Alice Borchardt - Die Königin der Wälder 

Zum Inhalt: Die Handlung spielt ca. Ende des 9. Jahrhunderts in der Normandie. Hauptfiguren sind Owen, der Bischof von Chantalon, sowie seine Frau Elin, die dem alten, einheimischen Volk entstammt und zuvor in den Wäldern gelebt habt. Beide kämpfen gemeinsam um ihre Stadt Chantalon, die von dem Wikinger Haakon bedroht wird, der eine größere Streitmacht aufbringen kann als sie selbst. Um die Stadt zu retten, ist Owen sogar bereit, eine Scheinehe einzugehen, um Gunst und Männer seines Vaters zu erlangen. Er bricht auf, landet jedoch ganz woanders, und muss sich beweisen, um die ersehnte Hilfe zu bekommen und die Wikinger so zu schlagen.
Meine Meinung: Himmel, was für ein absolut grottiges Buch! Ohne SUB-Wettbewerb hätte ich wohl kaum durchgehalten und das ganze zu Ende gebracht.
Zuallererst sollte man wissen, dass es sich um eine Fortsetzung handelt ('Die Mauern von Chantalon'). Das geht leider nicht aus dem Klappentext hervor, so dass man ziemlich blöd dasteht, wenn man das Buch wie ich als Schmöker a la Gabaldon vom Grabbeltisch an Land zieht. Aber nun gut, darüber kommt man recht schnell hinweg.
Der Schreibstil hat mir nicht sonderlich gefallen, da es mir einfach zu blumig ist. Das Buch ist zwar flüssig zu lesen, aber das Übermaß an Adjektiven und Adverbien ist mir ziemlich schnell auf den Keks gegangen. Alles, aber auch alles wird durch tausend Zusätze beschrieben. Jeder Fluss ist reissend, sprudelnd, jedes Vogelzwischern sanft, hell, beschaulich, usw. Etwas mehr Schlichtheit hätte dem Buch gutgetan.
Aber das ist natürlich Geschmackssache. Viel schlimmer ist die Handlung und auch die handelnden Charaktere. Nehmen wir uns zuerst die letzteren vor. Owen ist jung, gutaussehend (selbstredend) und wie bereits erwähnt, Bischof. Im ganzen Buch erfolgt keine Handlung, die in irgendeiner Weise damit zu tun hat, dass der Gute ein Kirchenmann ist. Stattdessen ist er entweder damit beschäftigt, sich über seine Frau herzumachen oder andere - vorzugsweise Wikinger - abzuschlachten, wobei er regelmäßig in eine Art Schlachtenwahn verfällt. Er bricht mit dem festen Wunsch auf, seine Leute zu retten und dafür jede Unbill (wie eine andere Frau) in Kauf zu nehmen, um dann im Wesentlichen alles zu tun, um dieses Ziel zu gefährden. Was seine Frau Elin an ihm findet (ausser dem guten Aussehen) ist mir nie ganz klar geworden. Elin selbst wird regelmäßig von allen Nicht-Bewohnern von Chantalon als Hexe bezeichnet. Warum ist mir ebenfalls nicht klar, da sie nichts hexenhaftes anstellt ausser Medizin zu mixen, was aber auch andere Frauen in dem Buch tun (und zwar häufiger). Sie kennt sich wunderbar mit dem Wald und den Menschen und Medizin aus und merkt nicht mal, als bei ihr die Wehen einsetzen.
Weitere Hauptfiguren in Chantalon sind dein paar Stadtbewohner (schlaue, jüdische Pfandleiherin, dumme, traschende Wirtsfrau), die nicht immer schlauen Ritter des Hauses, sowie deren überaus schlauer Hauptmann. Auf der Gegenseite erfährt man hauptsächlich von Haakon, dem Wikingerhauptmann, der abwechselnd als Pirat, Räuberhauptmann oder Wikinger bezeichnet wird. Warum er Chantalon angreift ist nicht wirklich klar, da er durch Heirat mit der ansässigen Adligen Elsbeth legtimer Herr ein großen Gebiets ist. Erscheint er am Anfang unbarmherzig und abgrundtief böse, wandelt er sich auf den letzten paar Seiten in ein fast liebes, sanftes Lämmchen. Elbeth wurde Haakons Frau, nachdem ihr ungeliebter Ehemann Rainald ermordet wurde (der zuvor Owen verraten hat). Der eigentliche Grund ihrer Heirat war, den stärksten Mann zu heiraten, damit ihre Kinder unter Schutz stehen. Selbstredend ist der unbarmherzige Wikinger aber ein zärtlicher und sanfter Liebhaber, so dass sie im Wesentlichen damit beschäftigt ist, ständig auf ihn zu warten, damit er sie beglückt.
Die Handlung ist nicht besser als die handelnden Personen (alles andere wäre wohl auch überraschend). Die ersten Seiten sind ja noch ganz nett zu lesen, aber die Logikfehler stören doch schnell. Da gibt Owen im einen Moment an, schon viel von den Waldleuten gelernt zu haben, im nächsten Moment macht er garantiert einen solchen Heidenlärm, dass nur das umsichtige Verhalten der Waldleute in retten kann. Die Waldleute, die ja wahre Zauberer im Leben im Wald sind, stapfen munter durch eben diesen, um dann überrascht festzustellen, dass ein Waldbrand um sie tobt und es scheinbar keinen Fluchtweg mehr gibt. Und so geht es in einem fort. Der Mittelteil des Buches, als Owen Chantalon verlässt, um Verstärkung zu holen, ist im Wesentlichen unlesbar. Durch den Waldbrand vom Weg abgekommen, landet er statt bei seinem Vater in der Bretagne. Der dortige Hof mit König, Königin, dem Magier Elutides (dessen magische Fähigkeiten im Großen und Ganzen darin zu bestehen scheinen, anderen bewusstseinserweiternde Tränke unterzuschieben), sowie dessen Tochter und zwei Söhnen lässt sich am besten als grotesk beschreiben. König und Königin sind nicht miteinander verheiratet und poppen wild in der Gegend rum. Der nächste König soll werden, wer Elutides Tochter heiratet (warum auch immer). Diese Ehre möchte ein Berserker haben, der zusammen mit seinen zwölf Mannen besiegt werden muss, wobei Owen kräftig hilft. Dabei verfällt Own in einen Schlachtenwahn, der so wirr und unleserlich ist, dass es kaum auszuhalten ist. Kaum freut man sich, dieses Kapitel überstanden zu haben, wird er von Elutides unter Drogen gesetzt, zuerst, um ihm das Töchterchen schmackhaft zu machen, und dann, um ihn als Gejagter auf die Wilde Jagd zu schicken. Erholung von diesem wirren Zeug gibt es immer kapitelweise, wenn berichtet wird, wie Elin sich in Chantalon der bösen Wikinger entbehren muss. Hat man sich durch dieses Wirrwarr durchgekämpft, löst sich dann innerhalb von ein paar Seiten alles auf. Die entscheidene Schlacht wird gewonnen, Haakon ist auf einmal lieb, Owen und Elin entzweien und versöhnen sich und am Ende haben sich alle lieb. Und nicht zu vergessen, der böse Berserker ist hinterher ein guter Christ.
Ich wüsste beim besten Willen nicht, wem ich dieses Buch weiterempfehlen sollte. Wer historische Romane mag, ist völlig fehlt am Platz. Wer auf Liebesszenen mit 'Lustlanzen' und ähnlich illustren Ausdrücken steht, kauft sich wohl lieber einen Nackenbeisser, statt sich durch über 715 Seiten Gewäsch zu quälen. Und wer gern eine nette Mischung aus beidem mag, sollte besser zu Diana Gabaldon greifen, das ist deutlich lesbarer und unterhaltsamer.

(und die auch nur, weil das Buch zuminst Stoff für ein Rezi gibt... ausserdem gibt's kein 0-Ratten Symbol)