Ich habe auch die
Kapitel 17-19 gelesen.
Sigurlinnis Tod ist traurig, war aber vorhersehbar.

Ich habe mal nachgeforscht, um was es sich bei dieser merkwürdigen "Drüsenkrankheit" handelt, an der so viele Kinder gestorben sind. Interessant, was es früher alles so gab.
Die damalige Ansicht findet man
hier, und die heutige (laut Wikipedia)
hier.
Ich bin ja an sich skeptisch bei seltsamen Krankheiten mit unklaren Ursachen. Meistens gibt es ja doch eine handfeste Ursache. Ohne allerdings medizinische Vorkenntnisse zu haben, hatte ich hier auf eine Infektion wie eine Variante der Tuberkulose getippt, das scheint es aber nicht zu sein. Und dennoch scheint das Krankheitsbild weit verbreitet gewesen zu sein. Der Hinweis auf eine Allergie als Ursache und die Tatsache, daß in dem Haus schon früher vier von sechs Kindern Steinunns daran starben, brachte mich auf den Gedanken, ob vielleicht Schimmelpilze in dem feuchten Haus die Ursache sind - denn die Ernährungssituation scheint ja einigermaßen gut zu sein. Und ein Kind, das sich mit solchen Symptomen herumschlägt, hat dann ja auch keine Abwehrkräfte gegen Infekte mehr.
Bei der Rede Bogesens auf diesem Fest hatte ich dann auch einen Durchhänger, gebe ich zu. Das war für mich die erste Länge des Buches.
Witzig - oder eher zynisch - ist die Stelle, wo er sagt, einmal im Monat komme ein Schiff, also könnten doch alle fast immer reisen, wohin sie wollten. Einmal im Monat ist also fast immer, aha. An dieser Stelle konnte ich allerdings nicht mehr schmunzeln. Hier bleibt einem das Lachen im Hals stecken. Wie denn reisen ohne Geld, und daß niemand welches hat, dafür hat genau Bogesen und kein anderer gesorgt.
Spannend fand ich, wie Salka am Ende von Kapitel 17 beim Nachhausekommen die trauernde Frau in der Kammer sieht.
"Sie hatte diese Frau noch nie gesehen. Sie sah sie auch später nie wieder." Ich frage mich, wer diese Frau wohl war. Eine Klagefrau? Eine Vision? (Die Isländer glauben doch an Elfen und dergleichen Wesen.) Oder war es Sigurlina oder Steinunn, durch die Trauer so verändert, daß sie Salka fremd erscheint?
Jetzt zu Jukki. Anfangs dachte ich, er ist einfach nur schüchtern und unbeholfen.
Daß die Hochzeit dann zunächst wegen Sigurlinnis Tod verschoben werden muß
Nein. Die Hochzeit wurde wegen Sigurlinnis Krankheit verschoben. Sein Tod hat ja im Gegenteil den Weg für die Hochzeit freigemacht.
Vermutlich wollte Jukki sich nicht mit einem kranken Kind belasten, das nicht seins ist, aber den Großteil der Zeit und Kraft seiner neuen Frau beansprucht, und evtl. noch eine Infektionsgefahr darstellt. Netter Mann, dieser Jukki.
Daß Steinthor gerade mal zehn Tage nach Sigurlinnis Tod auftaucht, halte ich für keinen Zufall. Und daß Sigurlina dann ausgerechnet in ihrer Trauer von den beiden Bewerbern bedrängt wird, ist auch alles andere als einfühlsam von beiden. Daß sie sich am Ende gegen beide entscheidet (wobei ja Steinthor sie vermutlich weiterhin bedrängen wird

), ist folgerichtig. Jukki erweist sich denn ja auch als sehr kleinlich und unbarmherzig, als er Sigurlina, die eben ihr Kind verloren hat, nicht mal das Kleid gönnt.
Ich muß es von einem Autor auch nicht in allen Details erklärt bekommen, aber ich will wenigstens in der Lage sein, begründete Mutmaßungen anzustellen. Und das kann ich hier einfach nicht. Ich sollte wahrscheinlich nicht nach Island auswandern, das könnte ein grundsätzliches Mentalitätsproblem sein 
Ich weiß nicht, ob das die isländische Mentalität ist. Ist das denn bei anderen isländischen Autoren auch so? Ich kenne nur die Krimis von Arnaldur Indriðason als Vergleich, und da verhalten sich eigentlich alle ziemlich begründet...
Ich denke auch, Laxness spielt ganz gewaltig mit dem Erwartungen seiner Leser und durchbricht und enttäuscht diese bewußt immer wieder. Er stellt absichtlich Gewohntes in Frage. Mir gefällt das. Es bringt mich auch dazu, eigene Schlußfolgerungen zu hinterfragen. Beispielsweise denke ich (wie am Anfang des Buches) "aha, Steinthor ist das Rauhbein mit dem edlen Kern", und später stellt sich heraus, daß es nicht so ist, dann frage ich mich: wie kam ich eigentlich darauf, das zu denken?
Und dennoch malt Laxness nicht schwarz-weiß. Ich finde, die Personen seiner Geschichten sind fehlbar, aber sie sind menschlich.