Über
hell erleuchtete Säle habe ich mich richtig gefreut. Schön leicht zu lesen und obendrein noch lustig. Anscheinend gab es schon immer Leute, die andere mit ihren Problemchen genervt haben. Sehr witzig fand ich ja die Frau mit den Sommersprossen ... dieses "Problem", das man seine Sommersprossen nicht mag, gibt es ja bis heute.
Goethe scheint übrigens kein Anhänger der Homöopathie zu sein! Laut meiner Lektürhilfe verspottet er diese nämlich mit den Worten "Zu Gleichem Gleiches" (V. 6336). Der Arzt Hahnemann, der Begründer der Homöopathie hat 1810 den Grundsatz "Ähnliches soll durch Ähnliches geheilt werden" aufgestellt.
Die Interpretation klingt ja interessant. Aber manchmal frage ich mich trotzdem, ob nicht zu viel interpretiert wird (nicht unbedingt an dieser Stelle, hier scheints ganz plausibel).
Für mich auf jeden Fall eine entspannte und lustige Szene.
Der
Rittersaal war schon wieder ein bisschen schwieriger. Faust beschwört mit Hilfe von Schlüssel und Kessel Paris und Helena hervor. Ich war ja ein bisschen enttäuscht von den Müttern ... da passiert ja gar nichts. Warum wurde dann darum so ein großes Tratra gemacht?
Was es jetzt genau mit dem Schlüssel und dem Kessel auf sich hat, weiß ich auch nicht. Vielleicht kann uns ja eine Lektürenhilfe aufklären? Ich dachte bei dem Kessel irgendwie an eine Art Hexenkessel, der die Macht hat, Zauber zu vollbringen. Und der Schlüssel aktiviert ihn quasi. Ein Schlüssel öffnet Dinge bzw. bringt etwas in Gang, so in der Art.
Auf jeden Fall kommen Paris und Helena zum Vorschein, allerdings, so wie ich das verstanden habe, nur als Geistererscheinungen. Witzig fand ich die Bemerkungen des Hofes ... die Frauen bewundern Paris und sind eifersüchtig auf Helena, bei den Männern ist es genau umgekehrt. Auch daran hat sich bis heute nicht viel geändert.
Auch Faust erliegt der Schönheit Helenas und will sie für sich beanspruchen (V.6557).
Ich rette sie, und sie ist doppelt mein.
Gewagt! Ihr Mütter! Mütter! müssts gewähren!
Wer sie erkannt, der darf sie nicht entbehren.
Er ist völlig kopflos und erkennt den Unterschied zwischen Sein und Schein nicht mehr (irgendwie passiert ihm das öfter, oder?). Doch mit seiner Berührung bzw. mit der des Schlüssels löst er alles auf. Der Schlüssel kann also nicht nur öffnen, sondern auch wieder verschließen.
Zweiter AktHoch gewölbtes enges gotisches ZimmerHey, ich hätte ja nicht gedacht, dass die beiden noch einmal in Faustens ehemaliges Domizil zurückkehren. Ehrlich gesagt dachte ich, dass sie am Ende des ersten Bandes geflohen sind. Naja, Faust ist auf jeden Fall erstmal ausgeschaltet und Mephisto schaut sich um. Er entdeckt so einiges Vertrautes, schließlich auch etwas, auf das ich getrost hätte verzichten können: Wagner.
Den mochte ich schon im ersten Teil nicht, er war total überheblich und in der verstrichenen Zeit ist es nicht besser geworden. Ganz im Gegenteil: er blickt auf Faust herab und gewährt ihnen nicht einmal Unterkunft (V. 6773).
Anmaßlich find ich, dass zur schlechtsten Frist
Man etwas sein will, wo man nichts mehr ist.
An der Stelle dachte ich mir schon, der hat doch nicht mehr alle. Aber es kommt noch besser:
So ist er schon so gut wie tot.
Am besten wärs, euch zeitig totzuschlagen.
Wagner war ja schon immer überheblich, aber jetzt ist er auch noch gehässig. Aber Mephisto scheint sich ja schon eine Überraschung für ihn überlegt zu haben.
Am Schluss der Szene wendet sich Mephisto sogar direkt ans Publikum, insbesondere an die Kinder und sagt meiner Meinung nach etwas sehr Weises:
Bedenkt: der Teufel, der ist alt,
So werdet alt, ihn zu verstehen!
Übrigens finde ich diese Wortspiele, in denen der Teufel vorkommt, klasse. Irgendjemand sagt etwas über den Teufel und Mephisto antwortet (für uns) so schön zweideutig. Diese Figur bringt einfach am meisten Witz in das Stück mit ein. Und ich seh immer Gustav Gründgens vor meinem inneren Auge. Der war echt die passende Besetzung.