Hallo zusammen,
ich habe diese Kapitel jetzt auch gelesen und mir hat zwischendurch mächtig der Kopf geraucht. Gerade was Cass' alten Professor bzw. seine Lehre angeht, habe ich das Gefühl, überhaupt nichts verstanden zu haben. Was wollte er mit dem rezitierten Gedicht denn nun wirklich aussagen? Was will er seinen Studenten überhaupt beibringen - bzw. will er ihnen überhaupt etwas beibringen? Seinen "geliebten Geschöpfen"??? Auf mich macht Klapper eher den Eindruck eines (nur leicht) durchgeknallten Gurus, der seine eigene Sekte aufbaut, als dass er ein Professor ist, der seine Studenten auf dem Weg zur Promotion begleitet. Was mich in diesem Zusammenhang verwirrt war, dass noch kein Student bei Klapper promoviert hat und das Klapper über jeden, der dann aufgegeben hat, enttäuscht war. Wenn er daran interessiert ist, dass seine Studenten promovieren, warum unterstützt er sie dann nicht mehr. Oder ist er einfach enttäuscht, von seinen Jüngern verlassen worden zu sein? In jedem Fall ist mir Klapper ziemlich unsympathisch.
Die ständigen Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit sind stilistisch sehr gut gemacht, aber ich muss mir erstmal immer wieder vor Augen rufen, worum es in der Gegenwart eigentlich geht, wenn so ein Ausflug in die Vergangenheit endet. Worüber ich gern noch mehr erfahren möchte (und was bestimmt noch kommt), ist wie es zu Cass' Trennung von Klapper kam und was da überhaupt vorgefallen ist. Gideon selbst scheint das alles am meisten mitgenommen zu haben. Kein Wunder, wo er doch über ein Jahrzehnt in Klappers Studien investiert hat. Obwohl es nicht logisch ist, kann ich es völlig nachvollziehen, dass er von sich aus nicht sein Studium abbricht. Er hat jetzt schon so viel Zeit investiert, dass es ihm subjektiv mehr wehtun würde, jetzt aufzuhören, als weiter seine Zeit zu opfern. Das erinnert mich ein wenig an das Eskalationsexperiment, das Lucinda im 3. Kapitel bei der Vorlesung geschildert hat. Lieber einen Cent (ein Semester) mehr investieren, als alles verlieren. Selbst wenn der Einsatz den möglichen Gewinn schon längst überholt hat.
Ich denke, Gideon hat den Teufelskreis, in dem er sich befindet, schon längst erkannt, aber ihm fehlt einfach die Kraft bzw. die Motivation, ihn zu durchbrechen. Seine Warnung an Cass, sich lieber wieder dem Medizinstudium zu widmen, ist meiner Meinung nach absolut ehrlich gemeint und vom Wunsch getragen, zumindest anderen sein eigenes Schicksal zu ersparen.
Nun ist wohl klar, mit wem Cass sich mailt, es ist vermutlich Gideon.
Zu dem Schluss bin ich auch gekommen. Kurz habe ich daran gedacht, dass es Roz ist, aber das hat sich schnell wieder erledigt. Gideon passt insoweit, dass er sowohl Lucinda kennen dürfte, als auch Roz. Und seine Initialen GR passen auch zur E-Mail Adresse.
Roz ist eine sehr quirlige Person. So, wie sie auftritt, hätte ich sie niemals so alt geschätzt, maximal Mitte 30. Ihre unbekümmerte Art ist sehr erfrischend im Vergleich zu den doch recht verstaubten Wissenschaftlern, die bisher das Geschehen dominieren.
Wer so lebhaft ist wie Roz und das Leben nimmt, wie es ist, für den muss ein verkopfter Mann einfach meschugge sein, der über das Leben stundenlang nachdenkt statt es zu leben. Eine wie Roz will ein Bier und einer wie Klapper fragt sich, ob er derjenige ist, der ein Bier möchte, bevor er es bestellt.
Schön gesagt, Bettina.

Was ich von Roz Kampagne zur Bekämpfung des Alters halten soll, ist mir noch nicht ganz klar. Einerseits wäre es bestimmt nicht schlecht, länger zu leben und vor allem Dingen, auch im Alter noch fit zu sein. Und das Argument, dass Leiden zur Charakterbildung beiträgt, finde ich genau wie sie reichlich zynisch und pietätlos. Doch sich - wenn schon nicht die ewige Jugend, dann doch etwas Ähnliches - mit dem Schlucken von Dutzenden Pillen und anderen Dingen zu erkaufen, erscheint mir nicht wirklich erstrebenswert. Auch so, wie sie ihre ganze Kampagne präsentiert, ist es wohl ihre eigene Angst vor dem Alter, die sie antreibt und nicht das Wohl der Menschheit.
In dem Buch steckt unglaublich viel drin auf den bisher für mich nur 160 gelesenen Seiten. So kompakt habe ich so viele grundlegende Fragestellungen noch nie auf einem Haufen gesehen.
Stimmt, aber genau darin liegt für mich zur Zeit das Problem mit dem Buch. Mir geht momentan genug Anderes im Kopf herum, um mich noch auf so viele geballte philosophische Fragen einzulassen. Ich werde das Buch auf alle Fälle weiter lesen, aber um es richtig zu begreifen, wird wohl nichts an einer Wieholek vorbei führen.
LG Myriel