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Autor Thema: [Nautik] C. S. Forester – Leutnant Hornblower (Hornblower 2)  (Gelesen 2125 mal)

Aldawen

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Re: C. S. Forester – Leutnant Hornblower
« Antwort #30 am: 17. April 2010, 21:29:25 »

Und Hornblower ist wieder ein Stück weiter gekommen  :klatschen:

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Ob er weiter gekommen ist, das muß man erst noch sehen.

Mit den Rangstufen, das ist in der Tat ein bißchen schwierig. Im 18. Jh. wurde für Schiffe, die zu klein waren, um einen „richtigen“ Kapitän (Vollkapitän = Post Captain) zu bekommen, aber zu groß waren, um nur von einem Leutnant geführt zu werden, die Aufgaben des Kapitäns und des Segelmeisters unter der Bezeichnung Master and Commander zusammengelegt. Sie wurden allerdings in vielerlei Hinsicht wie Kapitäne behandelt (Seite pfeifen beim Betreten und Verlassen des Schiffes und ähnliches Zeremoniell). In der zweiten Hälfte des 18. Jh. etablierte sich der Master and Commander als regulärer Rang zwischen dem Leutnant und dem Kapitän, darin dem Major des Heeres gleichgestellt. Die Bezeichnung wurde zu Commander verkürzt. Eine wie auch immer geartete „automatische“ Beförderung zum Kapitän war damit noch nicht gegeben, im Gegenteil gab es sehr viel mehr Commander als Schiffe entsprechender Größe (nicht klassifizierte Schiffe), die sie hätten befehligen können, so daß Halbsold an Land ein verbreitetes Schicksal war. Man brauchte entweder Beziehungen oder sehr viel Glück, um vom Commander zum Post Captain aufzusteigen. Eine Fregatte, als Schiff fünften Ranges, bei kleiner Bauart auch mal sechsten Ranges, fuhr eigentlich immer unter einem Vollkapitän. Das gilt aber so für die Royal Navy jener Zeit, heute mag das (abgesehen von den anderen Schiffstypen) schon wieder anders aussehen, und die Kriegsmarine in anderen Ländern hat u. U. abweichende Bezeichnungen und Rangstufen, das läßt sich meist nicht eins-zu-eins übertragen.

Als die verschiedenen Schiffe aufeinandertrafen und Post überbrachten, war ich erst etwas verwirrt über die Nachrichten, die Truscott vorlas. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, von wo er sie abliest, bis ich nach nochmaligem Lesen merkte, dass es kein Blatt Papier war (was ja auch nie übergeben wurde) sondern er Zeichen vom anderen Schiff ablas. Was waren das für Zeichen? Schwarze Segel in bestimmter Anordnung, Anzahl, etc. ? Das war leider nicht genauer beschrieben, würde  mich aber sehr interessieren.

Das sind Flaggen bestimmer Farbe bzw. Musterung, die zur Übermittlung von Nachrichten eingesetzt werden. Als Einzelflaggen können sie quasi eine ganze Nachricht beinhalten. Grundsätzlich besteht so ein Flaggensatz aus einer Flagge pro Buchstaben, einer pro Ziffer und ein paar wenigen Sonderflaggen für besondere Zwecke wie Zeichenwiederholung. Damit werden Befehle gesteckt, die von den Signalgasten der anderen Schiffe abgelesen werden können. Ob sie auch richtig interpretiert werden können, hängt davon ab, ob das richtige Codebuch vorliegt, da schließlich mit dieser Methode keine ganzen Sätze in voller Pracht übermittelt werden können, sondern nur Kürzel. Und dann muß man halt wissen, wofür so ein Code steht. Der Signalgast muß das alles im Kopf haben, denn wenn er jedes Mal erst anfängt, das Codebuch durchzublättern, dann hat bei einem Manöver im Geschwader das Führungsschiff unter Umständen schon gewendet, während der Signalgast auf einem anderen Schiff noch sucht  :breitgrins:

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Re: C. S. Forester – Leutnant Hornblower
« Antwort #31 am: 19. April 2010, 12:28:16 »

Am Wochenende bin ich fertig geworden.

Der Signalgast muß das alles im Kopf haben, denn wenn er jedes Mal erst anfängt, das Codebuch durchzublättern, dann hat bei einem Manöver im Geschwader das Führungsschiff unter Umständen schon gewendet, während der Signalgast auf einem anderen Schiff noch sucht  :breitgrins:
:lachen:  Ein Handy für jeden wäre einfacher.  :zwinker:  Finde ich aber auf jeden Fall sehr interessant das Vorgehen.

Danke mal wieder für die verständlichen Infos  :winken:
 
Ob er weiter gekommen ist, das muß man erst noch sehen.
Ja, da war ich wohl etwas voreilig.  :sauer: Es ist aber echt bitter, wenn man darauf hoffen und auch noch froh darüber sein muss, dass es wieder Krieg gibt, nur damit man nicht am Ende hungrig auf der Straße sitzt. Besonders fies finde ich ja dabei,
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Sein Talent zum Kartenspiel aus dem ersten Buch hatte ich schon wieder vergessen. Leider habe ich keine Ahnung von Whist, aber trotzdem fand ich die Szenen sehr spannend. Mir ging es wie Bush, dass ich ganz gebannt zuschaute und immer hoffte, dass Hornblower Geld einstecken konnte anstatt es wegzugeben.
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Es ist ja schon fast gruselig, wie sehr er sich bei fast allem im Griff hat und mit keiner Mine verrät, wie es in ihm aussieht. Selbst die Erhöhung der Einsätze beim Spiel nahm  er hin, als wäre das ganz normal für ihn. Nur mit Frauen kennt er sich nicht so aus. Der arme Kerl stand ja ganz hilflos vor dem weinenden Mädchen. Ich kann mir gut vorstellen, dass er sich stattdessen weit weg auf einem vertrauten Schiff gewünscht hätte. Hier war dann Bush Reaktionsvermögen (bzw. seine Beine  :wegrenn:  :zwinker: ) schneller :breitgrins: Aber Bush ist in der Beziehung auch ein ganz schöner Klotz.  :rollen:

Meine abschließende Meinung:
Das Buch hat mir sehr gut gefallen  :klatschen: Nachdem man Hornblower im ersten Teil kennenlernen konnte, war er mir hier schon vertrauter und es machte sehr viel Spaß, ihn bei seinen Aktionen zu beobachten. Dies konnte man sehr gut durch Bushs Augen tun, denn aus dessen Sicht wurde erzählt, was den Vorteil hatte, dass man auch Bush so sehr gut kennenlernen konnte. So unterschiedlich die beiden sind, kann man doch nachempfinden, wie ihre Freundschaft immer enger werden kann. Allerdings bin ich sehr gespannt darauf, mal aus Hornblowers Sicht zu lesen oder zumindest mal dessen Gedanken mitzubekommen, denn er kann unheimlich gut seine Empfindungen hinter einer unbeteiligten Maske verbergen. Trotzdem, oder vielleicht auch gerade deshalb,  wurde sein Charakter beim Lesen sehr gut übermittelt.

Toll fand ich natürlich auch, dass die Geschichte hier fortlaufend war und nicht mehr nur kleine Episoden erzählt wurden. So war man irgendwie näher am Geschehen und ich hatte auch das Gefühl, der Autor hat sich mehr Zeit für Details genommen. Es gab einige ausführliche Beschreibungen zu Vorgängen (z. B. die Handhabung der Kanonen oder auch Erklärungen zu Hierarchien), die viel für das Verständnis beitrugen und für mich somit sehr interessant waren.

Die Geschichte war spannend, sehr interessant und hat mich sehr gut unterhalten. Hornblower gefällt mir immer besser und ich freue mich schon auf die nächste Geschichte mit ihm. :smile:

 4ratten  :marypipeshalbeprivatmaus:

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Re: C. S. Forester – Leutnant Hornblower
« Antwort #32 am: 19. April 2010, 12:51:35 »

:lachen:  Ein Handy für jeden wäre einfacher.  :zwinker:  Finde ich aber auf jeden Fall sehr interessant das Vorgehen.

Einfach wär's schon, aber wenn's das nicht gibt, dann muß man sich eben behelfen  :breitgrins:

Besonders fies finde ich ja dabei,
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Natürlich ist das fies. Aber Behörden, und letztlich ist die Navy mit der Admiralität ja nichts anderes, sind leider so gestrickt. Er hat mehr Geld bekommen, als seinem Rang zustand, und deshalb muß er es zurückzahlen. Ist ja heute mit den Zuverdienstgrenzen bei Hartz IV auch nicht viel anders ...

Sein Talent zum Kartenspiel aus dem ersten Buch hatte ich schon wieder vergessen. Leider habe ich keine Ahnung von Whist, aber trotzdem fand ich die Szenen sehr spannend.

Da bin ich dann auch wieder im Vorteil, ich habe nämlich mal Bridge gelernt, das aus dem Whist hervorgegangen ist. Daher kann ich in etwa nachvollziehen, was die Jungs da am Kartentisch treiben.

Selbst die Erhöhung der Einsätze beim Spiel nahm  er hin, als wäre das ganz normal für ihn.

Als jüngster und rangniedrigster Spieler am Tisch kann er nur hoffen, daß man auf ihn Rücksicht nimmt, Ansprüche stellen darf er nicht. Das ist bitter, aber das Beste, was Hornblower unter diesen Umständen bekommen kann. Zum Glück ist er ein sehr guter Whist-Spieler  :zwinker:

Nur mit Frauen kennt er sich nicht so aus. Der arme Kerl stand ja ganz hilflos vor dem weinenden Mädchen. Ich kann mir gut vorstellen, dass er sich stattdessen weit weg auf einem vertrauten Schiff gewünscht hätte. Hier war dann Bush Reaktionsvermögen (bzw. seine Beine  :wegrenn:  :zwinker: ) schneller :breitgrins: Aber Bush ist in der Beziehung auch ein ganz schöner Klotz.  :rollen:

Bush ist mit seiner Mutter und drei Schwestern aufgewachsen, daß er sich mit Frauen besser auskennt als der arme Horatio und auch mal etwas dickfelliger ist, überrascht da nicht  :breitgrins:

Allerdings bin ich sehr gespannt darauf, mal aus Hornblowers Sicht zu lesen oder zumindest mal dessen Gedanken mitzubekommen, denn er kann unheimlich gut seine Empfindungen hinter einer unbeteiligten Maske verbergen.

Kommt, soweit das bei einem so verschlossenen Menschen wie Hornblower möglich ist. Dann wirst Du ja sicher bald wieder in See stechen, mit Hornblower und der Hotspur  :smile:

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Re: C. S. Forester – Leutnant Hornblower
« Antwort #33 am: 19. April 2010, 14:42:17 »

Als jüngster und rangniedrigster Spieler am Tisch kann er nur hoffen, daß man auf ihn Rücksicht nimmt, Ansprüche stellen darf er nicht. Das ist bitter, aber das Beste, was Hornblower unter diesen Umständen bekommen kann. Zum Glück ist er ein sehr guter Whist-Spieler  :zwinker:
Heißt das auch, er muss durchspielen, solange die anderen wollen und er dürfte nicht aussteigen, wann es ihm gefällt?

Dann wirst Du ja sicher bald wieder in See stechen, mit Hornblower und der Hotspur  :smile:
Ganz bestimmt.  :smile:

Jetzt habe ich mich auch getraut, eure Spoiler zu lesen:
Weil ich aus anderen Communities weiß, daß das ein immer noch heiß diskutiertes Thema ist,
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Für mich war das auch immer völlig klar – mit gleichem Ergebnis.
Da schließe ich mich euch an. Das war für mich auch gleich klar und die andere Alternative finde ich auch total abwegig und zwar jetzt schon, obwohl ich erst zwei Bücher gelesen habe. Es würde überhaupt nicht zum Charakter passen, wie ich ihn jetzt kennengelernt habe. Auf die Idee kam ich auch überhaupt nicht.


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Re: C. S. Forester – Leutnant Hornblower
« Antwort #34 am: 19. April 2010, 15:05:57 »

Heißt das auch, er muss durchspielen, solange die anderen wollen und er dürfte nicht aussteigen, wann es ihm gefällt?

Genau das. Und das macht es ja so besonders schwierig, wenn die eiserne Reserve einmal angegriffen ist. Da ist unter Umständen schnell das Ende der Börse erreicht. Und Spielschulden sind Ehrenschulden ...

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Re: C. S. Forester – Leutnant Hornblower
« Antwort #35 am: 11. März 2012, 19:41:44 »

Weil ich aus anderen Communities weiß, daß das ein immer noch heiß diskutiertes Thema ist,
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Ganz klar, da bin ich absolut deiner Meinung - für mich wars nach beendeter Lektüre auch keine Frage.

Bevor ich hier meine Meinung poste, auch von mir noch ein Dank an Aldawen für die vielen interessanten Ausführungen in diesem Thread  :klatschen:

Inhalt:
Anfang des 19. Jahrhunderts. Das britische Kriegsschiff «HMS Renown» ist auf dem Weg in die Karibik, unterwegs mit geheimen Befehlen, die nur der paranoide Kapitän Swayer kennt. Dieser terrorisiert seine Mannschaft, indem er sie immer wieder der Verschwörung gegen ihn bezichtigt und für vermeintlich konspirative Treffen harte Strafen austeilt. Als der Kapitän nach einem Sturz ausser Gefecht gesetzt ist, müssen seine vier Leutnants das Kommando übernehmen. Buckland, der ranghöchste von ihnen, trägt von nun an die volle Verantwortung, was den entscheidungsschwachen Mann in manche Krise führt, zumal eine spanische Festung angegriffen werden soll.

Meine Meinung:
Dies ist der zweite Band um Horatio Hornblower, den ich mir zu Gemüte führe (nach Der Kapitän). Hier ist Hornblower noch Leutnant, und zwar der rangniedrigste. Eine Position über ihm ist William Bush, der später zu Hornblowers Freund und untergebenem wird. Besonders Bush wird in diesem Band viel Platz eingeräumt, die Geschichte wird aus seiner Perspektive erzählt und wurde ich als Leserin gleich doppelt verwöhnt, nämlich mit einer Aussensicht auf Hornblower und einer Innensicht auf Bush, der wie sein späterer Chef ein sehr symphatischer Charakter ist.

Hornblower stellt auch diesmal seine Intelligenz und sein strategisches Geschick unter Beweis. Erschwerend kommt für ihn diesmal dazu, dass er in der strengen Hierarchie der britischen Marine nicht einfach Vorschläge machen oder gar Befehle erteilen darf, da zum einen jeder Piep mit seinen Vorgesetzten abgestimmt sein muss und zum anderen die Lehrmeinung herrscht, dass der ranghöchste Offizier immer automatisch der ist, der alles am besten weiss und kann. Dass das in der Praxis natürlich nicht so ist, wissen wohl auch die Beteiligten, aber die Etikette muss auf jeden Fall gewahrt werden. Und so braucht Hornblower auch immer wieder eine Strategie, um seine Strategien bei seinen Vorgesetzten durchzubringen. Dabei geht er ebenso geschickt vor wie beim Kampf gegen die Spanier.

Auch dieses Abenteuer war wieder ein besonderer Lesegenuss. Auf den 238 Seiten passiert nicht viel mehr als man auf einer halben A4-Seite zusammenfassen könnte, aber es ist eben gut geschrieben. So sind auch detailreiche Beschreibungen von Segel- und Kampfmanövern nie langweilig und wenn ein Dialog mal etwas umständlich ist oder der Satz «Aye, aye, sir!» fast auf jeder Seite vorkommt, fällt das nicht negativ ins Gewicht. Im Gegenteil, dadurch wirken Handlungen und Dialoge sehr authentisch. Es war wieder mal eines der Bücher, in denen man richtig versinken kann.

Fazit:
Ich hatte beim Lesen fast das Gefühl, tatsächlich auf der Renown mitzusegeln. Es war eine fantastische Abenteuerreise und ich freue mich schon auf die nächste mit den Herren Hornblower und Bush.

9 von 10 Punkten
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Wer anderen folgt, wird nie zuerst ankommen.