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Autor Thema: William Shakespeare - Hamlet  (Gelesen 6553 mal)

Doris

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William Shakespeare - Hamlet
« am: 15. Juni 2010, 21:43:47 »

Hier startet am 16. Juni die erste Leserunde unseres Shakespeare-Projekts:

Hamlet

Eine Tragödie in fünf Akten



Inhalt:
Dem dänischen Prinzen Hamlet erscheint eines Nachts der Geist seines verstorbenen Vaters, der seinen Bruder Claudius als seinen Mörder anklagt. Hamlet sinnt insgeheim auf Rache, zögert aber noch, seinen Plan umzusetzen und gibt sich als geistig verwirrt. Claudius hat unterdessen den Thron geerbt und die Witwe geheiratet. Hamlet stiftet ein durchreisendes Theaterensemble an, am königlichen Hof ein von ihm inszeniertes Drama aufzuführen, das die Ermordung seines Vaters zum Inhalt hat, um den Onkel auf diese Weise herauszufordern. Claudius will Hamlet aus dem Weg räumen, indem er ihn in einer gefährlichen Mission nach England schickt, doch wider Erwarten kehrt der Prinz zurück. Vorerst verschont Hamlet den König, doch als er ihn später umbringen möchte, ersticht er versehentlich den Oberkämmerer Polonius, den Vater von Hamlets großer Liebe Ophelia. Als sich Ophelia daraufhin das Leben nimmt, wird ihr Bruder Laertes vom König angestiftet, Hamlet zum Zweikampf zu fordern, der mit unsauberen Mitteln ausgeführt wird...

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Ich freue mich auf einen regen Austausch mit euch! Ein dickes Dankeschön an Mrs. Dalloway, die die Idee zu diesem Projekt hatte  :knuddel:
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Re: William Shakespeare - Hamlet
« Antwort #1 am: 17. Juni 2010, 19:17:22 »

Ok, dann mach ich mal den Anfang.

Ich habe bisher den ersten Akt gelesen.

Tja... was soll man sagen: There's something rotten in the state of Denmark!  :breitgrins:

Im ersten Akt treffen wir schon einmal auf (fast) alle wichtigen Figuren: Hamlet, Claudius, Gertrude, Polonius, Ophelia und natürlich den ominösen Geist, der die ganze Handlung in Gang setzt.
Der Geist von Hamlets Vater kehrt aus dem Fegefeuer zurück und erzählt Hamlet, dass Claudius ihn umgebracht hat. Hamlet scheint das schon geahnt zu haben, aber nun bestätigt sich sein Verdacht. Hamlet soll den Vater rächen... Ob das wohl klappt?  :zwinker:

Aber es ist noch mehr passiert im ersten Akt: König Claudius hält eine Rede, in der er auf Hamlets Melancholie aufmerksam macht. Interessant ist, dass diese Szene noch vor Hamlets Begegnung mit dem Geist seines Vaters stattfindet. Es muss also schon vorher etwas nicht mit Hamlet gestimmt haben. Sein Monolog (einer der vielen) greift auch schon zentrale Themen auf:
Hamlet äußert den ersten Selbstmordgedanken (O that this too too sallied flesh would melt 1.2.129) und echauffiert sich auch schon darüber, dass die Hochzeit zwischen seiner Mutter und Claudius etwas rasch vor sich ging. Er beschuldigt seine Mutter in einem Monolog auch schon des Inzests (She married. O most wicked speed! To post / With such dexterity to incestuous sheets, 1.2.155 f.). Zur Zeit Shakespeares galt die Ehe mit dem Bruder des Ehemannes tatsächlich als Inzest und Hamlets Beschuldigungen scheinen daher gerechtfertigt zu sein.

Und es treten noch weitere Figuren im ersten Akt auf: Polonius, Laertes und Ophelia. Laertes warnt seine Schwester vor den (möglicherweise) bösen Absichten Hamlets und Polonius erteilt wiederum Laertes altkluge Ratschläge… nur Ophelia ist noch nicht wirklich einzuschätzen…

So, das war's erstmal von mir.  :winken:
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schokotimmi

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Re: William Shakespeare - Hamlet
« Antwort #2 am: 17. Juni 2010, 21:19:21 »

Hallo,

da ich nicht die Erste sein wollte kann ich ja jetzt schreiben  :zwinker:. Ich habe gestern die erste Szene gelesen (nicht den ganzen Akt) und ich muss sagen, es geht für mich eine sehr düstere Stimmung von dem Stück aus - ich bin auch sehr gespannt wie es weitergeht - immerhin war ja der Ghost schon da! Da ich derzeit nur eine English version zuhause habe, bin ich sehr langsam, aber das English ist nicht so schwer verständlich wie ich befürchtet habe!

Viele Grüße
schokotimmi
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HoldenCaulfield

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Re: William Shakespeare - Hamlet
« Antwort #3 am: 18. Juni 2010, 18:58:27 »

Und ich hab den Thread gerade erst entdeckt. Irgendwie ist er an mir vorbeigegangen.  :redface:
Ich fange erst am Wochenende zu lesen an, vorher bin ich lestechnisch noch nicht dazu gekommen. Momentan fürchte ich mich noch ein wenig vor dem alten Englisch. Letztes Jahr haben wir in der Schule A midsummernights dream gelesen und das fand ich schon recht schwer.

@Mrs. Dalloway
Kannst Du ein Buch mit Shakespeare englischen Wendungen etc. empfehlen? Ich habe den Eindruck das mein Problem vor allem darin bestand das ich diese Wendungen dann oft auch falsch verstanden habe. EDIT: Äh Die Suchfunktion hat mir wohl verschwiegen das Du diese Frage schon beantwortet hattest. Das Buch das Du empfohlen hast klingt aber eigentlich genau nach dem was ich gesucht habe. Danke! :)

Ich lege mir mal die deutsche Ausgabe nebenbei zurecht, das ist die wie im Anfangsposting. Meine englische Ausgabe ist diese hier:

« Letzte Änderung: 18. Juni 2010, 19:03:24 von HoldenCaulfield »
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Re: William Shakespeare - Hamlet
« Antwort #4 am: 18. Juni 2010, 20:02:17 »

Hallo!
Ich muss zugeben, dass ich aktuell leider sehr wenig Zeit habe und ich erst meine andere Lektüre beenden will und eigentlich schon anstatt dem Hamlet ein anderes neues Buch im Auge habe.:redface:
Da ich den Hamlet allerdings bereits mehrmals (auf Deutsch :redface:) gelesen habe, werde ich vielleicht doch ganz gerne an der ein oder anderen Stelle mitdiskutieren und vielleicht komme ich ja doch noch dazu das Stück nochmal zu lesen...
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Nicole89

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Re: William Shakespeare - Hamlet
« Antwort #5 am: 18. Juni 2010, 21:00:36 »

Bin nun auch mit dem ersten Akt durch und bis jetzt find ich es wirklich spannend. Ich lese deutsch und englisch parallel. Wie erwartet ist die alte englische Sprache ungewohnt und kompliziert. Meist verstehe ich aber das Wesentliche. Und wenn nicht habe ich ja direkt daneben die deutsche Übersetzung  :breitgrins:
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Doris

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Re: William Shakespeare - Hamlet
« Antwort #6 am: 18. Juni 2010, 22:45:39 »

Hallo zusammen,

ich habe auch den ersten Akt gelesen und zwar auf Deutsch. Mrs. Dalloways Textbeispiele machen mir leider nur zu deutlich, dass mein Englisch für Shakespeare im Original lange nicht ausreicht.

König Claudius hält eine Rede, in der er auf Hamlets Melancholie aufmerksam macht. Interessant ist, dass diese Szene noch vor Hamlets Begegnung mit dem Geist seines Vaters stattfindet. Es muss also schon vorher etwas nicht mit Hamlet gestimmt haben.

Ja, Hamlet strahlt etwas Negatives aus. Die innerliche Anklage gegenüber seiner Mutter und spätestens seine Selbstmordgedanken machen das deutlich. Hängt das auch damit zusammen, dass nach dem Tod seines Vaters nicht er, sondern sein Onkel König wurde? Ist das nicht eine etwas ungewöhnliche Reihenfolge? Ich kenne es nur so, dass der Thron an eigene Kinder vererbt wurde, nicht aber an den Bruder.

nur Ophelia ist noch nicht wirklich einzuschätzen…

Mir erscheint sie wie die brave, fügsame Tochter. In der 3. Szene verbietet ihr Polonius den Umgang mit Hamlet und sie widersetzt sich nicht. Das ist wohl das übliche Verhalten von Töchtern dieser Gesellschaftsschicht.
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HoldenCaulfield

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Re: William Shakespeare - Hamlet
« Antwort #7 am: 18. Juni 2010, 22:57:15 »

@Doris
Das ist die Frage, wie da die Erbregelung war. Es gab ja nicht in ganz Europa die Erbfolgeregelung das automatisch der erstgeborene Sohn die Thronfolge innehatte. Das gab es so zwar in England und Frankreich aber zum Beispiel nicht im Deutschen Reich Stichwort Kaiserwahl. Aber es könnte natürlich auch sein das Shakespeare dies bewusst so erzählt hat um diese spezielle Konstellation zu schaffen. Hm ich werd mich da mal schlau machen wie um diese Zeit die Erbregelungen waren. EDIT: Ich hatte es mir fast gedacht, bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts hinein gab es eine Wahlmonarchie, erst ab etwa 1660/61 wurde die Erbmonarchie eingeführt. Die frage ist natürlich in wie weit Shakespeare das wusste oder nicht. Möglich ist ja das er die Handlung zu einer Zeit spielen lässt die noch die Wahlmonarchie hat. In dem Fall wäre Hamlet nicht automatisch erbberechtigt und damit ein Anwärter auf den Thron.
Ach ja meine Quelle: http://www.um.dk/Publikationer/UM/Deutsch/Daenemark/enzyklopaedie/index.asp

@Mrs. Dalloway
Irgendwie hab ich mich noch nie mit der Zeit näher beschäftigt in der Hamlet angelegt ist. Zu welcher Zeit spielt das Ganze ungefair? Ich glaube ich hatte mal darüber auch eine Unterichtsstunde kann mich aber nicht mehr so genau an Einzelheiten erinnern.
« Letzte Änderung: 18. Juni 2010, 23:05:32 von HoldenCaulfield »
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Re: William Shakespeare - Hamlet
« Antwort #8 am: 18. Juni 2010, 23:22:38 »

Danke, Holden, das bringt schon etwas Licht in die Angelegenheit. Es stellt sich noch die Frage, wer den neuen Monarchen wählen durfte - dazu habe ich nichts Konkretes gefunden - und warum in diesem Fall Hamlet von den Wählern nicht als würdig erachtet wurde, das Königreich zu regieren. Darüber hat sich Shakespeare doch bestimmt Gedanken gemacht.
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Re: William Shakespeare - Hamlet
« Antwort #9 am: 18. Juni 2010, 23:25:25 »

@Doris
Hm eine Möglichkeit wäre natürlich das er noch so jung ist und vielleicht noch nicht weise genug für die Königswürde. Außerdem stellt sich natürlich die Frage in wie weit sein Onkel in dem Fall dann nachgeholfen hat damit er gewählt wird... Bestechung wäre immerhin möglich.
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Re: William Shakespeare - Hamlet
« Antwort #10 am: 18. Juni 2010, 23:37:50 »

Nachtrag: mein Geschichtsbuch Die frühe Neuzeit von Michael Erbe (ehemaliger Dozent an der Uni Mannheim) gibt an das die Stände den König Wählen, aber genauer wird in dem kurzen Kapitel nicht drauf eingegangen, das Kapitel bezieht sich auch auf die Zeit um 1523 herum, in wie weit das also vorher oder nachher immernoch so war konnte ich nicht genauer herausfinden.
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Re: William Shakespeare - Hamlet
« Antwort #11 am: 18. Juni 2010, 23:40:00 »

So jung kommt er mir nicht vor. Aber die Idee mit dem bestechenden Onkel würde passen, vor allem, wenn man weiß, dass er seinen Bruder ins Jenseits schicken ließ. So weit sind wir zwar noch nicht, aber man ist ja informiert  :zwinker:
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Re: William Shakespeare - Hamlet
« Antwort #12 am: 18. Juni 2010, 23:48:32 »

Hm ich habe auch immer wieder überlegt wie alt Hamlet in dem Stück wohl sein könnte. Das wird ja eigentlich nicht näher beschrieben. In einigen Filmfassungen ist er definitiv über 30. Eigentlich stelle ich ihn mir immer recht jung vor, aber das hat keinen wirklichen Grund in dem Sinne.
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Re: William Shakespeare - Hamlet
« Antwort #13 am: 19. Juni 2010, 02:30:53 »

Hallo,

eine Frage kann ich schon mal klären: Hamlet ist 30.  :breitgrins: Dass er einem so jung vorkommt, liegt vielleicht daran, dass er ständig in Zusammenhang mit der Universität in Wittenberg gebracht wird. Hamlet ist im Stück ja auch Student und mit 30 (auch oder vor allem zu seiner Zeit) ein doch recht alter. Er erscheint für sein Alter einfach ziemlich unreif.

Die Frage mit der Thronfolge kann ich nicht genau klären. Ich kann nur sagen, dass Hamlet nicht Shakespeares "Erfindung" war. Der Hamlet beruht zum Großteil auf Danish History von Saxo Grammatikus, wobei die Geschichte hier eher als Komödie angelegt ist. Dann gibt es noch Spekulationen, dass es wohl einen Ur-Hamlet gegeben hat, der vermutlich von einem von Shakespeares Zeitgenossen geschrieben wurde (am wahrscheinlichsten ist Thomas Kyd).

Hamlet wurde bei der Thornfolge tatsächlich eigentlich übergangen. Interessant ist aber, dass er das im Lauf des Stückes nicht wirklich weiter anspricht, oder da drauf eingeht. (Claudius nimmt ja auch sofort an, dass Hamlet wieder zurück nach Wittenberg gehen wird und nicht in Dänemark bleiben will.) Im Stück nennt Hamlet eigentlich immer nur zwei Verbrechen: Mord und Inzest. Daher auch die ganze Ödipusgeschichte: Es scheint Hamlet sehr viel mehr mitzunehmen, dass seine Mutter Claudius geheiratet hat als dass Claudius seinen Vater getötet hat. Und die Thronsache nimmt er dabei nie so richtig war.
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Bluebell

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Re: William Shakespeare - Hamlet
« Antwort #14 am: 19. Juni 2010, 08:32:58 »

So, dann melde ich mich auch einmal zu Wort. Ich habe den Hamlet ja schon vor längerem begonnen, aber in den letzten Wochen gar nicht weitergelesen. Stehen geblieben bin ich nach 3. Aufzug, 1. Szene. Allerdings habe ich ja parallel auch schon die interpretierende Nacherzählung von Michael Köhlmeier gelesen und mir die Verfilmung mit Mel Gibson angesehen, sodass ich schon ein bisschen Schwierigkeiten mit manchen Handlungsdetails habe (was kam schon im Stück und was habe ich woanders aufgeschnappt?).  :redface:

Was mir beim Englisch auffällt, ist, wieviel näher es an der deutschen Sprache ist als das moderne Englisch. "Du hast" heißt da tatsächlich noch "thou hast" statt "you have", "dein" heißt "thy/thine" statt "your", und auch die Satzstellung ähnelt oft unserer.

Aber ich werde versuchen, jetzt wieder einzusteigen und dann mitzudiskutieren.  :winken:
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