Christian Thanhäuser / Karl Markus Gauß „Die Donau hinab“


Von Anfang bis Zwiefalten
Von A bis Z, von Anfang bis Zwiefalten über Istanbul und Erwin Riess fährt Karl Markus Gauß die Donau hinab. Nicht wie ein gewöhnlicher Reisender per Schiff, Auto, Fahrrad oder gar zu Fuß, sondern mittels Geschichten, Schicksalen, Erinnerungen nimmt er den Leser mit auf die Reise vom Schwarzwald, wo die Donau entspringt bis hin zum Leuchtturm von Sulina, wo sie im Schwarzen Meer zur Ruhe kommt. Es sind 2888 km voller Zuversicht und Verzweiflung, voller Trauer und Freude, voller Gegensätze, die größer nicht sein könnten, es ist das Band zwischen Okzident und Orient, zwischen Rückstand und Fortschritt, zwischen dem Heute und der Welt von gestern. Die Donau hat in ihrem hohen Alter eine Menge Geschichten zu erzählen, die stellvertretend für Abertausende stehen.
Der Donauschwabe Karl Markus Gauß zeigt dem Leser in nur kurzen Absätzen von allem ein bißchen und gibt einen wunderbaren Einblick in die bunte Besiedelung der Donauufer. Ihr Weg durch etliche Vielvölkerstaaten, sowohl durch die alte, angestaubte k.u.k. Monarchie, als auch durch das bunte, lebendige Treiben des Orients lässt sie in ihrer historischen Entwicklung nicht unberührt, was der Autor mit wenigen, einfachen Worten sehr gut verdeutlicht. Dieser Fluss hat viele Menschen beeinflusst, viele Wandlungen durchgemacht und es ist erstaunlich, wie der Autor auf so wenigen Seiten einen dermaßen vielfältigen Eindruck geben kann, der Lust auf mehr macht. Dieses Buch kann man kaum einfach weglegen ohne nicht den Drang zu verspüren, mehr über die Donau, ihre Windungen und ihre Völker zu erfahren.
Begleitet wird die Reise auf dem Fluss von Zeichnungen und Holzschnitten des Künstlers Christian Thanhäuser, die sehr zahlreich in dem Buch enthalten sind. Wenn auch viele auf den ersten Blick einem Laien ähnlich erscheinen mögen, so wird man mit dem zweiten Blick feststellen, dass sie die Donau sehr vielfältig wiedergeben. Dichte Besiedelung, unbelebte Natur, ruhige Wasser, wilde Stromschnellen, kantige Felsen, satte Auen, Fischerboote und Kirchtürme – all das wird in den Zeichnungen mit wenigen Linien und Punkten eindringlich dargestellt.
Ich empfehle dieses Buch gerne und mit gutem Gewissen weiter an alle Donauinteressierten und die, die es noch werden wollen, wobei ich anmerke, dass darin mehr Zeichnungen als Text enthalten sind, was womöglich nicht nach jedermann Geschmack ist.
