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Autor Thema: Mary Doria Russell - Dreamers of the Day  (Gelesen 380 mal)

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Mary Doria Russell - Dreamers of the Day
« am: 18. Mai 2010, 15:10:00 »



Ihr ganzes Leben lang war Agnes die Brave, Vernünftige, diejenige, die im Hintergrund blieb und dabei mit Tatkraft und Fleiß die Dinge am Laufen hielt, stets bescheiden, adrett und anständig und im Gegensatz zu ihren beiden Geschwistern auch nicht mit besonderer Attraktivität gesegnet (zumindest hat ihr das ihre Mutter wegen ihres Silberblicks lang genug eingeredet).

Der erste Weltkrieg und die unmittelbar darauffolgende tödliche Grippewelle nimmt ihr innerhalb kurzer Zeit ihre gesamte Familie, wobei der Verlust ihrer geliebten Schwester Lillian am schwersten wiegt. Nachdem sie sich selbst von der Grippe erholt hat, wartet die große Aufgabe der Nachlassregelungen auf sie.

Nun ganz auf sich zurückgeworfen, reift in ihr allmählich ein für ihre Verhältnisse geradezu verrückter Plan: sie beschließt, nach Ägypten und Palästina zu reisen, um auf den Spuren ihrer Schwester zu wandeln, die mit ihrem Mann lange Zeit dort lebte.

Als sie ihre Idee in die Tat umsetzt, begegnet sie direkt bei der Ankunft im feudalen Hotel Semiramis Menschen, die heute legendär sind: Thomas E. Lawrence, bekannt als „Lawrence von Arabien“, Gertrude Bell, die wesentlich an der Entstehung des heutigen Staates Irak beteiligt war, und einen etwas dicklichen englischen Minister namens Winston Churchill, die alle zu einer Konferenz über die politische Zukunft des Nahen Ostens angereist sind.

Agnes schließt sich der illustren Gruppe zu einigen Unternehmungen an und lernt dabei ganz neue Welten kennen. Am eindrucksvollsten ist für sie jedoch die Begegnung mit dem Deutschen Karl Weilbacher. Agnes, die mit ihren 40 Jahren noch nie eine Beziehung hatte, verliebt sich ein wenig in den gutaussehenden und zugänglichen Karl und muss sich irgendwann fragen, ob es ihm um sie ging oder doch eher um Informationen über Lawrence und die anderen Konferenzteilnehmer …

Russell ist einfach eine großartige Erzählerin. In wunderschönen unkitschigen Bildern, gewürzt mit trockenem Humor, entführt sie uns in das Amerika der „Roaring Twenties“ genauso wie ins exotische Land am Nil, wo die einst so unscheinbare Agnes Shanklin zu einem großartigen Abenteuer aus ihrem gesetzten und ein bisschen langweiligen Leben ausbricht.

Die Konferenz von Kairo, oft nur eine Randnotiz der Zeitgeschichte, rückt nebenher ins Bewusstsein, ohne dass Russell mit trockenen politischen Details anödet. Wie gut sie den historischen Persönlichkeiten gerecht wird, kann ich nicht einschätzen, doch sie sind so glaubhaft geschildert, dass sich alles gut so zugetragen haben könnte.

Agnes mit ihren Selbstzweifeln, der ewig dominanten Mutter im Hinterkopf einerseits und einer unbändigen Neugier auf die Welt andererseits ist eine sehr sympathische Protagonistin, mit der sich wunderbar mitfühlen lässt.

Es ist wirklich schade, dass Russell hierzulande fast unbekannt ist und ihre jüngsten Bücher gar nicht mehr übersetzt wurden. Dieses Buch hätte definitiv auch hier viele Leser verdient.

4ratten
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illy

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Re: Mary Doria Russell - Dreamers of the Day
« Antwort #1 am: 24. Mai 2010, 09:56:47 »

Gut, dass es schon bei mir zuhause subbt - ich glaube, ich lasse es aber noch etwas liegen, der nächste Roman ist erst für 2011 angekündigt:

Russell's forthcoming novel is a Western and murder mystery, entitled 8 to 5, Against. It is set in Dodge City in 1878, when the unlikely but enduring friendship between Wyatt Earp and Doc Holliday began, four years before the famous shoot-out at the O.K. Corral. "8 to 5 Against" is currently set for release in May 3, 2011. (Wikipedia)
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Re: Mary Doria Russell - Dreamers of the Day
« Antwort #2 am: 25. Mai 2010, 09:44:56 »

Western interessieren mich eigentlich so gar nicht, aber wenn Russell einen schreibt, würde ich den auch lesen ;)
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Re: Mary Doria Russell - Dreamers of the Day
« Antwort #3 am: 14. April 2011, 06:57:59 »



Das Buch beginnt 1918 und Hauptfigur Agnes ist knapp unter 40 und tut mir ein bisschen leid. Von schlechtem Gewissen der verwitweten, überarbeiteten Mutter gegenüber geplagt, die das auch weidlich ausnutzt, hat sie sich von klein auf um den Haushalt und die jüngeren Geschwister gekümmert. Auf Wunsch der Mutter hat sie eine Ausbildung zur Lehrerin gemacht und plant als solche solange zu arbeiten, bis sie sich irgendwann um die Mutter kümmern muss... Der einzige Mann, der sich je ein wenig für sie interessiert hat (sie trägt eine Brille und ist keine Schönheit, aber ich glaube es liegt eher an der – von der Mutter bestärkten – Einstellung, wenig liebenswert, sondern bestenfalls nützlich zu sein) hat ihre jüngere Schwester geheiratet und ist mit ihr nach Ägypten gegangenen - da wo sie selbst so gerne hin gereist wäre. Die Grippewelle entbindet sie von ihren Verpflichtungen und gibt ihr finanzielle Freiheit und so reist sie 1921 schließlich selbst nach Kairo, wo sie so bedeutende Persönlichkeiten wie Lawrence von Arabien, Winston Churchill oder Gertrude Bell trifft.

Agnes ist politisch ziemlich unwissend, dafür aber mit einer recht modernen eigenen Meinung ausgestattet, so dass die Autorin sie des Öfteren in Diskussionen verwickeln kann, die dem Leser die Hintergründe und Ziele der damaligen Nahostpolitik recht gut erläutern. Es wird für den Leser ziemlich deutlich, dass man sich einige der dort entstandenen Probleme schon von Anfang an hätte denken können. Politik ist aber nur ein Handlungsstrang, denn irgendwie geht es auch  darum, dass Agnes (auch wenn sie schon 40 ist) gerade erwachsen wird. Sie wirft von der Mutter übernommene Einstellungen über Bord, verliebt sich, ... Sie ist manchmal ziemlich direkt und von ihrer Meinung überzeugt und wirkt dann etwas überheblich, insgesamt macht sie aber schon einen sympathischen Eindruck.

Nur das Ende des Buches gefiel mir nicht so wirklich. Die Situation von der aus Agnes ihre Schlussbemerkungen schreibt, ist schon ziemlich weit hergeholt. Ich finde das musste wirklich nicht sein, nur damit Agnes all die Bemerkungen über das Wesen des Menschen und seinen Drang zu Hass und Krieg machen kann. Das fühlte sich schon ein bisschen nach Holzhammermethode an. Funktioniert hat es zwar, denn ich musste nach Schließen des Buchs doch noch etwas weiter über ihre Gedanken nachdenken, aber ideal fand ich Russells Methode hier nicht.

Trotzdem hat mir „Dreamers oft he Day“ gut gefallen und mich davon überzeugt, dass die Autorin wohl wirklich über jedes Thema interessant schreiben kann – ihr neuestes Buch (einen Western) habe ich schon vorbestellt, schade dass sie nur alle paar Jahre eines herausbringt.

4ratten
« Letzte Änderung: 15. April 2011, 07:02:46 von illy »
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