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Autor Thema: Welches Versmass hat dieses Gedicht  (Gelesen 1206 mal)

Mrs.Dalloway

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Re: Welches Versmass hat dieses Gedicht
« Antwort #15 am: 10. Juni 2010, 06:38:36 »

William Wordsworth hat gesagt, dass Dichtung "a spontaneous overflow of powerful emotion, recollected in tranquility" sein.
Es gibt (laut Wordsworth) also schon so einen romantischen Moment, in dem der Dichter inspiriert wird und die Idee für sein Gedicht bekommt, allerdings muss diese Emotion dann später in Ruhe (und mit Arbeit und Geduld) in eine schöne Form gebracht werden.
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M.a.n.u.e.l

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Re: Welches Versmass hat dieses Gedicht
« Antwort #16 am: 10. Juni 2010, 06:56:29 »

Ihr nehmt mir sämtliche Illusionen über Gedichte.  :sauer:
Darf ich fragen welche Illusionen das sind?
Nur weil ein Dichter kein Gedicht mit Versmaß und zig Methaphern und Symbolen "aus dem Ärmel schütteln kann", geht doch nicht die wahre lyrische Leistung flöten. Wie Mrs. Dalloway geschrieben hat, gibt es natürlich den Moment, in dem der Dichter die zündende Idee oder die Inspiration findet, ein tolles Gedicht zu schreiben, aber das muss dann eben ausgearbeitet werden.
Das ist wie in der Musik: ich bin vielleicht Gitarrist und mir ist ein super Riff eingefallen, der jedem im Ohr bleibt - das ist dann aber immer noch kein fertiger Song. Die Idee muss dann erst in mehr oder weniger langwiedriger Arbeit strukturell aufgebaut und perfektioniert werden.

Vor allem wenn man Gedichte interpretiert, merkt man, wieviel in so einem "kleinen" Text drinstecken kann und von der Aussage "In der Schule interpretiert man eh mehr in den Text, als der Autor je vor hatte", halte ich sowieso nichts.
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Arjuna

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Re: Welches Versmass hat dieses Gedicht
« Antwort #17 am: 10. Juni 2010, 19:55:18 »

Darf ich fragen welche Illusionen das sind?

Lassen wir das. Dazu habe ich mich zuwenig mit dem Thema befasst.  :winken:
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Mrs.Dalloway

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Re: Welches Versmass hat dieses Gedicht
« Antwort #18 am: 11. Juni 2010, 01:43:40 »

Vor allem wenn man Gedichte interpretiert, merkt man, wieviel in so einem "kleinen" Text drinstecken kann und von der Aussage "In der Schule interpretiert man eh mehr in den Text, als der Autor je vor hatte", halte ich sowieso nichts.

Naja, das würde ich so jetzt aber nicht unterschreiben. Es gibt zum Beispiel ja sehr viele unglaublich abgefahrene psychoanalytische Interpretationen und da kann ich mir nicht vorstellen, dass der Autor so etwas bewusst in sein Werk packt... das geht ja eigentlich auch gar nicht, weil sich die verschiedenen Interpretationsansätze ständig gegenseitig wiederlegen. Ich kann ein Gedicht beispielsweise strukturalistisch untersuchen und dann kommt jemand, der sich mit Dekonstruktion auskennt und das war's dann mit meinen Thesen...  :rollen:
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Dani

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Re: Welches Versmass hat dieses Gedicht
« Antwort #19 am: 11. Juni 2010, 12:04:35 »

In den letzten beiden Versen wechselt das Versmaß tatsächlich zum Trochäus. Das war mir gar nicht aufgefallen.  :smile:

 :gruebel:
Hm, also ich bin ja absolut keine Lyrikexpertin, aber könnte man die letzten beiden Verse nicht auch als "Auftakt + dreihebiger Jambus" lesen? Also folgendermassen (die fettgedruckten Silben sind jeweils betont):

Auf des Vaters Grabe knieen
Bei dem alten Zauberlied.

Sie als Trochäen zu lesen klingt für mich irgendwie unnatürlich und nicht zu den beiden vorhergehenden Versen passend... Ist aber nur so mein Bauchgefühl, ich habs jetzt einfach in meinem normalen Lesefluss automatisch als Jamben mit Auftakt gelesen.
« Letzte Änderung: 11. Juni 2010, 12:10:24 von Dani »
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Re: Welches Versmass hat dieses Gedicht
« Antwort #20 am: 11. Juni 2010, 12:21:30 »

@ Dani:

Das hatte ich am Anfang auch überlegt, aber für mich sind die Silben Auf und Bei eindeutig betont. Wenn man es als Jamben lesen würde, dann müsste man das irgendwie fast schon verschlucken, um es nicht zu betonen und das würde für mich nicht sehr natürlich klingen.
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Dani

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Re: Welches Versmass hat dieses Gedicht
« Antwort #21 am: 11. Juni 2010, 12:35:34 »

@Mrs. Dalloway
Interessant, für mich ist es genau umgekehrt. Ich muss mich extra anstrengen und dran denken, wenn ich Auf und Bei betonen will, darum kommt es mir unnatürlich vor. Da sieht man mal wieder, wie "subjektiv" solche Sachen sein können...   :smile:
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Re: Welches Versmass hat dieses Gedicht
« Antwort #22 am: 11. Juni 2010, 12:42:31 »

@Dani:
Ja, das stimmt.  :breitgrins: Ich bin auch generell kein großer Fan von dieser Metrikanalyse... Ich finde das hat nicht wirklich viele Auswirkungen auf den Inhalt oder auf die Empfindungen des Lesers... aber naja, eigentlich bin ich generell kein Fan von Lyrik im Allgemeinen.  :zwinker:
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Re: Welches Versmass hat dieses Gedicht
« Antwort #23 am: 11. Juni 2010, 14:10:47 »

Vor allem wenn man Gedichte interpretiert, merkt man, wieviel in so einem "kleinen" Text drinstecken kann und von der Aussage "In der Schule interpretiert man eh mehr in den Text, als der Autor je vor hatte", halte ich sowieso nichts.

Naja, das würde ich so jetzt aber nicht unterschreiben. Es gibt zum Beispiel ja sehr viele unglaublich abgefahrene psychoanalytische Interpretationen und da kann ich mir nicht vorstellen, dass der Autor so etwas bewusst in sein Werk packt... das geht ja eigentlich auch gar nicht, weil sich die verschiedenen Interpretationsansätze ständig gegenseitig wiederlegen. Ich kann ein Gedicht beispielsweise strukturalistisch untersuchen und dann kommt jemand, der sich mit Dekonstruktion auskennt und das war's dann mit meinen Thesen...  :rollen:
Ich denke den "Spruch" sollte man auch nicht ganz ernst nehmen. Dass es durchaus unterschiedliche Interpretationen geben kann, kann ich nicht abstreiten (die Interpretation hängt ja auch sehr mit dem individuellen Vorverständnis des Lesers zusammen). Ich meinte damit eigentlich nur, dass viele Schüler (vor allem die, die sich nicht für Literatur und im Speziellen Lyrik interessieren) oft sagen, dass die Methode, wie Gedichte in der Schule interpretiert werden, übertrieben sei und dass Gedichte eigentlich gar nicht soviel enthalten wie immer gesagt wird - aber du selber hast ja zig Methoden genannt, wie man das machen kann und zumindest auf Schulebene kann ich nicht glauben, dass wir mehr interpretieren, als der Autor gedacht hatte.
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Re: Welches Versmass hat dieses Gedicht
« Antwort #24 am: 11. Juni 2010, 14:25:08 »

@M.a.n.u.e.l
DAS kommt aber auch sehr auf den Lehrer an. Gut ich hatte eine Lehrerin die sich immer eher aufgeregt hat über Freud und seine Interpretationen (vor allem bei Hamlet^^) aber es gibt auch genügend die genau auf diese Schiene aufspringen und gar nicht mehr damit aufhören...
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M.a.n.u.e.l

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Re: Welches Versmass hat dieses Gedicht
« Antwort #25 am: 11. Juni 2010, 14:29:42 »

@M.a.n.u.e.l
DAS kommt aber auch sehr auf den Lehrer an. Gut ich hatte eine Lehrerin die sich immer eher aufgeregt hat über Freud und seine Interpretationen (vor allem bei Hamlet^^) aber es gibt auch genügend die genau auf diese Schiene aufspringen und gar nicht mehr damit aufhören...
DAS kann natürlich auch passieren.:breitgrins:
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Re: Welches Versmass hat dieses Gedicht
« Antwort #26 am: 11. Juni 2010, 14:37:20 »

Ich bin mittlerweile der Meinung, dass das gar nicht wichtig ist, was der Autor bewusst in sein Werk packt. Mir macht es Spaß, mir eine Methode herauszusuchen und das ganze dann auseinander zu nehmen. Genau das mache ich gerade für meine Bachelorarbeit und ich bin mir doch recht sicher, dass Shakespeare beim Schreiben nicht über solche Dinge nachgedacht hat, die ich da jetzt hineinlese. Aber gerade das macht es spannend für mich. Die Bedeutung von Literatur ist eben nicht fest verankert, sondern verändert sich eigentlich ständig.

@Holden:
Witzig, dass du gerade Hamlet erwähnst. Ich habe gerade ein Psychoanalyseseminar an der Uni und natürlich haben wir auch über Hamlet geredet, aber eben nicht nur aus Freud's Sicht, sondern auch aus der Sicht von moderner Psychoanalyse. Das fand ich absolut genial!
Schön in dem Kontext finde ich das Zitat:
"Hamlet may not have an Oedipus complex, but Hamlet [the play] does." (Crews)
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Re: Welches Versmass hat dieses Gedicht
« Antwort #27 am: 11. Juni 2010, 14:55:17 »

@Mrs. Dalloway
Wo wir bei dem Grund sind weshalb KLassiker auch heute noch funktionieren. Ich glaube dass das deshalb so ist weil man so ein paar allgemeingültige Dinge aus ihnen herausziehen kann die auch heute noch bestand haben und deshalb auch in unserer Gesellschaft noc funktionieren.
Das Zitat zu Hamlet ist ja genial :breitgrins: Ich persönlich finde das schon sehr spannend, ich muss ja das dann nicht genauso sehen ;) aber ich hab das auch erwähnt weil meine Lehrerin (die auch englisch unterrichtet) sich da etwas reingesteigert hatte :breitgrins: und sich sehr über Freud aufgeregt hat. (Die Stunde war dann für uns alle sehr amüsant ;) )
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