Jo Schulz-Vobach – Sophies Familie
Inhaltsangabe:Nach dem Fall der Berliner Mauer ist für Franz von Sand die Gelegenheit gekommen, in dem alten Familiensitz auf der Insel Rügen ein großes Familientreffen zu veranstalten. Das plant er nicht ganz uneigennützig, denn Land auf der Insel Rügen ist nicht uninteressant für Immobilien-Investoren. Außerdem sollen noch wertvolle Gemälde und der Familienschmuck in dem inzwischen sehr heruntergekommenen Gutshaus versteckt sein.
Doch er hat die Rechnung nicht mit seiner Mutter Sophie von Sand gemacht, die nicht umsonst die „Sanddistel“ genannt wird. Gewitzt setzt diese sich der Invasion ihrer Familienangehörigen und deren Geldgier zur Wehr ...
Der erste Satz:„An diesem Novemberabend 1989 – als einer der jüngeren Urenkel von Sophie von Sand mit dem Wagenheber aus seinem Porsche unter dem Jubel der Menge und im Licht zahlloser Scheinwerfer am Potsdamer Platz und angefeuert von den hysterischen Stimmen der TV- und Rundfunkreporter gegen die dem Westen zugewandte Berliner Mauer schlug – als auf gleicher Höhe, aber auf der östlichen Seite des Bauwerks, das die Stadt seit dem 13. August 1961 teilte, einer seiner bisher unbekannten Verwandten auf ebendiese Mauer kletterte – als abzusehen war, dass die Mauer von beiden Seiten Deutschlands endlich fallen würde und sich damit die Wiedervereinigung des geteilten Landes anbahnte -, an diesem Abend also befand sich Sophie von Sand zusammen mit ihren Freunden Bertha und Adam und einem Transistorradio aus den fünfziger Jahren im Keller des alten Gutshauses Distelitz im Norden der Ostseeinsel Rügen.“
Meine Meinung zum Buch:Eine schöne, manchmal witzige und manchmal tragische Familiengeschichte – leider mit ein paar Längen zum Ende hin.
Es ist nicht einfach, im von Sand’schen Familiengefüge die Übersicht zu behalten. Aber es kristallisieren sich schnell die handlungstragenden Personen heraus und die Autorin hat sogar daran gedacht, für den Leser eine Übersicht der wichtigsten Figuren an den Anfang der Geschichte zu stellen, so dass man sich nach einer kurzen Zeit der Verwirrung gut zurecht findet.
Alle Personen, auch die Nebenfiguren, sind wunderbar gezeichnet und charakterisiert. Jede von ihnen hat spezielle Eigenschaften, positive oder negative, die sie individuell erscheinen lassen. Gut gefallen hat mir außerdem, dass die Figuren meistens nicht einseitig gut oder böse sind, sondern beide Seiten in sich tragen.
Vom Stil her ist das Buch sehr gut zu lesen. Man erlebt die Geschichte aus den Augen verschiedener Personen, das macht sie abwechslungsreich und man lernt viel über die jeweiligen Figuren und ihre Motive.
Leider beginnt die Geschichte nach zwei Dritteln doch sehr zu schwächeln. Bis dahin ist eigentlich schon alles Wichtige passiert, nur die Art, wie sich Sophie aus der Schlinge zieht, ist noch nicht klar. Diese Situation hält sich dann über viele Seiten, und das ist dann doch etwas langweilig.
Meine Bewertung insgesamt:

Viele Grüße von Annabas
