Mir hat auch dieser Abschnitt wieder sehr gut gefallen, wenn mir auch die Zeitsprünge zu groß sind. Kaum ist Younes noch 13, dann auf einmal 17 und im nächsten Kapitel 20. Die Erzählung ist fokussiert auf wenige Ereignisse, viele Hintergründe erfährt man gar nicht. Zum Beispiel weiß man nicht, ob Younes immer noch zur Schule geht, oder was er sonst den ganzen Tag macht (außer seine Freunde treffen), oder habe ich in der Hinsicht etwas überlesen?
Dass Younes irgendwie zwischen zwei Welten steht, ist jetzt schon öfter deutlich geworden. Inzwischen ist ihm das wohl auch selbst klar, aber als seine Jugendliebe Isabelle mit ihm Schluss gemacht hat, weil er ein Araber ist, war ihm der Unterschied wohl noch nicht so klar. Der bisherige Höhepunkt dieser Zerrissenheit ist ganz klar erreicht, als er den Diener Djelloul nach Hause begleitet und sieht, in welchem Elend Menschen wie er eigentlich leben.
Younes' "Beziehung" zu Madame Cazenave hat mich etwas überrascht, ich hatte ihn nicht so eingeschätzt, als würde er sich sofort auf eine ältere, alleinstehende Dame einlassen. Mir war gleich klar, dass diese Frau sich nicht in einen 17jährigen verliebt, sondern nur ein kleines Abenteuer sucht. Younes musste diese Erfahrung erst schmerzlich machen, traurig, wie er ihr so "hinterhergelaufen" ist.
Es zieht ihn immer wieder zurück in das Armenviertel von Onan und die Begegnung mit der Mutter ist noch hoffnungsloser als die Begegnungen vorher: krank, fast am Ende, klammert sie sich immer noch an die Hoffnung, Issa könne eines Tages als reicher Mann wieder kommen. Was wohl aus ihr geworden sein mag. Ich hoffe, wir erfahren das noch.
Ich befürchte fast, wir werden nicht erfahren, was aus der Mutter geworden ist. Younes hat ja schon selbst gesagt, dass die eine Begegnung das letzte Mal war, dass er seine Mutter begegnet ist und ich kann mir nicht vorstellen wie er in so einer Stadt jemals wieder von ihr hören sollte, wo sie doch eine arme, alleinstehende Frau ist. Da müsste schon der Zufall seine Finger im Spiel haben.
Mit der Gesundheit des Onkels steht es nicht gut; er unterhält sich mit Personen, die nicht da sind. Ist die Schizophrenie auf den Gefängnisauffenthalt zurück zu führen, oder wäre die Krankheit sowieso irgendwann ausgebrochen? Kann man Younes' Vision von seinem Vater auch als beginnende Geisteskrankheit deuten oder hat ihm da einfach nur seine Sehnsucht einen Streich gespielt? Das kann ich mir nicht so recht erklären. Was meint Ihr denn dazu?
Ich habe das Verhalten, bzw. die Krankheit des Onkels schon auf seinen Gefängnisaufenthalt zurückgeführt, allerdings kann es auch gut sein, dass diese Krankheit schon länger in ihm steckte und diese Woche im Gefängnis dann nur der Auslöser war. Ich finde es sehr traurig, kurz meint man ja, der Onkel wäre auf dem Weg zur Besserung, er nimmt am gemeinsamen Essen teil und unterhält sich sogar wieder mit seiner Frau, aber dann fängt er auf einmal an, mit imaginären Personen zu sprechen.
Dass Younes seinen Vater zu sehen glaubt, würde ich nicht als Geisteskrankheit einordnen. Ich denke eher, dass er sich so sehr wünscht, seinen Vater wiederzusehen, dass er dann wirklich anfängt, ihn in jeder Menschenmenge zu entdecken.