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Autor Thema: Welches Versmass hat dieses Gedicht  (Gelesen 1206 mal)

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Welches Versmass hat dieses Gedicht
« am: 09. Juni 2010, 14:02:16 »

Hallo zusammen

Ich brauche dringend eure Hilfe. Ich habe morgen meine mündliche Deutschabschlussprüfung und dafür muss ich auch Gedichte interpretieren und analysieren können. Bei diesem Gedicht (Heimweh von Eichendorff) bin ich jedoch nicht mehr weitergekommen. Welches Vermass hat dieses Gedicht? Kann mir dies jemand beantworten? Vielen Dank!

An meinen Bruder
Du weißt's, dort in den Bäumen
Schlummert ein Zauberbann,
Und nachts oft, wie in Träumen,
Fängt der Garten zu singen an.

Nachts durch die stille Runde
Weht's manchmal bis zu mir,
Da ruf ich aus Herzensgrunde,
O Bruderherz, nach dir.

So fremde sind die andern,
Mir graut im fremden Land,
Wir wollen zusammen wandern,
Reich treulich mir die Hand!

Wir wollen zusammen ziehen,
Bis daß wir wandermüd
Auf des Vaters Grabe knieen
Bei dem alten Zauberlied.
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Gronauer

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Re: Welches Versmass hat dieses Gedicht
« Antwort #1 am: 09. Juni 2010, 14:28:47 »

Ein Jambus, oder?
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Mrs.Dalloway

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Re: Welches Versmass hat dieses Gedicht
« Antwort #2 am: 09. Juni 2010, 14:54:31 »

Ein Jambus, oder?

Ja, hauptsächlich dreihebiger Jambus. Manchmal ist das Versmass aber unregelmäßig, wie z. B. in Vers 3.
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Re: Welches Versmass hat dieses Gedicht
« Antwort #3 am: 09. Juni 2010, 16:30:53 »

Zeilen 1,3,5,8,12,14 sind alles keine Jamben, aber ich kann nicht einordnen was diese Zeilen für ein Versmass haben. Hinzu kommt noch, dass die letzten beiden Zeilen aus vierhebigen-Trochäen bestehen. Ist das möglich?
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Mrs.Dalloway

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Re: Welches Versmass hat dieses Gedicht
« Antwort #4 am: 09. Juni 2010, 16:52:47 »

Also, ich hab gelernt das mit dem Versmaß nicht ganz so ernst zu nehmen. Ich glaube, es gibt recht wenige Gedichte, die das komplett und strikt durchziehen.

Die erste Zeile ist ja die Überschrift. Da braucht es kein Versmaß.

Und bei den anderen Problemzeilen stimmt das Versmaß zwar am Anfang nicht, aber gegen Ende des Verses kommt er doch immer wieder auf seinen Jambus zurück ("...ein Zauberbann" oder "aus Herzensgrunde").
Und wenn man die Problemzeilen mit dem "zusammen" etwas schneller ausspricht (als "zusammen" als zweisilbig), dann geht das meiner Meinung nach schon gerade so noch als Jambus durch.

In den letzten beiden Versen wechselt das Versmaß tatsächlich zum Trochäus. Das war mir gar nicht aufgefallen.  :smile:
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Re: Welches Versmass hat dieses Gedicht
« Antwort #5 am: 09. Juni 2010, 16:57:05 »

:) Danke für deine Hilfe. Ich denke auch, dass ich es nicht so genau wissen muss, hoffentlich zumindest nicht :D
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M.a.n.u.e.l

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Re: Welches Versmass hat dieses Gedicht
« Antwort #6 am: 09. Juni 2010, 21:59:36 »

Also, ich hab gelernt das mit dem Versmaß nicht ganz so ernst zu nehmen. Ich glaube, es gibt recht wenige Gedichte, die das komplett und strikt durchziehen.
Das ist auch meine Einschätzung. Es ist einfach für einen Dichter extrem schwer seinen Inhalt so niederzuschreiben, dass dieser das Versmaß durchgehend perfekt erfüllt. Deswegen haben die meisten Gedichte in verschiedenen Zeilen Unregelmäßigkeiten, also es kann auch passieren, dass das Versmaß sogar innerhalb eines Verses kurzfristig "umschlägt", da der Dichter hier einfach mehr Wert auf seine Idee gelegt hat, als auf das Einhalten des Metrums.

Wenn bei einem solchen Gedicht nach dem Versmaß gefragt ist, würde ich das überwiegende Metrum nennen (hier ein Jambus).
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Re: Welches Versmass hat dieses Gedicht
« Antwort #7 am: 09. Juni 2010, 22:54:02 »

Ich hoffe, meine Frage ist nicht zu blöd, aber ich habe mich bisher weder mit Gedichten noch mit Versmaßen beschäftigt, aber:

Das ist auch meine Einschätzung. Es ist einfach für einen Dichter extrem schwer seinen Inhalt so niederzuschreiben, dass dieser das Versmaß durchgehend perfekt erfüllt.

Haben die Dichter wirklich danach geschrieben oder kam das nachher? Ich meine, hat sich Eichendorff hingesetzt und geschrieben und gedacht okay, wie bringe ich da vierhebige Trochäen?
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Re: Welches Versmass hat dieses Gedicht
« Antwort #8 am: 09. Juni 2010, 22:57:02 »

@Arjuna
Das ist so eine Sache... es ist schon so (auch in der Forschung übrigens) das die Dichter auch nach einer bestimmten Mode geschrieben haben. So auch Sonette z.B. Das merkt man sicher auch gerade bei Expressionistischen Gedichten. Von der Form und den Themen her. Da  haben sich die Dichter auch gegenseitig übertroffen. Andererseits gibt es eine Aussage von Hilde Domin (als sie noch gelebt hat) bei der sie auf so eine Frage meitne das es ihr irgendwann in Fleisch und Blut überging. Ich denke es ist sicher auch eine Mischung aus Beidem. Die Sprache ist bei Dichtung einerseits Medium aber auch Spielzeug^^
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Re: Welches Versmass hat dieses Gedicht
« Antwort #9 am: 09. Juni 2010, 22:59:48 »

Ich bin eigentlich, glaube ich zumindest soviele Gedanken habe ich mir bisher ja nicht zum Thema gemacht, davon ausgegangen, dass ein Gedicht entsteht und nicht konstruiert wird.
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Re: Welches Versmass hat dieses Gedicht
« Antwort #10 am: 09. Juni 2010, 23:05:11 »

Nein ein Gedicht entsteht nicht, ein Gedicht ist ein langwieriger Prozess der teilweise Jahre in Anspruch nehmen kann. Nimmt man beispielsweise das Gedicht Heimweh von Eichendorff, welches ich oben gepostet habe, findet man darin sehr viele formelle Eigenschaften, die den Inhalt unterstützen.

So kommen beispielsweise die Wörter Bruder, Herz, Zauber, Wandern, Zusammen, Fremd immer genau zwei Mal vor. Durch diese Repetition wird ihre Inhaltliche Bedeutung hervorgehoben. Die Tatsache dass die Endungen der Verse immer wechseln zwischen Weiblich und Männlich (also unbetont und betont), führt zu einer gewissen schwermütigen Stimmung, einer Melancholie. Also wieder eine Überinstimmung zwischen Form und Inhalt. Auf den letzten beiden Zeilen ändern das Versmass vom Jambus zum Trochäus also von einem steigenden zu einem fallenden Charakter. Dies entspricht auch dem Inhalt, denn der Protagonist war vorher immer in Bewegung und auf der Suche und in den letzten beiden Versen kommt er zur Ruhe, erlebt eine Ernüchterung am Grabe seines Vaters. Diese Veränderung wird durch die Veränderung des Versmasses unterstützt.
So könnte man noch lange weiter interpretieren. Du sieht also, es ist nicht möglich, dass so etwas einfach entsteht.
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Re: Welches Versmass hat dieses Gedicht
« Antwort #11 am: 09. Juni 2010, 23:07:40 »

Du sieht also, es ist nicht möglich, dass so etwas einfach entsteht.

Das heißt, Eichendorff hat es genau unter diesen Gesichtspunkten entworfen.
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Re: Welches Versmass hat dieses Gedicht
« Antwort #12 am: 09. Juni 2010, 23:10:27 »

Du sieht also, es ist nicht möglich, dass so etwas einfach entsteht.
Das heißt, Eichendorff hat es genau unter diesen Gesichtspunkten entworfen.

davon ist auszugehen...
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Re: Welches Versmass hat dieses Gedicht
« Antwort #13 am: 09. Juni 2010, 23:28:44 »

@Arjuna
Selbst Goethe hat nach einem bestimmten Muster geschrieben^^ auch andere literearische Texte entstehen ja nicht ohne Arbeit.
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Re: Welches Versmass hat dieses Gedicht
« Antwort #14 am: 10. Juni 2010, 06:18:34 »

Ihr nehmt mir sämtliche Illusionen über Gedichte.  :sauer:
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