Victor Lodato - Mathilda Savitch
Vor einem Jahr wurde Mathildas Schwester Helene ermordet. Von jemandem vor den Zug gestossen.
Jetzt, ein Jahr danach ist nichts mehr, wie es einmal war, Ma, Pa und auch Mathilda haben sich verändert. Und während sich der Nachbarsjunge Kevin die Haare blau färbt, Ma langsam zum Tier mutiert und Flugzeuge in die Türme rasen, macht Mathilda sich daran, herauszufinden, wer Louis ist und ob er es war, der Helene ermordet hat.
Es ist nicht einfach, dieses Buch zu rezensieren. Es wird viel erzählt, jedoch viel auch nur angedeutet und Mathilda springt in ihrer Erzählung immer wieder in der Zeit herum.
Aus dieser leicht verwirrenden Erzählsicht offenbart sich uns ein modernes Drama, den eine Familie nach dem Verlust einer Tochter heimsucht. Niemand in der Familie ist über den tragischen Tod Helenes hinweg gekommen und niemand hat das Erlebnis verarbeitet. Neben dem Verlust ihrer geliebten grossen Schwester leidet Mathilda auch unter der mangelnden Aufmerksamkeit der Eltern, die seit dem Tod der älteren Schwester immer mehr in ihre eigene Trauer abgleiten.
Das ist zwar einfach geschrieben, doch dennoch keine leichte Kost, des Öfteren musste ich schlucken. Mathilda steckt am Anfang der Pubertät und muss mit allem gleichzeitig fertig werden. Sie ist ein besonderer Charakter, dessen Handlungen zwar nicht immer nahvollziehbar sind, den man jedoch trotzdem mögen muss.
Das Buch geht einem sehr nahe. Auch da es eine Tragödie beschreibt, die jede Familie treffen kann. Hinter den einfachen Sätzen steckt viel Tiefsinn und viel Psychologie. Wer sich für die menschliche Psyche interessiert und selber gerne Teile und Andeutungen zusammensetzt, sollte das Buch lesen.
Für Leute, die nah am Wasser gebaut sind, ist das Buch weniger geeignet, da die Tragik der einzelnen Personen, vor allem diejenige von Mathilda, einem sehr nahe gehen und den Leser mit einem beklommenen Gefühl in der Herzgegend zurücklassen.


