So, hier kommt meine Rezension:
Die Geschichte wird vom 17-jährigen Holden Caulfield erzählt, der wegen Tuberkulose in einem Sanatorium ist. Sie handelt von Samstag, Sonntag und Montag vor dem letzten Weihnachtsfest. Holden ist bereits zum vierten Mal von einer Schule geflogen, dieses Mal von der Pencey Prep, wo er es geschafft hat, in vier von fünf Fächern negativ abzuschließen. Am Mittwoch beginnen die Weihnachtsferien, danach soll Holden nicht mehr an die Schule zurückkommen. Doch ihm passiert ein Missgeschick: Als Manager der Fechtmannschaft vergisst er vor einem wichtigen Kampf die gesamte Ausrüstung der Mannschaft in der U-Bahn, weshalb er von allen ignoriert wird. Außerdem ist er von seinem Zimmergenossen Stradlater und seinem Nachbarn Ackley genervt. Sie sind ihm zu verlogen und zu piefig. Holden beschließt daraufhin, seine Abreise nicht länger zu verzögern. Er packt seine Koffer und macht sich auf den Weg nach New York.
Zu seinen Eltern will er nicht, weil er weiß, dass diese ihn umbringen würden, eben weil er schon wieder von einer Schule geflogen ist. Er checkt also in einem billigen Hotel ein und will sich dort mit einem Callgirl vergnügen, doch irgendwie wird daraus nichts, also geht er in eine Bar. Dort tanzt er mit drei älteren Damen, doch die sind irgendwie viel mehr an angeblichen Filmstars als an Holden interessiert. Also zieht dieser alleine weiter und betrinkt sich.
Am nächsten Tag schläft Holden erst einmal, dann bringt er seine Sachen zum Bahnhof in ein Schließfach. Dort frühstückt er außerdem in einem billigen Café. Er trifft zwei Nonnen, die ihm sympathisch sind und redet eine Zeit lang mit ihnen. Er spendet ihnen zehn Dollar, bevor er sich wieder auf den Weg macht. Holden legt einen Zwischenstopp in einem Plattenladen ein, wo er für seine heißgeliebte zehnjährige Schwester Phoebe eine Platte kauft. Den Nachmittag verbringt er mit Sally Hayes, einer Freundin, bei einem „verlogenen, echt piefigen“ Theaterbesuch, abends geht er dann alleine ins Kino, bevor er sich mit einem ehemaligen Mitschüler trifft. Doch auch dieses Treffen verläuft nicht nach Holdens Vorstellungen. Schon von Beginn an sorgt Holden mit seinen indiskreten Fragen für eine angespannte Stimmung, sein Gesprächspartner verabschiedet sich bald wieder und Holden verbringt wieder einen Abend beim Trinken in irgendwelchen Bars.
Er beschließt später, noch bei seiner kleinen Schwester Phoebe reinzuschauen. Holden schleicht sich in die Wohnung seiner Eltern, doch die sind Gott sei Dank nicht da. Er weckt Phoebe, um mit ihr zu sprechen. Die Kleine ist ziemlich schlau und Holden vergöttert sie. Natürlich merkt Phoebe schnell, dass er mal wieder von der Schule geflogen ist. Als sie die Eltern heimkommen hören, schleicht sich Holden wieder aus der Wohnung.
Unterschlupf für diese Nacht findet er bei seinem ehemaligen Englischlehrer. Am nächsten Tag trifft er sich mit Phoebe, um sich von ihr zu verabschieden. Er will abhauen. Als sich Phoebe standhaft weigert, zu Hause zu bleiben, weil sie ihren großen Bruder begleiten will, denkt Holden um und beschließt in letzter Sekunde, seine Pläne doch noch zu ändern.
„Der Fänger im Roggen“ wurde schon ausgiebig analysiert und interpretiert, deshalb soll an dieser Stelle darauf verzichtet werden. Es handelt sich um ein Werk, dessen Erfolg und Rezeptionsgeschichte für sich sprechen. Die Geschichte ist in flüssigem Tempo erzählt, man lebt mit Holden mit und schließt ihn ins Herz – ich jedenfalls fand ihn richtig sympathisch. Er entwickelt sich von einem Jugendlichen – fast noch Kind – zu einem Erwachsenen, man kann diese Entwicklung nachvollziehen und merkt es daran, welche Gedanken ihn bewegen und wie er sich verhält. Beim Lesen hatte ich das Gefühl, jemand hätte manche der Gedanken, die mich während meiner Jugendzeit bewegten, aufgeschrieben. Die Sprache ist jugendlich, aber nicht übertrieben, man nimmt Salinger seinen Antihelden einfach ab. Er ist eine komplexe Persönlichkeit mit einem sehr weichen Kern, den er jedoch (meist vergeblich) hinter vielen Flüchen versteckt. Außerdem hat Holden einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und ist gegen alles Verlogene. Vielleicht ist der Antiheld vielleicht doch weniger ein Anti als ein heimlicher Held. Mit hat das Buch jedenfalls tief beeindruckt und ich konnte es kaum mehr weglegen.
Zusätzlich lesenswert machen das Buch auch diverse Hintergrundinformationen, beispielsweise die Tatsache, dass der John Lennon Attentäter Mark David Chapmann eine Ausgabe des „Fängers“ bei sich hatte. Außerdem besaßen Charles Manson, John Hinckley und Theodore Kaczynski das Buch – übrigens alle Gewaltverbrecher. Warum gerade auf diese Art von Menschen ein Protagonist wie Holden, der ja eigentlich ein Softie ist, solch eine Faszination ausübt, ist mir schleierhaft. Vielleicht war es damals auch einfach Pflichtlektüre in der Schule, ein Buch, das man halt daheim hat. Motive aus dem Werk verarbeiten auch die Filme „Flechters Visionen“ und eine Anime-Serie, außerdem findet man Anspielungen darauf auch in Büchern von Siegfried Lenz und Ulrich Plenzdorf. So komplex wie Holdens Charakter scheint auch die Rezeptionsgeschichte rund um das Buch zu sein. Einmal sollte sich jeder an der Lektüre von „der Fänger im Roggen“ versuchen – empfehlen würde ich allerdings eine eingehende, mehrmalige Lektüre. In diesem Jahr eines meiner Lesehighlights!
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Taschenbuch: 269 Seiten
Verlag: Rowohlt Tb.; Auflage: 5 (Januar 2004)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3499235390
