Jonas Elijah Klapper ist bei ihr (Roz) anscheinend ziemlich unten durch. Über die "magnum opi" musste ich ja erst mal grinsen 
Im 5. Kapitel lernen wir Klapper etwas näher kennen, und ich finde seine Ausführungen über das Selbst ehrlich gesagt reichlich schräg - man muss sich das Selbst erarbeiten? Hm. Sicher, der Charakter entwickelt sich mit der Zeit weiter, man arbeitet an sich (oder auch nicht), aber sind uns nicht die Grundlagen unseres Selbst in die Wiege gelegt? Cass jedenfalls haben seine Aussagen anscheinend ziemlich aus der Bahn geworfen. Sehr sympathisch kommt der Prof hier ja nicht gerade rüber. Der arme Cass tat mir schon leid, als er seinen Monolog über dieses Gedicht hielt und dachte, er hätte jetzt was ganz Tolles erzählt, und dann wird er so zusammengefaltet.
Dass Roz Klapper bescheuert findet, macht sie mir sympathisch *g* Ich hatte erst kurz Hemmungen, mir eine "krachlaute" 50-jährige vorzustellen, weil ich vermutete, Roz sei die junge Partnerin eines Mannes, der einiges älter ist als die Freundin. Dann erst kam raus, dass sie seine Studentenliebe ist.
Wer so lebhaft ist wie Roz und das Leben nimmt, wie es ist, für den muss ein verkopfter Mann einfach meschugge sein, der über das Leben stundenlang nachdenkt statt es zu leben. Eine wie Roz will ein Bier und einer wie Klapper fragt sich, ob
er derjenige ist, der ein Bier möchte, bevor er es bestellt.
Ich halte es wie Roz und nach dem kurzen Auftritt ist auch mir Klapper eher unsympathisch. Nicht, dass ich ihm sein Forschungsgebiet nicht gönne. Aber wenn es heißt, dass er seine Studenten "erwählt" statt sie lehrt und dann auch noch ohne Abschluss hocken lässt, hat er meiner Meinung nach die universitäre Ausbildung missverstanden und schart bloß willige Jünglinge um sich.
Er (Cass) folgt den Gefühlen und Aussagen seines "Meisters" gebannt, hat den Eindruck, wirklich das Höchste zu erblicken "ja, etwas jenseits des Genies", seine seitherige Erfahrung /Wissen bringt ihm garnichts, stürzt ihn in die Tiefe der "Ungnade", in die er gefallen zu sein scheint und als er dann wider Erwarten doch zu den "Erwählten" gezählt wird, ist das natürlich eine perfekte Basis für eine Jüngerschaft.
Gruusig, wie man hier sagt. Cass muss als Student zwar verstehen, worum es geht, wenn er etwas studiert und zu einem Abschluss kommen will. Aber genau diese neogöttliche Haltung des Professors ist schlimm. Streng genommen sind einige Professoren so, wenn sie die eigene Meinung als absolute Lehrmeinung verkaufen, aber wenn es um Gott, Glaube, Identität und Selbst geht, bekommt das Ganze eine andere Dimension - jedenfalls wenn man darüber liest und wenn sich das Buch auch noch um genau diese Themen dreht.
Gideon selbst erscheint mir ein bisschen waschlappig. Oder ist der Klappers "Zauber" dermaßen erlegen, dass er sich Semester um Semester durch seine Seminare quält? Die Empfehlung an Cass, lieber bei der Medizin zu bleiben, schien ja aus tiefster Seele zu kommen.
Gideon kann so verzaubert nicht sein (mein erster Eindruck), wenn er Neulinge ernsthaft warnt. Er meint offensichtlich nicht, dass Cass zu dumm wäre, sondern scheint ihm wirklich zu signalisieren, dass seine akademische Karriere geradewegs in eine Sackgasse startet. Eine Erklärung für sein Klammern kann ich bisher nur darin sehen, dass er seiner Frau das Versprechen gegeben hat, ohne Abschluss nicht zu gehen. Und er will vielleicht einfach nur diese Versprechen nicht brechen. "Was man anfängt bringt man zu Ende". Akademische Karrieren beenden viele nur äußerst ungern, sobald sie einen bestimmten "Point of no return" überschritten haben. Wobei ich sagen muss, dass ich das US-amerikanische System nicht kenne und das nur über Teile des deutschen Systems sagen kann.
Gideons rätselhafte Einladung klingt fast nach Mystery-Thriller! Die Recherche in der Bibliothek und die Bibliothekarin, die Cass an seine Oma erinnert, führt uns zurück in Cass' Kindheit und zu seinen jüdischen Wurzeln. Damit hätte ich an der Stelle gar nicht gerechnet, mit einer jüdischen, streng orthodoxen Sekte, aus der Cass' Mutter stammt. Die Schilderungen der Gebräuche und der Kindheitserinnerungen fand ich toll.
Das war eine klasse Einlage

Der Typ Flugblatt überhaupt und das Raten um die tiefere Bedeutung. Herrlich.
Auch der Ausflug in die Vergangenheit. Für Cass die liebe Großmama, für alle anderen eine Tyrannin.
... mein Hirn reiche bei Weitem nicht aus, ich mußte Wikipedia und den Duden dazunehmen, um in etwa folgen zu können, was für ein Seminar so einen gewaltigen Umschwung bei Cass verursacht hatte.
Bei mir geht es auch nicht ohne Blick in kluge Bücher. Das zögert die Lektüre manchmal ganz ordentlich hinaus, wenn es auf einer Seite gleich mehrere Begriffe sind.
Mir wird auch schwindlig von diesen Überlegungen, aber davon mehr in Thread 02...
Also nun dazu: Die Puzzelei um das Selbst habe ich irgendwann nicht mehr so konzentriert gelesen. Ich finde es ziemlich komplex, komme nicht wirklich mit, was daran das Problem sein soll. Ich bin offensichtlich viel zu sehr vom Roz-Typ, was dieses Selbst anbelangt: Ich bestelle das Bier. Oder trenne ich zwei Dinge, die für Klapper identisch zu sein scheinen: Das Selbst und der Charakter / die Persönlichkeit?