Untertitel: Im Zeichen der Sonne
Inhalt:Siegfried Obermeiers historischer Roman beschäftigt sich mit der wahrscheinlich revolutionärsten Episode der ägyptischen Kultur. Pharao Amenophis IV. bricht mit der alten Kultur bzw. der ägyptischen Tradition. Er reformiert radikal die bis dahin fest etablierte ägyptische Religion und errichtet seinen Sonnenkult auf der Basis eines einzigen Gottes – Aton. Er entmachtet die Priester, schließt Tempel, verlässt den alten Herrschersitz Waset (Theben) und gründet eine neue Stadt Achetaton (Amarna). Nicht zuletzt ändert er auch seinen Namen in Echnaton, um von den alten Glaubensbekenntnissen Abstand zu nehmen.
Beim Volk und vor allem auch bei der etablierten Priesterschaft stößt er auf wenig Gegenliebe. Es beginnt eine Zeit voller Unruhe und Intrigen - ein politisches Ränkespiel, das sich natürlich auch die Feinde im Ausland zunutze machen wollen.
Meine Meinung:Der historische Roman gehört nicht gerade zu meinem bevorzugten Genre. Jedoch ist der für seine Zeit oftmals als Ketzer betrachtete Echnaton eine historische Persönlichkeit, die mein Interesse immer wieder weckt. Siegfried Obemeiers Romane heben sich von der üblichen Masse in diesem Genre positiv ab, da er sich den Themen sachlich und vielleicht auch manchmal etwas zu nüchtern widmet. Dabei schafft er insbesondere bei diesem Roman den Ausgleich zwischen historisch belegten Fakten, Spekulation und Fantasie. Dadurch wirkt die Geschichte glaubhaft und spiegelt so ein eher realistisches Bild der damaligen Zeit wieder.
Trotzdem hat Obermeier meine Ansprüche nicht erfüllt. Anfangs vermag er mit der Schilderung der Jugendjahre und Besteigung des Thrones noch zu überzeugen. Er schafft ein Schlüsselerlebnis, das den radikalen Umbruch, den Echnaton später einleitet, erklärt. Dieses stellt er aber nur kurz in den Raum. Er liefert kein umfassendes Bild für die Motive. Ich hätte mir hier tiefer greifende Einblicke in die Glaubensideologie gewünscht. Ansonsten verliert sich Obermeier in dieser Geschichte in endlosen Episoden bzw Einzelschicksalen um sämtliche Personen um Echnaton drumherum. Dabei bleibt meiner Meinung nach die Hauptperson, um die sich dieses Buch doch eigentlich dreht im Hintergrund und fungiert nur als Impulsgeber für die Handlungen der Familienmitglieder, der Priester und selbst einfacher „Polizisten“, Berufskiller, Bildhauer etc. Zusätzlich gibt es auflockernd eine ordentliche Priese Sex, die die Nüchternheit der Details mit ein paar frivolen erotischen Szenen würzt. Die genaue Charakterstudie und Entwicklung von Echnaton habe ich aber vermisst – tritt er doch zu Beginn des Romans als intelligenter junger Mann auf, so erscheint er später als saufender religiöser Fanatiker, den nichts weiter interessiert als seinem Gott zu huldigen und den Kopf in die Sonne zu halten.
Weiterhin hat Obermeier die Liebe zum Detail nicht bis zum Schluss des Romans durchgehalten. In einer Art Hau-Ruck-Aktion gestalten sich die letzten 30 Seiten als Schnelldurchlauf und wirken lustlos aufgesetzt wie ein gehetztes Tier.
Es gibt gerade noch