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Autor Thema: Jörg Maurer "Hochsaison"  (Gelesen 557 mal)

Sternchen28

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Jörg Maurer "Hochsaison"
« am: 13. März 2010, 18:46:39 »

Mal wieder ein Buch von Vorablesen und hier meine Meinung dazu:

Jörg Maurer "Hochsaison"


Inhaltsangabe:
Beim Neujahrsspringen in einem alpenländischen Kurort stürzt ein Skispringer schwer und das, wo Olympia-Funktionäre zur Vergabe zukünftiger Winterspiele zuschauen. Wurde der Springer etwa beschossen? Kommissar Jennerwein ermittelt bei Schützenvereinen und Olympia-Konkurrenten. Als ausgerechnet in einem Gipfelbuch per Bekennerbrief weitere Anschläge angedroht werden, kocht die Empörung im Ort hoch: Jennerwein muss den Täter fassen, sonst ist die Hochsaison in Gefahr

Meine Meinung:
Der erste Eindruck beim einen Buch, beim Buchkauf, ist immer wichtig und so achte ich gern auch auf das Cover eines Buches, den Aufbau und den Klappentext. Hier hat mich das Coverbild angezogen – passend zum Thema und daher sehr stimmig. Der Klappentext macht Lust darauf, mehr zu erfahren. Und die Gestaltung des Buches gefällt mir auch sehr gut. Zum einen zieht sich das Motiv bzw. ein Ausschnitt des Motives – nämlich der Kuhkopf, durch alle Kapitel. Zum zweiten gefällt mir die Idee, Ausschnitte aus dem Duden zu bestimmten Wörtern mit einzufügen. Etwas, was ich bisher bei keinem weiteren Buch so gesehen habe.

Ein Alpenkrimi spielt – logischerweise – in den Alpen. Das ganze beginnt mit einem „Bekennerbrief“ eines eventuell-vielleicht-unddanndoch-Täters und geht dann gleich zum  Neujahrsspringen, wo ein dänischer Skispringer das erste – zufällige – Opfer wird. Was bei dem Buch mir absolut nicht gefallen hat, ist, das es zu viele Handlungsstränge gibt. Dadurch wird die ganze Geschichte viel zu unübersichtlich. Ein Übriges tun die durch die vielen Handlungsstränge bedingten Charaktere – auch hier logischerweise zu viele. Dadurch bleiben die Charaktere zu oberflächlich. Man lernt sie nicht allzu gut kennen, versteht die Hintergrunde nicht, die zur Tat führen.

Ein Buch, das viel versprochen hat, aber leider das nicht halten konnte. Daran ändern auch die berühmten Persönlichkeiten nichts. Und das Pierre Brice, in Kinder- und Jugendzeiten mein Lieblingsschauspieler, so arrogant, ichbezogen und als alternder abgehalfterer Star dargestellt wird, hat gleich einen dicken Minuspunkt nach sich gezogen.

Meine Wertung:  2ratten  :marypipeshalbeprivatmaus:
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Wer der Sonne entgegen wandert, läßt die Schatten hinter sich

Baerbeline

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Re: Jörg Maurer "Hochsaison"
« Antwort #1 am: 17. März 2010, 08:41:57 »

Jörg Maurers zweiter Alpenkrimi "Hochsaison" ist kein typischer Krimi. Wer Hochspannung von der ersten bis zur letzten Seite erwartet, wird enttäuscht und mit einem anderen Buch besser beraten sein. Wer einige Stunde vergnüglich unterhalten werden will, ist hier genau richtig.

Ein Bekennerschreiben für eine noch nicht begangene Tat eröffnet das Buch. Danach verunglückt ein dänischer Skispringer - Unfall oder Mordversuch? Nur der Hinweis eines örtlichen Gschaftlhuobers führt dazu, dass Kommissar Jennerwein mit seinem Team vor Ort die Ermittlungen aufnimmt. Und sie eigentlich gleich wieder abschließen will, doch dann kommt alles ganz anders...

Die zu Beginn vielen scheinbar unverbundenen Handlungsstränge fand ich anfangs verwirrend. Nach und nach lichtet sich das Chaos und man bekommt schnell eine Idee, wer hinter den Anschlägen steckt. Dennoch ist die Auflösung gut gelungen. Ich habe mich während des ganzen Buches gut unterhalten gefühlt. Es ist kein Krimi, den man nicht mehr aus der Hand legen möchte, wenn man ihn mal begonnen hat, dafür wird nicht genug Spannung aufgebaut. Er hat eher was bayrisch-gemütliches, die  humoristische Erzählweise sorgt so manches Mal für ein Schmunzeln und insgesamt kommt keine Langeweile auf.

Insgesamt kann ich mich durchaus dem Aufkleber auf dem Einband anschließen: Unbedingt lesen.

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Bettina

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Re: Jörg Maurer "Hochsaison"
« Antwort #2 am: 26. März 2010, 22:24:52 »

Wer wissen will, warum das Cover genau so lustig ist, wie es ist, muss bis fast zum Ende lesen, um die Erklärung zu finden. Es sei vorausgeschickt, dass das Durchhalten absolut kein Problem ist. Diese überdrehte Parodie kann man gar nicht aus der Hand legen; überdreht ist sie mehr als genug, aber so charmant und witzig, dass alles zusammen passt.

Doch von Anfang an: Kommissar Jennerwein wird zur Olympiaschanze gerufen. Während des Neujahrsspringens stürzt ein dänischer Springer mitten im Sprung regelrecht ab und kurz nach der Tat behauptet ein passionierter Jäger, dass er nach Zeitlupenanalyse des Sprungs sicher sei: Der Däne ist beschossen worden. Die Polizei geht dem Hinweis leider ergebnislos nach; statt einer Lösung bekommen sie es zunächst mit einem ominösen Bekennerschreiben zu tun, der dann von einem Anschlag auf eine Gruppe von Adventure-wütigen Managern getoppt wird. Jennerwein, die örtliche Polizei und eine handverlesene Truppe von Profilern und Spurenspezialisten jagen einen Täter, der sich ausgiebig über sie lustig zu machen scheint.

Was zu Beginn ganz harmlos anfängt, entpuppt sich schnell als ausgelassene Krimiparodie, die -ganz authentischer Alpenkrimi- in jedem Kapitel von der Coverkuh geziert wird. Nichts, was Jörg Maurer am Genre heilig ist und nichts, was nicht im Kakao landet. Da zeitgenössische Ermittler von ihrern Schöpfern stets mit einem Defekt irgendeiner Art versehen werden (ob nun leerer Kühlschrank oder zerrüttete Familie etc), bekommt Jennerwein freilich auch was ab, damit er nicht so alleine dasteht. Maurer greift in die Vollen und es scheint ein Wunder, dass Jennerwein noch ermitteln kann. Spurenspezialist Becker fährt ein Equipment auf, das selbst die Kollegen vom Fernsehen, namentlich die ganzen CSI-Teams, vor Neid erblassen lassen würde. Becker verfügt über einen Dummy, der sogar Skispringen kann. Wie außerordentlich nützlich!
Die regionalen Adventure-Touren protzen mit ungeheuer aufregenden Events: Winterbesteigungen in historischen Gewändern, Canyoning mit Steinzeitausrüstung - und je sinnfreier, desto bedeutender fallen sie natürlich für die Beurteilung von Teamfähigkeit, Kreativität, Durchsetzungskraft etc pp usw für die teilnehmenden Manger und angehenden Führungskräfte aus. Als Sahnehäubchen gibt Pierre Brice den Kini. Wenn das kein wahres Incentive ist!

Diese sprudelnde Phantasie zieht sich durch das gesamte Buch. Vom Motiv für die Untaten bis zur Besetzung der "Neben"rollen in Form von Promis und Superpromis, die die Events bevölkern. Selbst die Bayern müssen sich ein bisschen ärgern lassen, aber nicht zu sehr und auch mit liebevollem Augenzwinkern, damit Maurer seine Wohnung in Bayern behalten darf.

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Miramis

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Re: Jörg Maurer "Hochsaison"
« Antwort #3 am: 07. Juni 2010, 16:38:14 »

Meine Meinung:

Auch der zweite Alpenkrimi aus der Feder von Jörg Maurer hat mir sehr gut gefallen. Ein raffinierter Plot, eine kräftige Portion Lokalkolorit, schrullige Figuren und, das ist neu, der Duft der großen weiten Welt kennzeichnen diesen Kriminalroman aus Garmisch-Partenkirchen.

Für letzteres sorgt das Neujahrsspringen, das einen überregionalen Touch in die Geschichte bringt und das idyllische Alpenörtchen in ein Pflaster für Verbrecher von internationalem Rang verwandelt. Dabei geht es natürlich wieder bitterböse zu und die Promis von Weltrang bekommen allesamt ihr Fett ab – werden gleichzeitig aber auch, ohne etwas davon zu ahnen, Teil der Handlung. Sehr originell gemacht von Jörg Maurer!

Wer lieber auf altbekannte Gesichter trifft, der darf sich jetzt schon auf ein Wiedersehen mit Hubertus Jennerwein freuen, dem unauffälligen Hauptkommissar, dem der Autor gnadenhalber eine erstaunliche und seltene Macke angedichtet hat, die seine Arbeit als Kriminaler wesentlich beeinflusst. Aber auch andere beliebte Figuren aus dem Vorgängerband bekommen ihren Auftritt und mischen hier mit.

Interessant, wie sich hier zwei (oder mehr?) Kriminalfälle streifen und die Ermittler immer wieder vor Rätsel stellen; nur der Leser bekommt ab und zu mal einen mehr oder weniger deutlichen Hinweis auf die Lösung, weswegen ich sehr schnell zum Hobby-Profiler mutierte und einem der Täter prompt auf die Schliche kam. Dennoch ist die Geschichte so raffiniert verflochten, dass ich am Ende noch die eine oder andere Überraschung erleben konnte.

Die Würze des Buches liegt allerdings nicht nur in dem Fall an sich, sondern vor allem in der schwarzhumorigen, süffisant-bösen Art, wie hier mit dem Bayerntum umgegangen wird. Der Autor trifft mitten ins Herz der bajuwarischen Seele und macht vor nichts halt – nicht mal die Weißwurst ist ihm heilig...Dieser schräge Blick auf die bayerischen Befindlichkeiten hat mir sehr viel Spaß gemacht und mich ständig zum Lachen gebracht. Daneben gibt’s noch jede Menge weiterer Schmunzelfaktoren, zum Beispiel eine Eventagentur, bei der man Pierre Brice als König Ludwig II. erleben kann... das war für mich der Brüller schlechthin.

Trotz Figurenrecycling und identischem Ermittlerteam darf man „Hochsaison“ getrost als in sich abgeschlossenen, eigenständigen Kriminalroman betrachten, den man losgelöst vom Vorgängerband durchaus gut lesen kann. Sehr viel mehr Freude macht es allerdings, sich der Sogwirkung dieser Alpenkrimis hinzugeben und beide hintereinander in der passenden Reihefolge wegzulesen, so wie ich das gemacht habe. Mir bleibt nur zu sagen: bitte mehr davon!

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Arjuna

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Re: Jörg Maurer "Hochsaison"
« Antwort #4 am: 09. Februar 2011, 18:27:19 »

Ich lese Hochsaison gerade (S. 78) und bin etwas verwundert über die vielen guten Meinungen, weil ich am Überlegen bin das Buch abzubrechen. Bis jetzt finde ich es nämlich ziemlich anstrengend zu lesen, weil der Schreibstil so überladen wirkt/ist.
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Jean Anouilh

Spatzi79

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Re: Jörg Maurer "Hochsaison"
« Antwort #5 am: 09. Februar 2011, 18:30:29 »

Ich fand es auch nicht soo toll - den ersten Band fand ich noch sehr amüsant, aber beim zweiten hat der Autor meiner Meinung nach zu sehr übertrieben!
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Arjuna

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Re: Jörg Maurer "Hochsaison"
« Antwort #6 am: 09. Februar 2011, 18:42:37 »

Ich tue mich wirklich mit der Sprache schwer, die Sätze sind mit Adjektiven überladen und die Beschreibungen sollen wohl so bildreich wie möglich sein.
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Lilli33

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Re: Jörg Maurer "Hochsaison"
« Antwort #7 am: 25. August 2011, 18:06:09 »

Hochsaison im Werdenfelser Land

Vorweg: Dies ist der zweite Alpenkrimi mit Kommissar Hubertus Jennerwein. Er ist in sich abgeschlossen. Man muss den ersten also nicht gelesen haben, um dem Geschehen folgen zu können.

Die Handlung ist in einem Kurort im Werdenfelser Land (Garmisch-Partenkirchen) angesiedelt. Es beginnt mit dem Neujahrs-Skispringen. Winter ist dort logischerweise Hochsaison. Grob gesagt, teilt sich das Buch in zwei Handlungsstränge. Einmal schreibt ein Unbekannter schon im Voraus Bekennerbriefe an Kommissar Jennerwein. Die Täter des anderen Stranges kennt der Leser, der Kommissar jedoch nicht. Es werden mehrere mehr oder weniger schwere Verbrechen verübt. Die Polizei geht zunächst von einem Serientäter aus, der all diese Taten verübt hat und den sie den „Marder“ nennt. Witzig ist es, wie den Ermittlern kleine Fehler und Nachlässigkeiten unterlaufen, obwohl sie auf der richtigen Fährte sind, durch die Fehler aber in die Irre geleitet werden.

Anfangs verwirrten mich die vielen Personen und Schauplätze etwas, doch später fand ich den roten Faden in der Handlung. Von da an war es ein sehr schönes Lesevergnügen. Jörg Maurer hat hier einen heiteren Krimi geschaffen, der angefüllt ist mit Klischees aller Art und deshalb sehr humorvoll wirkt. Die bayerischen Ausdrücke bzw. Dialoge gefielen mir recht gut, das passte einfach. Es wurden immer wieder neue Verdächtige präsentiert, wobei ich den echten Marder dann schon relativ früh im Verdacht hatte. Aber da waren ja noch weitere Täter, die verfolgt werden wollten. So hielt sich die Spannung dann doch bis zum Schluss. Konsequent hat Maurer das Buch beendet, indem er alle angefangenen Sachverhalte zu einem schlüssigen Endpunkt geführt hat.

Sehr gut gefällt mir auch das Cover mit der Kuh, die aus dem Fenster schaut inmitten der für das Werdenfelser Land typischen Lüftlmalerei.
Mein Fazit: ein solider regionaler Krimi mit viel Humor

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