenseiter zu sein, Kind europäischer Eltern obwohl selbst noch nie in Europa gewesen und doch nicht als Einheimischer in Uruguay akzeptiert. Und auch von den Europäern ob eingewandert oder Tourist, wird sie im und nach dem 2. Weltkrieg als Deutsche immer wieder verachtet und verurteilt. Es bleibt der Traum und das Ziel nach Paris zu gehen.
Meinung:
Die Erzählerin spiegelt hier sehr schön ein Leben zwischen den Welten wieder, die Einsamkeit und Verschlossenheit, wenn man in dem Land in dem man lebt nicht wirklich glücklich ist, weil man immer das Gefühl hat, nicht dazuzugehören und sich dadurch nach Wurzeln sehnt, obwohl einem bewußt ist, dass man auch dort nicht dazugehören wird. Die politischen Geschehnisse werden dabei nur waage angedeutet und immer in Zusammenhang mit handelnden Personen gesetzt. Wie unterschiedlich die Menschen mit ihrem Leben in Uruguay umgehen zeigt besonders Cuba, Brigittes "beste" Freundin - sie genießt das Leben, geht aus und passt sich an, ganz das Gegenteil von Brigitte.
Brigitte sehe ich hierbei immer mit zwiespältigem Blick, was und wie sie erzählt wirkt teilweise naiv und unerfahren, doch die eingebauten Zwischensätze, wenn sie der Kognakflasche Kommentare dazu abgibt wirken weltgewandt und zeugen von Erfahrung. Eine Kombination die ich manchmal nicht verstanden habe - ich hatte immer das Gefühl, eine "alte erfahrene Trinkerin" erzählt das Leben einer "naiven Künstlerin". Fast wie eine gespaltene Persönlichkeit, aber doch passend zueinander.
Die Stimmung ist ruhig, teilweise aphatisch. Man fühlt und leidet mit, doch bleibt einem das Herz verschlossen, genau so, wie die Protagonistin sich den Menschen gegenüber gibt.
Insgesamt ein berührendes Buch das sowohl Einblicke in das Leben Montevideos Mitte des 20Jh. gibt als auch Probleme und Sorgen der Einwanderschaft deutlich aufzeigt.
Von mir gibt es

Grüße
schokotimmi