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Autor Thema: Laila El Omari - Der Orchideenpalast  (Gelesen 252 mal)

Miramis

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Laila El Omari - Der Orchideenpalast
« am: 29. Mai 2010, 10:59:30 »



Laila El Omari - Der Orchideenpalast

Inhalt:

Kandy 1847: Nichts wünscht sich Melissa Tamasin mehr, als aus dem geregelten Leben auf Zhilan Palace, der Kaffeeplantage ihres Vaters, auszubrechen. Ihr Leben gerät in neue Bahnen, als ihr Cousin Hayden nach Ceylon kommt, um die Region zu kartographieren. Während der Zeit, die er auf der Plantage verbringt, kommen sich die beiden näher - eine Liebe, die keinen Bestand haben darf. Hayden nährt ihre Abenteuerlust und führt ihr nach und nach vor Augen, dass Zhilan Palace in seiner exotischen Pracht mehr einer Hölle auf Erden gleicht und dass ihr Vater nicht der Mann ist, der er vorgibt, zu sein ...

Meine Meinung:

Nach etlichen Romanen von Laila El Omari mit Schauplatz Indien führt uns diese Geschichte nach Ceylon, dem heutigen Sri Lanka.

Bereits im Prolog wird sehr viel verraten; ein mutiges Experiment, denn der Leser kennt die Auflösung und kann sich auf manche unvorhergesehene Entwicklung einen Reim machen, weil er die Vorgeschichte kennt. Mir hat dieser Zug der Autorin recht gut gefallen, denn dadurch wusste ich mehr als die Protagonisten und konnte ihre Ahnungslosigkeit gut mitverfolgen, ohne selber großartig rätseln zu müssen. Und mehr wird an dieser Stelle auch nicht verraten.

Stattdessen kann ich wieder einmal die wunderbaren bildhaften Beschreibungen von Laila El Omari hervorheben, die dem Leser Land und Leute sehr detail- und facettenreich vor Augen führen. Die Atmosphäre im Ceylon des 19. Jahrhunderts hat mich sehr schnell in ihren Bann gezogen und mich neugierig auf diese Insel gemacht. Mit viel Liebe wird das Leben auf einer Kaffeeplantage geschildert und der Leser wird mit den jahreszeitlichen Rhythmen der Kaffeeernte sowie den notwendigen Arbeitsschritten vertraut gemacht.

Was ich der Autorin hoch anrechne: sie malt nicht die heile Welt der exotischen Insel, sondern stellt auch die damaligen sozialen und gesellschaftlichen Probleme eindringlich dar; die Not der verarmten Kaffeepflücker, die Rassenkonflikte zwischen den verschiedenen ansässigen Völkern und natürlich die Ausnutzung durch die übermächtigen englischen Besatzer, die hier in Saus und Braus leben, während in den Hütten wenige Meter entfernt Menschen an Hunger, Krankheit und Armut leiden.

Dieses Kombination ist clever verpackt in eine dramatische und vielschichtige Familiengeschichte, in deren Mittelpunkt Melissa steht, die Tochter des Kaffeeplantagenbesitzers Tamasin, die mit ihrem abenteuerlichen Freigeist aus den engen Bahnen des gesellschaftlichen Koloniallebens unbedingt ausbrechen will. Melissas Aufbegehren gegen die familiären Konventionen erinnerte mich ein klein wenig an Laila El Omaris Roman „Die englische Erbin“, bei dem die Konstellation ähnlich ist; ein übermächtiger Vater, eine unterdrückte Tocher, eine verbotene Liebe...

Da sich dieses Motiv des ständigen Aufbegehrens und der daraus resultierenden Bestrafung kontinuierlich durch das Buch zieht, hatte die Handlung an diesem Punkt ein paar Längen für mich. Auch die heimliche Liebesgeschichte zwischen Melissa und ihrem Cousin Hayden dreht sich unentwegt im Kreis und entlockten mir zwischendrin ein paar gelangweilte Seufzer. Erst am Ende kommt ein wenig Schwung in die Geschichte, da der Faden aus dem Prolog wieder aufgenommen wird und  in einer fast schon krimiähnlichen Auflösung gipfelt.

Daher mein Fazit: wer sich für Ceylon, Kaffee, Familiengeschichten und ein Sittengemälde des 19. Jahrhunderts begeistern kann, hat ganz bestimmt etwas von dem Roman. Die Dramatik aus dem Prolog setzt sich aber nicht konsequent bis ans Ende durch, was zwischendurch die Spannung doch spürbar abflauen lässt. Mich hat das Buch dennoch über weite Strecken recht gut unterhalten, der Sprachstil hat mich durchwegs überzeugt und sowohl Figuren als auch das Setting fand ich recht gelungen, so dass ich insgesamt doch recht zufrieden damit war.

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