So, dann will ich mal weiter machen mit der Reise durch die Hölle.
Hölle - 9. GesangAm Ende des 8. Gesangs standen Virgil und Dante vor den verschlossenen Türen der Stadt Dis und haben auf Unterstützung gewartet, die ihnen die Tore öffnen soll. Diese Unterstützung kommt in Form eines Engels heran, aber ehe er ankommt, fragt Dante Virgil, ob vor ihnen schonmal jemand aus dem ersten Höllenkreis hier herab gekommen ist. Virigil gibt zu, dass er den Weg kennt, weil er kurz nach seiner Ankunft in der Hölle von der thessalischen Zauberin
Erichtho bis in den untersten Höllenkreis geschickt wurde, um dort eine Seele zurück zu holen. Hier bezieht sich Dante wohl auf den 6. Gesang der
Pharsalia von Lukan, wo Erichtho einen toten Soldaten wiederbelebt hat, um Sextus Pompejus den Ausgang der Schlacht bei Pharsalus zu verkünden. Anscheinend war also Virgil derjenige, der die Seele des Soldaten holen musste.
Während Virigil noch erzählt, wird Dante von den drei Furien, den antiken Rachegöttinnen
Erinnyen, abgelenkt. Diese rufen nach Medusa, der jüngsten der Gorgonen rufen, die Virgil mit ihrem Blick versteinern soll. Gleichzeitig wendet sich Dante ab und bedeckt seine Augen mit den Händen, um sich zu schützen. Als der Engel sich endlich genähert hat und die Tore der Stadt Dis öffnet, darf Dante die Hände von seinen Augen nehmen und den göttlichen Einfluss aufnehmen. Die Allegorie, dass die Vernunft (Dante) nicht allein mit der verderbten Bosheit (Erinnyen) fertig wird, sondern erst der göttliche Einfluss (Anwesenheit des Engels) die Zweifel abwendet (Hände vor den Augen wegnimmt) - darauf wäre ich allein nicht mal annähernd gekommen.
In der Stadt selbst sieht Dante viele Gräber, die ihn an die gräberreichen Gegenden bei Arles und am Quarnaro erinnerten. In den offenen, glühenden Särgen selbst stecken die Seelen von "Irrtumstiftern", die die Menschen vom rechten Weg weggelockt haben, und von ihren Jüngern - also quasi die Heiden und Ungläubigen.
Hölle - 10. GesangDante äußert den Wunsch, mit den "Bewohnern" eines der glühenden Särge zu sprechen und Virgil bringt ihn zu der Ecke, wo
Epikur und seine Anhänger sich befinden, die daran glauben, dass die Seele mit dem Körper gemeinsam stirbt und nicht unsterblich ist.
Dort wird Dante von Farinata degli Uberti angesprochen, dem Anführer der Ghibellinen, zu denen auch Dantes Familie gehört hat. Erst ist Farinata wegen Dantes adliger Abstammung misstrauisch, weil ihn das eher zu einem Feind der Ghibellinen macht, aber dann werden die beiden von Cavalcante Cavalcanti unterbrochen, dem Vater von Dantes bestem Freund Guido Cavalcanti. Dieser will wissen, wo sein Sohn ist und warum er Dante nicht begleitet. Dante meint, dass er nicht dazu bereit sei, weil er die klassische Dichtung (Virgil) nicht schätzt und dass er nicht so bußfertig war wie Dante, zögert aber dann, es dem Vater so ins Gesicht zu sagen. Dieser denkt, dass sein Sohn tot sei und zieht sich zurück. Dante nimmt das unterbrochene Gespräch mit Farinata wieder auf, der ihm prophezeit, dass binnen 50 Monaten (
Proserpina ist die Göttin des Mondes und Gattin Plutos) Dante erfahren wird, wie es um seinen Wunsch steht, aus der Verbannung zurück in seine Heimatstadt Florenz kommen zu können. Da die Jenseitsreise am 8. April 1300 stattfand, bezieht sich Dante auf die Ereignisse vom 8. Juni 1304, als der Versuch einer Aussöhnung zwischen Ghibellinen und Guelfen endgültig scheiterte.
Im Folgenden finden als Ketzer, die in den glühenden Särgen liegen, auch noch Friedrich II. und Kardinal Ottaviano degli Ubaldini Erwähnung, die beide im Ruf von ketzerischen Gedanken standen.
Angesichts der begrenzten Fähigkeiten der Ketzer, in die Zukunft sehen zu können, ist Dante über seine eigene Zukunft beunruhigt, aber Virgil verweist am Ende des Gesangs darauf, dass Dantes geliebte Beatrice ihn im Paradies erwarten und ihn seinen weiteren Lebensweg offenlegen wird.
Hölle - 11. GesangVirgil und Dante sind immer noch auf dem Weg zur unteren Hölle, also noch im 6. Höllenkreis. Die beiden machen eine Rast, um sich an den Gestank der unteren Hölle zu gewöhnen. Dabei erklärt Virgil Dante die Aufteilung der Hölle und bezieht sich auf Aristoteles
Sittenlehre - manche Sünden wiegen halt schwerer als andere und während beispielsweise die Verschwender im 4. Höllenkreis ihr Hab und Gut nur falsch verteilt haben, haben die Sünder aus Zeile 44 ihr Eigentum in unsinnigen Ausgaben vergeudet und stehen damit mit den Selbstmördern auf einer Stufe, die zwar nicht ihr Eigentum, aber ihr Leben vergeudet haben. So ganz ist mir das allerdings nicht logisch. Wie kann etwas Materielles genauso bedeutend sein wie das eigene Leben? Geld und Besitz kann man mit etwas gutem Willen neu anhäufen, aber wenn man tot ist, ist man unwiderruflich tot.

Am Ende des Gesangs erfolgt noch ein Hinweis anhand der sichtbaren Sternbilder, dass es etwa 3 Uhr nach Mitternacht ist.
Und damit geht's jetzt auf in den nächsten Abschnitt, wo es dann hoffentlich endlich in die untere Hölle geht. Ich bin gespannt, wen Dante dorthin verbannt hat.
