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Autor Thema: Halldór Laxness - Salka Valka  (Gelesen 6459 mal)

Aldawen

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Re: Halldór Laxness - Salka Valka
« Antwort #30 am: 14. April 2010, 20:25:07 »

Das klingt ja nicht gerade begeistert - Laxness scheint nicht so deines zu sein?!

Nein, ich glaube nicht. Ich dachte bei den glücklichen Kriegern, es läge vornehmlich an Form und dem etwas abseitigen Inhalt, aber es scheint eher eine allgemeine Laxness-Unverträglichkeit zu sein ...

Das Sparen Salkas ist wohl auch dem Grund geschuldet, dass sie für ihr Geld ja nichts bekommt. Ich meine Andeutungen dahingehend gelesen zu haben, finde die Stelle aber nicht wieder.

Das stimmt wahrscheinlich (jetzt, wo Du es sagst, kommt mir auch dunkel so etwas in Erinnerung), aber verschwenderisch würde Salka vermutlich trotzdem nicht werden.

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kaluma

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Re: Halldór Laxness - Salka Valka
« Antwort #31 am: 14. April 2010, 23:03:30 »

@McOss
An dieser Stelle ist mir auch deutlich geworden, wie sehr das Buch zwischen den ernsten und den heiteren Tönen wechselt. Das Thema und die Erzählweise sind ja grundsätzlich sehr ernst, aber dann gibt es immer wieder solche humorvollen Einsprengsel, die ich so nicht erwartet hätte und die mich anfangs etwas verwirrten.
Das hast du wunderbar auf den Punkt gebracht  :klatschen: - danke! Genauso empfinde ich das auch und habe nur nicht so klare Worte gefunden, das auszudrücken. Und genau so überrascht wie du jetzt war ich, als ich "Am Gletscher" las, mein erstes Buch von Laxness.

Und genau das ist es auch (verbunden mit der Sozialkritik und Religionskritik, die du auch erwähnst, und die in dieser übertrieben-grotesken Form stattfindet) was mich an Laxness´ Büchern so begeistert. Er trifft damit genau meine Wellenlänge, so etwas kann ich endlos weiter und weiter lesen. 
Und dazu gehört auch seine Wertschätzung der einfachen, ehrlichen, arbeitenden Leute, die immer wieder hindurchschimmert (zum Beispiel in den Personen der beiden alten Leute, Steinunn und Eyolfjur, und in etlichen Personen im "Fischkonzert".):herz:

Auch ich habe weitergelesen bis zum 16. Kapitel.

Interessant fand ich die Beschreibung über den ersten Abschied und die erste Liebe - ich überlege dann immer, wie es bei mir war. Kenne ich einen ersten Abschied, eine erste innige Liebe - irgendwie will mir da nie was einfallen. Ich liebe meinen Mann und wir sind auch schon sehr lange zusammen, aber die erste Liebe - war er das wirklich. Ich denke manchmal, die Literatur übertreibt manchmal, oder bin ich zu gefühlskalt (gewesen), um diese ersten Erfahrungen wahrzunehmen?! 
Auch ich habe mich an dieser Stelle des Buches über diesen "ersten Abschied" und seine angeblich herausragende Bedeutung gewundert und darüber nachgedacht. Abschiede gibt es immer wieder in unterschiedlicher Intensität, der erste war vermutlich irgendwann im frühen Kindesalter, man erinnert sich kaum, und zumindest bei mir gab es später schlimmere Abschiede. Und mit der "ersten Liebe" verhält es sich ähnlich. Langer Rede kurzer Sinn: ich kann das nicht nachvollziehen und halte mich aber deshalb keineswegs für gefühlskalt!

Die Tochter des Kaufmanns ist mir ja schon ziemlich auf die Nerven gefallen.
Mir auch! Die nächste in der Reihe der illustren Personen der "guten Gesellschaft". Daß sie Arnaldur so benutzt (und vermutlich nach Strich und Faden ausgenommen) hat, nehme ich ihr übel.

Was mich gewundert hat: Sigurlina taucht eigentlich gar nicht mehr auf. Sie wird am Rande erwähnt, wenn es um ihren Sohn geht, oder wenn andere über sie reden, aber als Handelnde ist sie verschwunden.
Das ist mir auch aufgefallen. Hat mich allerdings nicht allzusehr gewundert, denn ich habe erwartet, daß die Handlung des Buches sich irgendwann mehr in Richtung Salka verschieben würde. Außerdem ist Sigurlina sehr mit ihrem kränklichen Sohn beschäftigt, infolgedessen immer weniger mit ihrer flügge werdenden Tochter. Und die Entfremdung zwischen den beiden hatte ja schon begonnen, als die Mutter sich mit Steinthor einließ, und wurde sicher dadurch verstärkt, daß die Mutter Salka nicht vor Steinthor schützte.

Ich denke auch, daß Steinthor irgendwann wieder auftauchen wird.

Schön fand ich, daß Arnaldur sich vor seiner Abreise bei Salka entschuldigt und ihr das Medaillon geschenkt hat. Offenbar hat er das richtige Gespür dafür, was die wirklich wichtigen Dinge im Leben sind.

@Aldawen
aber es scheint eher eine allgemeine Laxness-Unverträglichkeit zu sein ...
Was genau ist es, das dir nicht liegt? (Wenn man mal fragen darf). Ist es der ironische Stil? Oder der Inhalt?
Dann bin ich gespannt, wie du die "Kinder der Regenmacher" finden wirst. Soweit ich nach dem ersten Kapitel beurteilen kann, das ich ja vor kurzem angelesen hatte, geht es dort auch um das Alltagsleben armer Leute, also ein ganz ähnliches Thema.... ?  :gruebel:

Viele Grüße
Katja




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Aldawen

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Re: Halldór Laxness - Salka Valka
« Antwort #32 am: 15. April 2010, 07:04:39 »

Was genau ist es, das dir nicht liegt? (Wenn man mal fragen darf). Ist es der ironische Stil? Oder der Inhalt?
Dann bin ich gespannt, wie du die "Kinder der Regenmacher" finden wirst. Soweit ich nach dem ersten Kapitel beurteilen kann, das ich ja vor kurzem angelesen hatte, geht es dort auch um das Alltagsleben armer Leute, also ein ganz ähnliches Thema.... ?  :gruebel:

Schwer zu sagen, was es ist, aber es ist nicht einfach die Tatsache, daß es um das Alltagsleben armer Leute geht – das habe ich öfter in Büchern, und es stört mich nicht nur nicht, ich mag dergleichen sogar. Und was die Kinder der Regenmacher angeht: Die erste Hälfte kenne ich als (ich glaube: leicht gekürztes) Hörbuch und fand es großartig. Es hat daher wohl mehr mit dem Stil von Laxness zu tun, der mich einfach nicht anspricht. Er trifft zwar einen Nerv, aber den falschen. Die Ironie, die Ihr ausmacht, kommt bei mir in der Form einfach nicht an.

Von den Motivationen der Protagonisten erfahre ich zu wenig, ich kann ihre Handlungsweisen, wenn überhaupt, nur versuchen auf Grund äußerer Anzeichen nachzuvollziehen, und das ist mir zu wenig. Denn dabei bekomme ich auch nicht recht mit, was sie wirklich bewegt, und auch nicht, wie sie sich in ihrem eher tristen Alltagsleben arrangieren (jenseits der Äußerlichkeiten, daß man mit der Heilsarmee betet oder ähnliches). So lese ich Seite um Seite vor mich hin, ohne daß mein Interesse, was aus den Leuten wird, irgendwie wächst. Sie könnten allesamt auf der nächsten Seite tot umfallen, und ich würde den Roman einfach erleichtert zuklappen. Ich werde den ersten Teil auf jeden Fall noch zu Ende lesen, aber für den zweiten übernehme ich keine Garantie ...

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kaluma

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Re: Halldór Laxness - Salka Valka
« Antwort #33 am: 15. April 2010, 11:12:05 »

@Aldawen
Ah ja, ich glaube ich verstehe jetzt ungefähr, was dich stört.  :pling:

Gerade dieses Mutmaßen nach den Gründen für die Handlungsweise der Personen hat für mich einen großen Reiz. In der Leserunde zum "Fischkonzert" haben wir darüber ja nach Herzenslust spekuliert...  :breitgrins: und vieles wurde erst am Ende klar.

Eine zwiespältige Angelegenheit, und Bogesen ist damit für mich eine zwiespältige Person.
Ich tendiere dazu, Bogesen kritisch zu sehen. Zwar hilft er hier Salka (die aber für ihr neues Kleid einen hohen Preis bezahlen wird, falls ich Steinthors Reaktion darauf richtig deute), aber das kann er sich gut leisten, noch dazu, als es ihn wirklich nichts kostet. Ein abgelegtes Kleid seiner Tochter. Ich denke mal, er stellt sich hier als ein Gönner dar, vor allem vor sich selbst und sonnt sich in seiner Großzügigkeit.
Ich meinte damit nicht nur sein Verhalten Salka gegenüber, sondern gegenüber den Dorfbewohnern insgesamt. Ich möchte nicht völlig ausschließen, daß er gute Absichten hat, indem er den Leuten quasi vorschreibt, was sie bei ihm kaufen. Vielleicht will er dafür sorgen, daß sie ihr Geld nicht z.B. für Schnaps und Zigaretten rausschmeißen und dann im Winter nichts mehr haben und hungern müssen. So ist jedenfalls mein Eindruck. Es wird ja irgendwo gesagt (Textstelle finde ich gerade nicht), daß es den Dorfbewohnern relativ gut geht, verglichen mit dem Standard in diesem Landesteil.
Die andere Seite ist, daß sie damit bevormundet werden und ihre Entscheidungsfreiheit verlieren.

In den isländischen Behausungen haben teils ganze Familien in einer einzigen Kammer geschlafen, alle Angestellten in einer Kammer zusammen oder eben zwei Leute in einem Bett. Und wenn es nicht anders ging, schlief die Magd neben dem Knecht. Dünne Wände, mickrige Türen... Ich schätze, unsere Vorstellungen und das heutige, hiesige Bild von Familienplanung und Privatsphäre müssten wir im Island dieser Zeit ziemlich schnell an den Nagel hängen.
Nicht nur im damaligen Island. Ich schätze, in vielen Ländern der Welt ist das heute noch so.

Die Aktion von Salka finde ich auch klasse. Sie kennt es vermutlich nicht anders. Eine Kindheit damals dürfte früh mit Arbeit verbunden gewesen sein. Dass sie sich offensichtlich mit niemandem vorher abspricht, macht es für mich zu etwas Besonderem.
Ja, genau. Ich vermute, die Kinder mußten damals eher familiennah mitarbeiten: im Haus mithelfen, im Stall, im Gemüsegarten oder auf dem elterlichen Feld arbeiten. So eine Lohnarbeit aus eigenem Antrieb erscheint mir ungewöhnlich. Wenn Kinder für Lohn gearbeitet haben, denke ich, daß auch damals die Eltern solche Dinge entschieden haben.

Übrigens, was Bogesen angeht: Es wurde ja schon angesprochen, dass er möglicherweise Isländer ist, der sich einen "eleganteren" dänischen Namen gegeben hat. Erhärtet sich der Verdacht später oder ist Bogensen tatsächlich ein dänischer Einwanderer?
Ich halte ihn für einen Isländer. Was Annahme eines dänischklingenden Familiennamens betrifft, so kann das (neben der Nachahmung) auch rein praktische Gründe gehabt haben: wer nach Dänemark kommt und keinen Familiennamen hat, wie die Isländer, bekam vielleicht Probleme mit der Verwaltung etc.

Über Island werde ich auch noch dies und jenes nachlesen (müssen). Was die Einwanderer betrifft, so vermute ich mal, daß die früher eingewanderten Norweger etc. inzwischen im isländischen Volk aufgegangen sind, aber zu Laxness´ Zeiten eben die Erinnerung an die dänische Herrschaft noch recht frisch war und die staatliche Unabhängigkeit noch keine Selbstverständlichkeit.
« Letzte Änderung: 15. April 2010, 11:20:50 von kaluma »
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Re: Halldór Laxness - Salka Valka
« Antwort #34 am: 15. April 2010, 11:37:23 »

@Aldawen
Ah ja, ich glaube ich verstehe jetzt ungefähr, was dich stört.  :pling:

Gerade dieses Mutmaßen nach den Gründen für die Handlungsweise der Personen hat für mich einen großen Reiz. In der Leserunde zum "Fischkonzert" haben wir darüber ja nach Herzenslust spekuliert...  :breitgrins: und vieles wurde erst am Ende klar.

Ich kann das auch verstehen, aber meist geht es mir hier ähnlich wie kaluma - es ist auch mal nett, nicht genau zu wissen warum die Leute dies oder das sagen oderausführen. Bei meinem ersten Laxness hatte ich auch ein wenig Probleme damit (konnte aber nicht genau auf den Punkt bringen, was mich gestört hat), doch nun mag ich den Stil und freue mich über diese Geschichte.

Bogesen ist für mich ein typischer Kapitalist - sein ausgeklügeltes Kreditsystem macht alle im Dorf abhängig - wer verdient denn schon Geld um diesen Ort zu verlassen? Alle Leben nur so gut wie es Bogesen zuläßt, von Freiheit keine Spur.
Da helfen in meinen Augen auch kleine Spenden (wie ein altes Kleid für Salka) nichts.

Die Tochter des Kaufmanns ist mir ja schon ziemlich auf die Nerven gefallen.
Mir auch! Die nächste in der Reihe der illustren Personen der "guten Gesellschaft". Daß sie Arnaldur so benutzt (und vermutlich nach Strich und Faden ausgenommen) hat, nehme ich ihr übel.
Nun die Tochter finde ich auch nervig, aber auch interessant - mich würde interessieren was sie in Kopenhagen so getrieben hat, dass ihr Vater sie zurückholt. Vernünftiges kann es ja nicht gewesen sein, wenn sie sich daheim schon betrinkt. Ich muss da immer an die Kaufmannstochter in "Meine kleine Farm" denken, dass habe ich als Teenie öfter geschaut. :breitgrins:
Das Arnaldur dabei ausgenutzt wird war ja fast zu erwarten - aber so richtig leid tut er mir auch nicht. Immerhin sieht er es ja recht schnell ein...

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Re: Halldór Laxness - Salka Valka
« Antwort #35 am: 16. April 2010, 18:30:11 »

Ich kann das auch verstehen, aber meist geht es mir hier ähnlich wie kaluma - es ist auch mal nett, nicht genau zu wissen warum die Leute dies oder das sagen oderausführen.

Ich muß es von einem Autor auch nicht in allen Details erklärt bekommen, aber ich will wenigstens in der Lage sein, begründete Mutmaßungen anzustellen. Und das kann ich hier einfach nicht. Ich sollte wahrscheinlich nicht nach Island auswandern, das könnte ein grundsätzliches Mentalitätsproblem sein  :zwinker:

Gestern hatte ich noch die Kapitel XVII bis XIX gelesen. Allerdings ist davon bis heute nicht allzuviel hängengeblieben, was schon zeigt, daß es absolut nicht mein Buch ist. Daß Sigurlina sich mit Heiratsabsichten trägt, hat mich dabei durchaus zunächst einmal gefreut. Der Bräutigam wäre zwar nicht mein Fall gewesen, aber sie kann nicht besonders wählerisch sein. Und vermutlich gibt es schlechtere Exemplare als Jukki. Daß die Hochzeit dann zunächst wegen Sigurlinnis Tod verschoben werden muß und damit Steinthor die „Gelegenheit“ gegeben wird, passend (oder auch unpassend, das ist wohl eine Frage der Perspektive) wieder aufzutauchen, hat mich kaum überrascht. Wie Jukki und Steinthor dann aber – tja, was eigentlich? – kann man sagen, sie rivalisieren um Sigurlina? Naja, jedenfalls nehme ich an, daß man die Art dieses „Umwerbens“ zum Schmunzeln finden kann, ich fand es ermüdend. Man könnte ja ein Wort zu viel sagen  :rollen:

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Aldawen

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Re: Halldór Laxness - Salka Valka
« Antwort #36 am: 16. April 2010, 20:15:42 »

So,  nunmehr bin ich am Ende des ersten Teils angelangt.

Das war ja alles mehr oder weniger (eher mehr) erwartbar. Daß Steinthor nicht gerade wegen überschäumender Liebe zu Sigurlina zurückgekehrt ist, hatte ich auch nicht vermutet. Natürlich ist er mehr an Salka interessiert. Er versteckt es zwar eine ganze Weile, aber letztlich gelingt es ihm nicht. Verantwortung kann und will er auch nicht übernehmen, nicht mal für sich selbst, auch wenn er das behauptet. Daher war seine erneute Flucht natürlich nur konsequent. Sigurlinas Selbstmord war die logische Folge. Wobei das auch Rückschlüsse darauf zuläßt, wie es wirklich um ihren Glauben bestellt war. Wäre sie darin wirklich gefestigt gewesen, dann hätte sie doch anders reagieren müssen, es war wohl doch nur Ersatzhandlung.

Das einzige, was mich jetzt wirklich noch interessieren würde: Wo ist Arnaldurs Brief abgeblieben? Hat Steinthor ihn aus dem Mieder gezogen, als er wieder zudringlich wurde? Tatsächlich interessiert mich diese Frage aber nicht genug, um mich an den zweiten Teil zu machen. Ich werde mit dem Ende dieses ersten Teils das Buch endgültig zuklappen. Tut mir leid, weil ich Euch ja quasi zu diesem Roman „gedrängt“ habe, aber ich komme im Moment wegen viel Streß in der Firma sowieso kaum zum Lesen, und das bißchen Zeit möchte ich dann lieber Büchern angedeihen lassen, die mir mehr zu sagen haben. Ich werde aber weiter verfolgen, was Ihr hier so zum Buch schreibt  :winken:

Schönen Gruß,
Aldawen
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Re: Halldór Laxness - Salka Valka
« Antwort #37 am: 17. April 2010, 07:53:06 »

Ich habe auch die Kapitel 17-19 gelesen.

Sigurlinnis Tod ist traurig, war aber vorhersehbar.  :sauer:

Ich habe mal nachgeforscht, um was es sich bei dieser merkwürdigen "Drüsenkrankheit" handelt, an der so viele Kinder gestorben sind. Interessant, was es früher alles so gab.
Die damalige Ansicht findet man hier, und die heutige (laut Wikipedia) hier.
Ich bin ja an sich skeptisch bei seltsamen Krankheiten mit unklaren Ursachen. Meistens gibt es ja doch eine handfeste Ursache. Ohne allerdings medizinische Vorkenntnisse zu haben, hatte ich hier auf eine Infektion wie eine Variante der Tuberkulose getippt, das scheint es aber nicht zu sein. Und dennoch scheint das Krankheitsbild weit verbreitet gewesen zu sein. Der Hinweis auf eine Allergie als Ursache und die Tatsache, daß in dem Haus schon früher vier von sechs Kindern Steinunns daran starben, brachte mich auf den Gedanken, ob vielleicht Schimmelpilze in dem feuchten Haus die Ursache sind - denn die Ernährungssituation scheint ja einigermaßen gut zu sein. Und ein Kind, das sich mit solchen Symptomen herumschlägt, hat dann ja auch keine Abwehrkräfte gegen Infekte mehr.

Bei der Rede Bogesens auf diesem Fest hatte ich dann auch einen Durchhänger, gebe ich zu. Das war für mich die erste Länge des Buches.
Witzig - oder eher zynisch - ist die Stelle, wo er sagt, einmal im Monat komme ein Schiff, also könnten doch alle fast immer reisen, wohin sie wollten. Einmal im Monat ist also fast immer, aha. An dieser Stelle konnte ich allerdings nicht mehr schmunzeln. Hier bleibt einem das Lachen im Hals stecken. Wie denn reisen ohne Geld, und daß niemand welches hat, dafür hat genau Bogesen und kein anderer gesorgt.

Spannend fand ich, wie Salka am Ende von Kapitel 17 beim Nachhausekommen die trauernde Frau in der Kammer sieht. "Sie hatte diese Frau noch nie gesehen. Sie sah sie auch später nie wieder." Ich frage mich, wer diese Frau wohl war. Eine Klagefrau? Eine Vision? (Die Isländer glauben doch an Elfen und dergleichen Wesen.) Oder war es Sigurlina oder Steinunn, durch die Trauer so verändert, daß sie Salka fremd erscheint?

Jetzt zu Jukki. Anfangs dachte ich, er ist einfach nur schüchtern und unbeholfen.
Daß die Hochzeit dann zunächst wegen Sigurlinnis Tod verschoben werden muß
Nein. Die Hochzeit wurde wegen Sigurlinnis Krankheit verschoben. Sein Tod hat ja im Gegenteil den Weg für die Hochzeit freigemacht.
Vermutlich wollte Jukki sich nicht mit einem kranken Kind belasten, das nicht seins ist, aber den Großteil der Zeit und Kraft seiner neuen Frau beansprucht, und evtl. noch eine Infektionsgefahr darstellt. Netter Mann, dieser Jukki.

Daß Steinthor gerade mal zehn Tage nach Sigurlinnis Tod auftaucht, halte ich für keinen Zufall. Und daß Sigurlina dann ausgerechnet in ihrer Trauer von den beiden Bewerbern bedrängt wird, ist auch alles andere als einfühlsam von beiden. Daß sie sich am Ende gegen beide entscheidet (wobei ja Steinthor sie vermutlich weiterhin bedrängen wird :rollen:), ist folgerichtig. Jukki erweist sich denn ja auch als sehr kleinlich und unbarmherzig, als er Sigurlina, die eben ihr Kind verloren hat, nicht mal das Kleid gönnt.


Ich muß es von einem Autor auch nicht in allen Details erklärt bekommen, aber ich will wenigstens in der Lage sein, begründete Mutmaßungen anzustellen. Und das kann ich hier einfach nicht. Ich sollte wahrscheinlich nicht nach Island auswandern, das könnte ein grundsätzliches Mentalitätsproblem sein  :zwinker:
Ich weiß nicht, ob das die isländische Mentalität ist. Ist das denn bei anderen isländischen Autoren auch so? Ich kenne nur die Krimis von Arnaldur Indriðason als Vergleich, und da verhalten sich eigentlich alle ziemlich begründet...
Ich denke auch, Laxness spielt ganz gewaltig mit dem Erwartungen seiner Leser und durchbricht und enttäuscht diese bewußt immer wieder. Er stellt absichtlich Gewohntes in Frage. Mir gefällt das. Es bringt mich auch dazu, eigene Schlußfolgerungen zu hinterfragen. Beispielsweise denke ich (wie am Anfang des Buches) "aha, Steinthor ist das Rauhbein mit dem edlen Kern", und später stellt sich heraus, daß es nicht so ist, dann frage ich mich: wie kam ich eigentlich darauf, das zu denken?
Und dennoch malt Laxness nicht schwarz-weiß. Ich finde, die Personen seiner Geschichten sind fehlbar, aber sie sind menschlich.

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Re: Halldór Laxness - Salka Valka
« Antwort #38 am: 17. April 2010, 08:00:30 »

Nachtrag:
An einer Stelle habe ich gestutzt. Und zwar, als Sigurlina zu Steinthor sagt, er hätte "beinahe ein Verbrechen an meinem kleinen Mädchen begangen". Wieso beinahe? Ich dachte eigentlich, er hat es durchaus begangen, wenn hier Vergewaltigung gemeint ist. Will Sigurlina das vielleicht nicht wahrhaben? :gruebel:

@Aldawen
Tut mir leid, weil ich Euch ja quasi zu diesem Roman „gedrängt“ habe,
Das braucht dir nicht leid zu tun.  :winken:
Ich zumindest hätte das Buch früher oder später sowieso gelesen.
Trotzdem schade, daß es dir nicht gefällt und daß du nicht weiter mitliest.
« Letzte Änderung: 18. Mai 2010, 22:55:00 von kaluma »
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Re: Halldór Laxness - Salka Valka
« Antwort #39 am: 17. April 2010, 08:51:34 »

Spannend fand ich, wie Salka am Ende von Kapitel 17 beim Nachhausekommen die trauernde Frau in der Kammer sieht. "Sie hatte diese Frau noch nie gesehen. Sie sah sie auch später nie wieder." Ich frage mich, wer diese Frau wohl war. Eine Klagefrau? Eine Vision? (Die Isländer glauben doch an Elfen und dergleichen Wesen.) Oder war es Sigurlina oder Steinunn, durch die Trauer so verändert, daß sie Salka fremd erscheint?

Ich hatte an der Stelle eigentlich auch eher auf eine veränderte Sigurlina getippt. Wo sollte in der Hütte denn wohl noch eine andere Frau herkommen, die Salka in den Jahren nicht aufgefallen wäre? Und dieses völlige Weggetretensein von Sigurlina würde dann auch erklären, warum sie wenig später zur letzten Konsequenz greift.

Nein. Die Hochzeit wurde wegen Sigurlinnis Krankheit verschoben. Sein Tod hat ja im Gegenteil den Weg für die Hochzeit freigemacht.

Ich sag's ja: Der Inhalt war nach einem Tag schon wieder quasi aus dem Gedächtnis verschwunden  :rollen:

Vermutlich wollte Jukki sich nicht mit einem kranken Kind belasten, das nicht seins ist, aber den Großteil der Zeit und Kraft seiner neuen Frau beansprucht, und evtl. noch eine Infektionsgefahr darstellt. Netter Mann, dieser Jukki.

Aber verständlich. Wenn ich das richtig in Erinnerung habe war von einem rüstigen Vater und einer pflegebedürftigen Mutter die Rede. Er braucht also dringend Hilfe im Haus, und wenn Sigurlina das nicht leisten kann, dann „rechnet“ sich für ihn die Ehe nicht. Reine Menschenfreundlichkeit kann er sich auch nicht leisten.

Ich weiß nicht, ob das die isländische Mentalität ist. Ist das denn bei anderen isländischen Autoren auch so? Ich kenne nur die Krimis von Arnaldur Indriðason als Vergleich, und da verhalten sich eigentlich alle ziemlich begründet...

Daß ich hier nicht begründet vermuten kann, ist wahrscheinlich eher ein Problem der Laxness'schen Erzählweise. Daß mir die Mentalität nicht liegt, habe ich auch schon an anderen isländischen Büchern festgestellt. Dank der 1 Jahr=1Land-Challenge der Bookcrosser lese ich ja aus vielen Ländern jeweils mehrere Bücher, wobei ich versucht habe, dabei auch immer möglichst viele Autoren zu mischen, um einen breiteren Eindruck zu bekommen. Mit den Finnen tue ich mich übrigens ähnlich schwer, Ausnahme sind da (bislang) Finnland-Schweden. Auch deswegen mag ich diese Challenge so, es kristallisieren sich zum Teil interessante Lesestrukturen heraus.

Nachtrag:
An einer Stelle habe ich gestutzt. Und zwar, als Sigurlina zu Steinthor sagt, er hätte "beinahe ein Verbrechen an meinem kleinen Mädchen begangen". Wieso beinahe? Ich dachte eigentlich, er hat es durchaus begangen, wenn hier Vergewaltigung gemeint ist. Will Sigurlina das vielleicht nicht wahrhaben? :gruebel:

Das halte ich für sehr wahrscheinlich. Welche Mutter würde sich schon gerne selbst eingestehen, daß der Mann, den sie liebt und als Lebensgefährten betrachtet, ihre Tochter in dem Alter vergewaltigt? Welche Konsequenz würde sie ziehen müssen, wenn sie sich das eingesteht? Und was sollte sie dann tun, zumal in Steinthors Abwesenheit und in diesem abgelegenen Dorf, wo sie immer noch die Fremde ist?

Trotzdem schade, daß es dir nicht gefällt und daß du nicht weiter mitliest.

Tja, aber man muß sich einfach auch eingestehen, daß nicht jeder Autor für einen schreibt. Laxness ist es nicht für mich, aber es gibt ja genügend andere  :zwinker:
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Re: Halldór Laxness - Salka Valka
« Antwort #40 am: 17. April 2010, 12:08:36 »

Ich habe es heute endlich geschafft, bis Ende Kapitel 15 vorzudringen.
Dazu musste ich meinen Mann aber mit beiden Kindern in den Baumarkt schicken *g*

Jetzt habe ich auch viel von Euch zu lesen, da ich nicht zuviel von dem wissen wollte, was passiert.

Das Ende von Kapitel 13 war in der Tat vorherzusehen. Allerdings geht es mir wie kaluma, dass man so ein Vergehen eigentlich keinem zutrauen möchte. Steinthor verschwindet, vermutlich weiß er genau, was ihm blüht, wenn er erwischt wird. Um Salka kümmert sich im Nachhinein keiner so recht, davon liest man nicht einmal in einem Halbsatz. Im Dorf gibt es wichtigeres zu tun, als sich groß um persönliches Befinden zu kümmern und da geht das alles - so schlimm es ist - recht schnell auch wieder unter.

Hier gibt es einen Zeitsprung - Steinthor ist verschwunden, aber ich glaube nicht für immer.

Steinthor wird uns wieder begegnen, glaube ich. Dafür ist er eine zu starke Feindfigur, als dass man die ziehen lässt. Ich bin sehr neugierig darauf, wie Salka damit umgehen wird. Sie wird immer stärker und entschlossener.

Von ihrer Mutter kann sie keine Hilfe erwarten. Das finde ich grausam, dass sie die Tochter als Konkurrentin betrachtet, obwohl Salka sich immer klar gegen Steinthor stellt oder sich auch sonst nun wirklich nicht als interessiert an Männern oder Buben zeigt. (Das ändert sich meines Erachtens erst im zweiten Teil, als sie eifersüchtig auf die Kaufmannstochter wird, von der sich Arnaldur einwickeln lässt.)

Kaluma hat angemerkt, dass die Mutter die Tochter nicht geschützt hat. Ich frage mich jedoch, wie sie das hätte machen können. Ich schätze Sigurlina so ein, dass sie eine Vergewaltigung nie für möglich gehalten hätte. Sie glaubt, wenn sie Steinthor wegen der Schwangerschaft und des Zusammenlebens zur Heirat bringt und ihre Tochter reichlich ausschimpft, erledigt sich das Thema von selber. Sie kann oder will nicht begreifen, dass der Mann hochgefährlich ist. Vielleicht ist sie vor missverstandener Liebe auch zu blind dazu.

Die Tochter des Kaufmanns ist mir ja schon ziemlich auf die Nerven gefallen.
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Nun die Tochter finde ich auch nervig, aber auch interessant - mich würde interessieren was sie in Kopenhagen so getrieben hat, dass ihr Vater sie zurückholt. Vernünftiges kann es ja nicht gewesen sein, wenn sie sich daheim schon betrinkt. ... Das Arnaldur dabei ausgenutzt wird war ja fast zu erwarten - aber so richtig leid tut er mir auch nicht. Immerhin sieht er es ja recht schnell ein...

Diese Tochter ist der Knüller! Ich staune aber nicht nur über sie, sondern auch darüber, wie selbstverständlich dieses dänische Gehabe (teilweise jedenfalls) als gebildet wahrgenommen wird. Dänisch ist gut. Dabei ist das Mädchen eine Schnepfe und es erschreckt mich, dass sie ihre Heimat so verachtet. Die Kommentare über die Zigarettenmarke zu Beginn ihres Auftauchens schon sagten alles.

Mir ist eines aufgefallen, als Salka Allis Tante besucht. Da bekommt Salka ein Fotoalbum gezeigt und die Reaktion der Tante auf den Mann von Arnaldurs Vater fand ich überraschend. Ich hatte fast das Gefühl, die Tante hätte diesen Mann gerne selber gehabt, nachdem er durch den Tod der Ehefrau frei geworden war. Nun ist er aber weggegangen, hat neu geheiratet und sie scheint recht verletzt gewesen zu sein.
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Re: Halldór Laxness - Salka Valka
« Antwort #41 am: 17. April 2010, 13:31:36 »

So, nach dem 2/3 meines Beitrages gerade im Nirvana verschwunden sind, hier nun eine kürzere Fassung... :grmpf:

Ich habe bis zum Kapitel 19 gelesen.

Erstmal zu Bogesens Rede - ich fand die wirklich interessant. Nett wie er sich sein Leben und sein Werk hier schön redet. Sicher hat den Menschen sein Geschäft und seine Reederei einige Vorteile gebracht, aber dass er nun hier die ganze Veranwortung trägt gut, darüber läßt sich streiten.

Dann zum Tanz - ich hab nicht ganz verstanden warum sich Salka darauf gefreut hat, aber gut, so richtig war es ja auch nix für sie. Die Kaufmannstochter hat ja wieder eine Show geliefert, warum nur sagt der Vater da nichts - das verwirrt mich.

Nun zu unserer Dreierbeziehung - ich fand das Rivalisieren klasst. Das passt genau zu den Männer. Warum sich Sigurlina am Ende so blöd benimmt verstehe ich nicht. Warum gibt sie Jukki den Laufpass? Sie glaubt doch nicht wirklich dass sie Steinthor loswird, ein Schlückchen Branntwein und schwupps ist er wieder der Alte.
Ich meine Jukki wäre für sie keine schlechte Wahl gewesen und die Idee mit dem Pferd fand ich irgendwie süß. Er hat sich was dabei gedacht und scheint sie doch auch zu mögen. Da sie nun nicht gerade die Vertauenswürdigste ist in Sachen Männer, kann ich Jukki und seine Bedenken auch verstehen.
Gut, er wollte kein krankes Kind daheim, aber auch dass kann ich ein wenig nachvollziehen, hm.
Nun ja andererseits wollte Sigurlina ihre "Freiheit" eben nicht aufgeben - auch ein Grund, der aber irgendwie nicht zu Sigurlinas Charakter passt. Das macht es so schwer sie zu verstehen.

Ich hoffe der Beitrag ist auch so ok - ich bin gerade leicht genervt von dem blöden PC.

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schokotimmi

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schokotimmi

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Re: Halldór Laxness - Salka Valka
« Antwort #42 am: 18. April 2010, 22:15:51 »

Guten Abend,

ich habe nun den ersten Teil beendet und ich muss sagen. Sigurlina hat mich ein wenig überrascht mir ihrer Tat. Also so ganz kann ich die Frau nicht verstehen. Sie wollte also tatsächlisch Steinthor - manche Liebe scheint wirklich blind zu machen.
Salka steht nun also da und die Aktion vom Probst ist ja dann wohl die Härte. Sie darf für die Beerdigung aufkommen, super. Und dann bekommt der Pfarrer nicht mal eine Rede zusammen - das ist echt ein toller Typ. Passt auch zum Auftritt des Arztes am Fundort. Wirklich ne tolle Gegend.

Nun gut, Salka ist jetzt also auf sich gestellt - mich würde auch interessieren was mit dem Brief Allis ist. Ich glaube nicht, dass sie ihn verloren hat.

Ein wenig gespannt bin ich nun schon auf den 2. Teil. Vllt. warte ich ein wenig auf euch - wie weit seit ihr so?

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schokotimmi
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kaluma

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Re: Halldór Laxness - Salka Valka
« Antwort #43 am: 18. April 2010, 22:57:56 »

Ich habe weitergelesen bis ans Ende des ersten Teiles (Kapitel 23).

Daß Sigurlina Selbstmord begehen würde, hatte ich ja schon aus Aldawens Beiträgen gewußt...

Daß Steinthor nicht gerade wegen überschäumender Liebe zu Sigurlina zurückgekehrt ist, hatte ich auch nicht vermutet. Natürlich ist er mehr an Salka interessiert. Er versteckt es zwar eine ganze Weile, aber letztlich gelingt es ihm nicht. Verantwortung kann und will er auch nicht übernehmen, nicht mal für sich selbst, auch wenn er das behauptet. Daher war seine erneute Flucht natürlich nur konsequent. Sigurlinas Selbstmord war die logische Folge.
da nun klar ist, daß er sie offenbar immer nur als Vorwand benutzt hat, um an Salka heranzukommen...
Es sind eine ganze Menge Schicksalsschläge, die Sigurlina einstecken muß. Für mich ist sie eine der bedauernswertesten Personen des Romans.

Wobei das auch Rückschlüsse darauf zuläßt, wie es wirklich um ihren Glauben bestellt war. Wäre sie darin wirklich gefestigt gewesen, dann hätte sie doch anders reagieren müssen, es war wohl doch nur Ersatzhandlung.
Auch ein gläubiger Mensch kann so sehr verzweifeln, daß er das Leben nicht mehr erträgt, der Glaube hilft da (leider) nicht immer weiter.

Interessant fand ich, daß Eyjolfur offenbar all die Jahre lang stillschweigend einen Kirchenbeitrag für Sigurlina bezahlt hat.
Und traurig, daß dem Pfarrer und auch Salka letztlich überhaupt nichts einfällt, was man bei der Beerdigung über sie sagen könnte..  :sauer:

Das einzige, was mich jetzt wirklich noch interessieren würde: Wo ist Arnaldurs Brief abgeblieben? Hat Steinthor ihn aus dem Mieder gezogen, als er wieder zudringlich wurde?
Das vermute ich.
Sollte sich das bestätigen, wirst du es hier lesen.  :zwinker:

Die Stelle in der Scheune, als Steinthor so zudringlich wurde, fand ich widerlich.

Insgesamt muß ich hier sagen, daß das Buch mich momentan ziemlich deprimiert...  Ich weiß nicht, ob es vielleicht auch mit meiner derzeitigen Stimmung zusammenhängt. Aber ich finde das alles ziemlich niederschmetternd und kann auch nur noch an wenigen Stellen diese Ironie finden, die mich doch immer gut amüsiert hat beim Lesen... Salka ist zwar eine starke Person und gefällt mir sehr, aber vielleicht mache ich mal ein-zwei Tage Pause mit dem Buch, ehe ich Teil 2 zu lesen beginne. Ich bin euch ja offensichtlich sowieso voraus.
« Letzte Änderung: 18. April 2010, 23:10:25 von kaluma »
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kaluma

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Re: Halldór Laxness - Salka Valka
« Antwort #44 am: 18. April 2010, 22:59:12 »

Noch ein paar Kommentare:

Ich hatte an der Stelle eigentlich auch eher auf eine veränderte Sigurlina getippt. Wo sollte in der Hütte denn wohl noch eine andere Frau herkommen, die Salka in den Jahren nicht aufgefallen wäre? Und dieses völlige Weggetretensein von Sigurlina würde dann auch erklären, warum sie wenig später zur letzten Konsequenz greift.
Ich dachte zuerst an eine Art Klagefrau, die vielleicht in Todesfällen herbeigerufen wird. Aber selbst wenn diese aus einem Nachbardorf gekommen wäre (gibt es überhaupt ein anderes Dorf in der Nähe?) hätte Salka sie früher oder später vermutlich wiedergesehen.
Daß sie ihre Mutter nicht als verändert wahrnimmt, sondern gar nicht erkennt, halte ich trotzdem für bemerkenswert...
Das Weggetretensein sehe ich nicht als Auslöser für die "letzte Konsequenz". Sondern das halte ich für normal bei Trauer. Und auch das veränderte Aussehen Trauernder habe ich schon beobachtet.
Bis zur letzten Konsequenz Sigurlinas vergehen ja auch nochmal ca. 3 Monate. Nein, ich glaube der Grund für ihren Selbstmord ist nur zum Teil der Tod ihres Kindes, und zu einem großen Teil ist es Steinthors Verhalten.

Vermutlich wollte Jukki sich nicht mit einem kranken Kind belasten, das nicht seins ist, aber den Großteil der Zeit und Kraft seiner neuen Frau beansprucht, und evtl. noch eine Infektionsgefahr darstellt. Netter Mann, dieser Jukki.

Aber verständlich. Wenn ich das richtig in Erinnerung habe war von einem rüstigen Vater und einer pflegebedürftigen Mutter die Rede. Er braucht also dringend Hilfe im Haus, und wenn Sigurlina das nicht leisten kann, dann „rechnet“ sich für ihn die Ehe nicht. Reine Menschenfreundlichkeit kann er sich auch nicht leisten.
Darüber läßt sich nachdenken. Vielleicht wäre es keine reine Menschenfreundlichkeit gewesen, sondern eine Investition in die Zukunft, wenn der Junge nämlich gesund geworden und zu einer weiteren Arbeitskraft herangewachsen wäre.
Nennt mich naiv, aber ich glaube, daß Menschen am Ende weiter kommen, wenn sie kooperativ und solidarisch handeln, als mit Egoismus.
Offensichtlich sieht Jukki das aber nicht so. Ich verstehe das, kann es aber nicht gutheißen.
Ich finde ihn unbarmherzig. Die Ehe ist eine reine Zweckgemeinschaft für ihn, von Liebe oder wenigstens Sympathie keine Spur. Oder läßt man vielleicht einen Menschen, den man liebt, so lange mit einem kranken Kind allein, bis dieses (und damit das Liebste, was dieser Mensch im Moment hat) stirbt?? Also ich würde so jemanden, der das tut, keinesfalls heiraten wollen und ich denke, genau das ist der Grund, warum Sigurlina ihn schließlich zurückweist. Sie möchte aus Liebe geheiratet werden.

Aufgefallen ist mir in diesem Zusammenhang, daß Sigurlina mit einer Heirat das Heimatrecht in dem Dorf erhalten hätte. Ich habe mal bei Wikipedia über Heimatrecht nachgelesen. Hochinteressant! Es war mir nicht bewußt, daß es das früher in so einem engen Sinne gab, und heute noch z.B. in der Schweiz gibt.

Das halte ich für sehr wahrscheinlich. Welche Mutter würde sich schon gerne selbst eingestehen, daß der Mann, den sie liebt und als Lebensgefährten betrachtet, ihre Tochter in dem Alter vergewaltigt? Welche Konsequenz würde sie ziehen müssen, wenn sie sich das eingesteht? Und was sollte sie dann tun, zumal in Steinthors Abwesenheit und in diesem abgelegenen Dorf, wo sie immer noch die Fremde ist?
Daß es so schwierig für sie ist, sich das einzugestehen, ist für mich der Beweis, daß Sigurlina Steinthor tatsächlich liebt, sonst würde sie sich klarer positionieren.
Was die Konsequenz betrifft: sie hatte ja zwei Jahre Zeit, sich innerlich von Steinthor zu lösen und konnte ja in dieser Zeit auch ohne ihn im Ort leben.
Möglich ist natürlich, daß sie durch das Kind eine Art Aufenthaltsrecht erworben hatte, was sie durch den Tod des Kindes wieder verliert, und genau deshalb taucht Steinthor kurz nach dem Tod des Kindes wieder auf, weil er dann maximal Druck auf sie ausüben kann...  :sauer:
Trotzdem, auch wenn sie ihn liebt, ich finde es höchst traurig, daß die Loyalität einer Mutter in so einem Fall nicht hundertprozentig auf der Seite ihres Kindes ist. Würde meiner Tochter so etwas passieren, ich glaube ich würde zur Furie werden, ganz egal was die Konsequenzen sind.  :grmpf:
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