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Autor Thema: England im 19. Jahrhundert  (Gelesen 4597 mal)

Liafu

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England im 19. Jahrhundert
« am: 16. März 2010, 11:28:32 »

Da ich zum einen immer an Buchtipps zu diesem Thema (und speziell zum Viktorianischen England/London) interessiert bin und zum anderen gerade für die Uni verschiedene Bücher dazu lese, zu denen ich mir allerdings keine ausführlicheren Rezis zutraue und für die ich somit keine einzelnen Threads eröffnen möchte, dachte ich, ich eröffne stattdessen einen Sammel-Thread.

___________________________________


Gelesen habe ich bisher:


Liza Picard - Victorian London: The Life of a City 1840-1870
Das ist das erste Buch, das ich zum Thema viktorianisches England gelesen habe, sodass ich hier natürlich noch keinen direkten Vergleichsmöglichkeiten hatte. Wie der Untertitel schon verrät, behandelt das Buch nur die Zeit bis 1870, was ich zwar etwas schade finde, aber das ist dann auch schon alles, was ich an diesem Buch auszusetzen habe. Es liest sich sehr locker und unterhaltsam, absolut nicht trocken, ein wenig so, als säße man der Autorin gegenüber und höre ihr zu, ohne dass es deshalb zu oberflächlich würde. Im Gegenteil. "Victorian London" zeichnet ein sehr lebendiges, vielschichtiges Bild von Stadt und Gesellschaft. Es lässt sich dabei gut am Stück lesen, ist jedoch auch so gegliedert, dass man sich auch ohne weiteres einzelne Kapitel herauspicken kann. Sehr schön ergänzt wird das ganze durch teils farbige, teils schwarz-weiße Illustrationen und Photos (die man vielleicht etwas günstiger hätte anordnen können, aber das ist nich weiter störend). Insgesamt habe ich das Gefühl, mit diesem Buch einen sehr guten Einstieg zum Thema erwischt zu haben.


Daniel Pool - What Jane Austen Ate and Charles Dickens Knew: From Fox Hunting to Whist - the Facts of Daily Life in 19th-Century-England.
Daniel Pool hat, was mir, da ich das Buch gekauft habe, ohne mich vorher groß darüber zu informieren, nicht ganz klar war, einen etwas anderen Ansatz: Er wendet sich gezielt an Leser von Romanen aus dem 19. Jahrhundert, die endlich mal verstehen wollen, was für die damaligen Leser selbstverständlich war, dem Leser von heute aber manchmal Rätsel aufgibt. Wie viel Shilling sind ein Sovereign? Wie spricht man welchen Adeligen an? Wie lief ein Ball ab? Wie unterscheiden sich all die verschiedenen Bediensteten? Wie konnte man sich scheiden lassen? etc. Dabei teilt sich das Buch in einen Bereich, in dem die verschieden Themen kapitelweise ausführlicher dargestellt werden und ein Glossar, in dem man von "antimacassar" bis "yellow fever" schnell viele Begriffe nachschlagen kann, über die man beim Lesen Brontë oder Dickens vielleicht stolpert. Und diese beiden Autoren sind dann auch zwei von denen, die Pool im Laufe des Buches besonders oft zitiert - denn er führt zur Illustration seiner Erklärungen immer wieder Zitate aus Romanen an. Es sind auch ein paar schwarz-weiß Illustrationen enthalten, die zwar ganz dekorativ, aber imo nicht weiter wichtig sind. Insgesamt  war "What Jane Austen Ate" für mich gerade nicht ganz das richtige, aber trotzdem alles andere als uninteressant und für die Zielgruppe ist es bestimmt eine Empfehlung wert.


Ronald Pearsall - Night's Black Angels: The Forms and Faces of Victorian Cruelty (Nur noch gebraucht erhältlich)
Nun, der Titel sagt es ja schon. Dieses Buch beleuchtet speziell die dunkleren Seiten des viktorianischen Englands: Häusliche Gewalt, Tierquälerei, Menschenhandel, Das Militär, Gefängnisse... Für mich war es eine sehr interessante Ergänzung zu den anderen, allgemeiner gehaltenen Büchern, auch wenn man stellenweise vielleicht merkt, dass es mittlerweile schon über 30 Jahre alt ist.



« Letzte Änderung: 11. April 2010, 17:51:19 von Liafu »
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Susan

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Re: England im 19. Jahrhundert
« Antwort #1 am: 20. März 2010, 16:51:42 »

Mir gefielen:



und


 und auch

(wenn Du studierst: Das gibt es bestimmt auch in er UB)

.

LG von
Susan
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Aldawen

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Re: England im 19. Jahrhundert
« Antwort #2 am: 20. März 2010, 17:26:54 »

Mir gefielen:

Sind bestimmt tolle Tips und deshalb wäre es schön, wenn Du immer auch Autor und Titel noch dazuschreiben würdest. Leute, die mit Textbrowsern unterwegs sind, und Menschen mit Sehbehinderungen, die Webseiten von spezialisierter Software vorgelesen bekommen, können nämlich mit den amazon-Links gar nichts anfangen. Danke!

Schönen Gruß,
Aldawen
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Kinywa ni jumba la maneno.
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Madicken

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Re: England im 19. Jahrhundert
« Antwort #3 am: 20. März 2010, 17:47:41 »

@ Liafu

Danke für die Rezi (und für den Thread), für mich klingt das Buch sehr interessant.
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sie bessert und tröstet sie.

:lesen:
Tolkien: Die zwei Türme

Liafu

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Re: England im 19. Jahrhundert
« Antwort #4 am: 29. März 2010, 21:52:58 »

@Susan: Danke für die Tipps. :)


Ich habe gerade folgendes ausgelesen:

(Auch nur noch antiquarisch zu bekommen.)
Kellow Chesney - The Victorian Underworld
Wie der Titel schon sagt, gibt das Buch einen Überblick zu den verschiedenen Bereichen der viktorianischen "Unterwelt" - Prostituierte, Fahrendes Volk, Einbrecher, Bettler, Wetten, Slums... Dazu verschiedene Schwarz-Weiß-Illustrationen. Auf jeden Fall ein interessantes Thema, allerdings hatte ich teilweise Schwierigkeiten, mich auf das Gelesene zu konzentrieren - bin mir nicht sicher, ob's an mir lag, oder am Buch.
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Machandel

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Re: England im 19. Jahrhundert
« Antwort #5 am: 30. März 2010, 16:02:10 »

Mir gefiel als Einleitung zu den schwereren Brocken ja "The Time Traveller's Guide to Victorian London" von Natasha Narayan  :breitgrins:



Das ist ein ziemlich flaches (vom Format!) Büchlein, vormerklich an Kinder gerichtet, und es macht wirklich Spaß darin zu lesen, Stichworte aufzuschnappen udn die dann intensiver zu recherchieren.
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Liafu

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Re: England im 19. Jahrhundert
« Antwort #6 am: 11. April 2010, 18:12:08 »


Henry Mayhew and Others - The London Underworld in the Victorian Period: Authentic First-Person Accounts by Beggars, Thieves and Prostitutes
Hier handelt es sich im Gegensatz zu den bisherigen Büchern um eines, dss während des 19. Jahrhunderts entstand, geschrieben/herausgegeben von einem Englischen Journalisten. Genauer gesagt handelt es sich hier um einen Teil des vier Bände umfassenden "London Labour and the London Poor". Ich fand es interessant, mal das Buch zu lesen, auf das sich fast alle anderen, die ich bisher gelesen habe, zu irgendeinem Zeitpunkt beziehen (und auf dem das von Chesney quasi komplett basiert). Es lässt sich insgesamt flüssiger lesen, als erwartet, ist dabei aber im Ton auch nicht unbedingt um völlige Neutralität bemüht. Ich würde es nach der Lektüre von ein oder zwei anderen Sachbüchern zum Thema empfehlen, damit man das gelesene etwas besser einordnen kann.

Eine Auswahl von Mayhews Werken gibt es, antiquarisch, auch auf Deutsch:
« Letzte Änderung: 19. April 2010, 18:11:27 von Liafu »
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Mrs.Dalloway

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Re: England im 19. Jahrhundert
« Antwort #7 am: 12. April 2010, 01:30:54 »

Oh! Den Thread sehe ich ja erst jetzt. Ich hatte dieses Wochenende an der Uni ein dreitägiges Seminar zum Thema Neo-Viktorianismus und zähle einfach mal auf, welche Bücher darin besonders hervorgehoben wurden. Gelesen hab ich sie selbst alle noch nicht, aber sie klangen alle ziemlich interessant.

Da gibt es zum einen die viktorianischen Bücher von Sarah Waters, bei denen der Fokus sehr auf viktorianischen Frauenrollen und vor allem auf lesbischen Beziehungen und unterdrückter Sexualität liegt:

Selinas Geister (Original: Affinity)


Fingersmith (Hab keine deutsche Übersetzung finden können)


Tipping the Velvet

Dann wurde häufig erwähnt:


John Fowles - Die Geliebte des Französischen Leutnants (Original: The French Lieutenant's Woman). Das Buch zeichnet sich vor allen dadurch aus, dass es mehrere Enden hat und der Leser sich sein Lieblingsende wählen kann.


Colm Tóibín - Porträt des Meisters in mittleren Jahren (Original: The Master). Das ist die fiktive Biographie von Henry James, in der es auch darum geht, dass er seine Homosexualität im viktorianischen England nicht ausleben kann.

Das waren so die grundlegendsten neoviktorianischen Werke, aber mir fallen bestimmt noch ein paar mehr ein.  :winken:
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illy

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Re: England im 19. Jahrhundert
« Antwort #8 am: 12. April 2010, 05:35:57 »

Fingersmith müsste "Solange du lügst." sein.
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Aldawen

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Re: England im 19. Jahrhundert
« Antwort #9 am: 12. April 2010, 05:43:12 »

Fingersmith müsste "Solange du lügst." sein.

Müßte nicht nur, ist es. Jedenfalls behautet das auch die Deutsche Nationalbibliothek, und die sollten es wissen ...
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Mrs.Dalloway

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Re: England im 19. Jahrhundert
« Antwort #10 am: 12. April 2010, 09:47:46 »

Ah, danke für die Information!  :winken:
Ich war gestern Nacht, ehrlich gesagt, auch etwas zu faul zum Suchen.  :redface:
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zuckerwatte

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Re: England im 19. Jahrhundert
« Antwort #11 am: 12. April 2010, 11:08:27 »


Colm Tóibín - Porträt des Meisters in mittleren Jahren (Original: The Master). Das ist die fiktive Biographie von Henry James, in der es auch darum geht, dass er seine Homosexualität im viktorianischen England nicht ausleben kann.
das kann ich nur sehr empfehlen, hab es letztes jahr gelesen.
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HoldenCaulfield

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Re: England im 19. Jahrhundert
« Antwort #12 am: 12. April 2010, 11:11:07 »

@Aldawen
Ist es auf jedenfall^^ Ich hab das Buch vor ein paar Jahren gelesen^^

Tipping the Velvet ist übrigens Die Muschelöffnerin. :winken:
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"[...] wir sind hier alle verrückt. Ich bin verrückt, du bist verrückt" *L.Carroll*

Mein Interview mit Gail Carriger :elch:
Sonnenschirm

Liafu

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Re: England im 19. Jahrhundert
« Antwort #13 am: 13. April 2010, 13:16:30 »


Sarah Rutherford - The Victorian Asylum
Hier handelt es sich um ein nur ca. 50 Seiten dünnes, mit vielen Fotos und anderen Illustrationen versehenes Büchlein. Eine sehr in die Tiefe gehende Behandlung des Themas ist auf so wenigen Seiten natürlich nicht möglich, aber als erster, schneller Überblick gefällt es mir sehr gut.
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Liafu

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Re: England im 19. Jahrhundert
« Antwort #14 am: 19. April 2010, 15:47:13 »


Ronald Pearsall - The Table-Rappers: The Victorians and the Occult

Seancen, Hellsehen, Spukhäuser - dieses Buch beschreibt verschiedene paranormale Phänomene, die im viktorianischen England "in" waren, erklärt die Tricks, die angewandt wurden, um das das Publikum zu täuschen und die Art und Weise, wie kritischere Zeitgenossen versucht haben, Seancen & Co. zu untersuchen. Etwas irritiert hat mich der eher unkritische Umgang des Autors mit dem Thema Telepathie, aber ansonsten bietet das Buch einen interessanten, gut zu lesenden Überblick.
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