
Ich kann seit heute mitlesen und bin von den ersten zwei Kapiteln begeistert.
Ich fange mal mit Kapitel II an

Dass sich die Form so sehr von der vorigen Erzählung unterscheidet, fand ich sehr klasse. Das lässt auf viel Abwechslung im Buch hoffen. Auch ich rätsle, mit wem Cass sich morgens mailt, denn Lucinda kann es nicht sein. Mir fiel nur auf, dass Cass von einem offiziellen Uni-Account aus schreibt und der andere Anschluss ein privater zu sein scheint.
Der Einstieg in Kapitel I ist nicht nur wortgewaltig, sondern lässt - wie Ihr schon gesagt habt - viele Spekulationen zu. Welche Verschiebung ist gemeint? Vielleicht ist es Seltzers Buch, das in so viele Sprachen übersetzt worden ist und damit "weltweit" für Aufsehen sorgt. Es wäre eine Erklärung dafür, dass alle möglichen Denker plötzlich darüber nachdenken müssen, warum der Atheismus plötzlich wieder öffentlich besprochen wird. Das ist derzeit aber Mutmassung meinerseits.
Ich finde, dass Goldstein sehr viele Knüller in ihrem Einstieg untergebracht hat. Da ist Tom Cruise jedenfalls einer davon

Mir fiel zum Beispiel auch auf, wie sie das Verhältnis von Gläubigen zu Atheisten beschreibt. Aussätzige und Verbrecher. Dabei unterscheidet den einen nichts vom anderen. Das ist schlicht der typische Effekt, der eintritt, wenn man mehr von einem anderen Menschen erfährt. Ach, der ist Atheist/Katholik/Wasweissich? Na das erklärt dann alles! Und plötzlich ist der ehemals sympathische Nachbar persona non grata.
Sprachlich finde ich es absolut lesenswert (auch, wenn ich zwei, drei Begriffe nachher noch nachschlagen muss; passiert mir eher selten). Schöne Vergleiche und eine wunderbare Bemühung darum, Probleme klar zu machen, die auftauchen, wenn man über sich selbst nachdenkt und versucht, zu erfassen, was das alles ist und was das bedeutet. Da kommt jedes Gehirn an seine Grenzen, nicht nur das des sechsjährigen Buben im unteren Stockbett.
Ich hoffe, dass ich im Lauf des Buchs noch mehr über Cass' Forschungsgebiet erfahren kann. Es scheint, dass religiöse Empfindungen für ihn etwas sind, was jeder hat, dass diese aber nicht von jedem mit der Existenz eines Gottes verbunden werden. Darüber möchte ich mehr lesen.
Ich hatte auch schon überlegt, ob es für Glauben psychologische Vorraussetzungen gibt.
Interessante Überlegung. Ich denke allerdings nicht, dass es Voraussetzungen gibt, die der eine hat und der andere nicht. Glaube scheint mir etwas zu sein, was jeder hat. Jeder glaubt an etwas, das heisst für mich, jeder kann das per se. An was er dann glaubt, ist erst der zweite Schritt.
Allerdings wird dies wohl ein Buch, was ich eher gemächlich verdauen muss, damit ich es besser verstehe.
Wenn das Buch so weitergeht, wie es startet, muss es irgendwann in einen Reread.