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Autor Thema: Chris Roberson – Set the Seas on Fire  (Gelesen 342 mal)

Aldawen

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Chris Roberson – Set the Seas on Fire
« am: 13. Juni 2010, 10:48:29 »



Inhalt: Im Jahr 1808 ist die englische Fregatte HMS Fortitude im Südpazifik unterwegs. Eine spanische Galeone weckt das Interesse des Kapitäns, der auf eine reiche Prise hofft. Der Erste Offizier Hieronymus Bonaventure hält das Risiko für zu hoch. Das Gefecht wird von einem Sturm unterbrochen, die schwer beschädigte Fregatte landet nach Wochen an einer bewohnten Insel. Bereits in Sichtweite der Insel gab es eine Begegnung mit einem offenen Boot, in dem sich offensichtlich zwei Spanier der durch den Sturm abgetriebenen und gleichfalls beschädigten Galeone befanden – wegen Wassermangels beide in einem erbärmlichen Zustand. Einer der beiden, der Offizier Alvarez, kommt zumindest so lange zu sich, daß er eine furchtbare, aber auch wenig glaubhafte Geschichte erzählen kann: Die Galeone stieß auf eine unbewohnte Insel, wo die notwendigen Reparaturen vorgenommen werden sollten. Aber etwas auf dieser Insel hatte einen schlechten Einfluß auf die meisten Besatzungsmitglieder, die ziemlich mißtrauisch und aggressiv wurden. Der Kapitän ließ sogar das Schiff auseinandernehmen, um ein Fort zu bauen, da er – wie die meisten seiner Leute – die Insel nicht mehr verlassen wollte. Nur Alvarez und der Priester konnten fliehen.

Die Aussicht, die Prise bzw. wenigstens ihre Ladung doch noch erringen zu können, freut den englischen Kapitän natürlich sehr, allerdings muß dafür zunächst die Fregatte repariert werden. Die Insulaner sind zwar im großen und ganzen sehr gastfreundlich, aber dann doch wenig begeistert, als sie den Holzverbrauch der Engländer einschätzen können. Geschenke und gemeinsame Feiern lassen aber im Laufe der Zeit doch ein friedliches Nebeneinander entstehen. Hieronymus lernt derweil die Sprache recht gut und hat auch eine Freundin in Pelani gefunden. Von dieser erfährt er, daß die Insel der Spanier Erster Vulkan genannt wird und man über sie nicht reden darf: tapu! Pelanis Vater, der Priester, erzählt Hieronymus die Legende dahinter und nutzt die Gelegenheit des Gesprächs auch gleich noch, um Hieronymus klarzumachen, daß er ihn nicht als seinen Schwiegersohn sieht. Als die Fregatte endlich wieder in See stechen kann, wird sie von einem Boot der Insulaner mit einem Vertreter jedes Clans begleitet, denn sich den Gefahren von Erster Vulkan zu stellen (und hoffentlich zu überleben), macht einen Mann zum Helden. Von den Spaniern ist offensichtlich nicht mehr viel auf der Insel übrig, und so beginnt man einen Abstieg in die Höhlen ...


Meine Meinung: Das erste Problem habe ich schon mit der Einordnung des Buches. Für einen Abenteuerroman ist es (mir jedenfalls) nämlich eigentlich zu wenig abenteuerlich. Als historischer Roman geht es aber noch weniger durch, und für einen Fantasy-Roman sind die phantastischen Elemente einfach zu dünn gesät, auch wenn es als Horatio Hornblower meets H.P. Lovecraft angepriesen wurde. Insgesamt war es dafür viel zu wenig Hornblower und kein Lovecraft, zumindest wenn letzterer für ein Mindestmaß an Grusel stehen sollte.

Weite Teile des Romans werden von dem maori-inspirierten Inselleben ausgefüllt. Und da es keine ernsthaften Konflikte zwischen den Engländern und Insulanern gibt, ist das eine recht idyllische, paradiesische und entsprechend langweilige Angelegenheit. Im Vergleich dazu ist die Fahrt zu der Insel Erster Vulkan schon recht kurz, von den Ereignissen auf dieser Insel selbst gar nicht erst zu reden. Anscheinend sind Roberson für letzteres die Ideen ausgegangen, so daß nur schnell ein Ende erreicht werden mußte. Erschwerend kommt hinzu, daß er recht behäbig und sehr detailverliebt erzählt. Letzteres ist nicht unbedingt ein Nachteil, aber definitiv einer bei dieser Art von Literatur. Bei jeder Erwähnung Kanes (Pelanis Verlobtem) den Namen in Verbindung mit dem Begriff Krieger zu lesen, fand ich doch übertrieben, genauso wie ich nicht in jedem Kapitel daran erinnert werden muß, daß Hieronymus die Angewohnheit hat, auf seiner Unterlippe zu kauen, wenn er nachdenkt   :rollen:

Der Roman ist wohl aus einer Kurzgeschichte entstanden, was sicher das angemessenere Format ist. Und wenn man sich die großzügige Innenaufteilung ansieht, dann wäre das Ganze statt auf 380 Seiten (netto abzüglich leerer Seiten schon nur noch 330) auch auf der Hälfte unterzubringen gewesen – was dann aber den Preis neben dem schwachen Inhalt erst recht nicht mehr gerechtfertigt hätte.

 2ratten

Schönen Gruß,
Aldawen
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Kinywa ni jumba la maneno.
Der Mund ist der Palast der Worte. – Sprichwort aus Ostafrika