Meine Meinung:Ich gehöre zu der Fraktion der Begeisterten, mir hat
Garou mindestens genauso viel Spaß gemacht wie
Glennkill und ich finde, Leonie Swann hat die zweite Geschichte um die Schafherde mit ebenso viel Witz und Esprit hinbekommen.
Die Schafe sind von Irland nach Frankreich ausgewandert und haben dort eine Wiese in Beschlag genommen, in unmittelbarer Nähe eines Schloßes und eines Waldes. Kein Wunder, dass es da einigermaßen gruselig zugeht, soll doch ein Werwolf schon seit längerem sein Unwesen treiben...
Sehr schön, wie sich die Botschaft allmählich bei den Schafen herumspricht und wie das geheimnisvolle Wesen in ihrem Bewusstsein Gestalt annimmt. Auch der eine oder andere Abschnitt aus Sicht des Garou trägt dazu bei, dass die Handlung sich weitaus unheimlicher anfühlt als im Vorgängerband - mehr Horror als Thriller.
Die Schafe ziehen ihre eigene Schlüsse aus allem, was sie an Information so aufnehmen und dabei kommen oft die kuriosesten Ansichten heraus - sehr originell ausgedacht, ein echter Schmunzelfaktor, diese schlauen Schafe. Dabei ist neben dem kollektiven Herdenbewusstsein, das sich durch die Zeilen durch immer spüren lässt, jedes Schaf individuell gezeichnet. Das fand ich sehr gelungen und die Schafe nehmen damit einen sehr viel breiteren Raum ein, als dies ihre Mitgeschöpfe tun. Ganz logisch, dass Menschen und auch die benachbarten Ziegen etwas in den Hintergrund rücken. Rebecca, die neue Schäferin der Herde, ist mir trotzdem sehr ans Herz gewachsen; wie sie sich um ihre Tiere kümmert und sich nebenbei auch noch mit einer nervtötenden Mutter herumschlagen muss, das macht sie sympathisch und ich hatte das Gefühl, die Schafe sind bei ihr in den richtigen Händen.
Die Handlung selbst hat einige verwirrende Momente, und erst am Schluss kommt etwas Klarheit in die Abläufe. Mir persönlich hat das nichts ausgemacht, denn für die Schafe müssen die ganzen Vorgänge ja tatsächlich undurchschaubar sein, und so hatte ich als Leser quasi das authentische Schafsgefühl. Eingefleischte Krimi- und Thrillerleser könnten da allerdings das eine oder andere Fragezeichen hinter die Geschichte setzen, denn der Spannungsbogen geht zwischendurch schon ein wenig verloren, wenn die Schafe wieder mal eine ihrer kurios-grotesken Ideen in die Tat umsetzen und es sich letztendlich als Sackgasse erweist.
Sprachlich hat Leonie Swann meinen Lesenerv getroffen; der Roman lässt sich flüssig weglesen und trifft immer den richtigen Ton. Mal poetisch, mal kurz und bündig, so spiegelt der ausgefeilte Schreibstil auch die Geschehnisse. Eine kleine Überraschung war für mich das lustige Schaf-Daumenkino, das ich erst sehr spät entdeckt habe - eine tolle Idee, die mir ein kleines Dankeschön an den Verlag wert ist.
