Eine junge Frau wird ermordet auf einem Londoner Friedhof aufgefunden. Thomas Lynleys alte Truppe von Scotland Yard wird mit der Untersuchung des Falles betraut, und für Isabelle Ardery, die momentan die kommissarische Leitung des Teams innehat, steht mit diesem Fall, ihrer ersten Feuerprobe, ziemlich viel auf dem Spiel, vor allem, als es im Zusammenhang mit der Ermittlung zu einem tragischen Unglücksfall kommt, der für viel Wirbel in den Medien sorgt.
Es ist auch der erste Fall, zu dem Lynley nach seinem schweren persönlichen Schicksalsschlag hinzugezogen wird. Allmählich kehrt er ins normale Leben zurück, soweit man von normal sprechen kann, wenn die Kollegen nicht wissen, wie sie mit ihm umgehen sollen, und Sir David Hillier ihn als Schachfigur bei seinen internen Machtspielchen zu benutzen sucht. Auch das Verhältnis zu Ardery gestaltet sich eher problematisch.
Havers ist währenddessen ganz die alte und stürzt sich in gewohnt dickköpfiger Manier in ihre Nachforschungen, wobei sie auch schon mal gegen die Anweisungen der neuen Chefin zu handeln bereit ist. (Deren Ratschläge in puncto Kleidung gehen ihr allerdings nicht mehr so richtig aus dem Kopf, was zu einigen witzigen Situationen führt.)
Dieser Fall für Lynley und Havers (die hier hauptsächlich getrennt ermitteln) war nach dem Durchhänger der Serie mit "Careless in Red" wieder mal ein richtiger Genuss. Nicht nur, weil endlich mal wieder sämtliche alten Bekannten wie die St. Jameses und die ganze Mannschaft vom Yard dabei sind, auch wenn dieses Wiedersehen mit alten Bekannten zusätzlich Freude machte.
Den Mordfall an sich und die sich drumherum rankenden Verflechtungen schildert George mit viel Personal und sehr detailreich, aber viel weniger überpsychologisierend als im Vorgängerband. Und sie hat es wieder einmal geschafft, mich fast bis zum Ende im Dunkeln tappen zu lassen.
Manche werfen George ja vor, britischer als die Briten zu sein, und in der Tat fiel mir erstmals auf, dass sie bestimmte "Britizismen"

etwas überstrapaziert. Das hat mich im Gesamtbild dann aber doch eher wenig gestört, weil es ansonsten wieder ein richtiger Lynley & Havers war: spannend, wortgewandt, etwas kompliziert und mit ganz viel Einblick ins Privat- und Seelenleben der Ermittler. Für einen humorvollen Touch sorgt die zehnjährige Hadiyyah, Barbaras Nachbarin, in ihrer neuen Funktion als Modeberaterin. Herrlich!
