Alan Bennett – Ein Kräcker unterm KanapeeSechs Monologe

Klappentext:Sechs Menschen, sechs britisch-bizarre Schicksale: Da ist zunächst Graham, der weit über vierzig noch immer zu Hause bei seiner Mutter wohnt und gar nicht gut auf Mr. Turnbull zu sprechen ist, der Mama den Hof macht und ihr eine Hochzeitsreise auf die Kanarischen Inseln verspricht. Susan hingegen, Ehefrau des Vikars, schaut häufig mal zu tief ins Glas und verliebt sich in den indischen Gemüsehändler an der Ecke. Miss Ruddock zeigt uns, wie extensives Briefeschreiben dazu führen kann, dass man im Gefängnis landet, während die naive Mittdreißigerin Lesley von einem deutschen Filmproduzenten übers Ohr gehauen wird und die Hüllen fallen lässt. Muriel schließlich hat bis heute den Tod ihres Ehemanns nicht verwunden, ebenso wenig wie die hochbetagte Doris, die einen Kleinkrieg gegen ihre Putzfrau und Altenpflegerin führt und der ein Kräcker unterm Kanapee zum Verhängnis wird ...
Meine Meinung zum Buch:Die sechs Monologe wurden bereits 1987 für die BBC geschrieben und aufgezeichnet. Beeindruckend ist ihre bleibende Aktualität. Aber die Themen sind vermutlich auch noch in 20 Jahren wichtig. Alan Bennett erzählt Alltagsgeschichten und ich habe viele der beschriebenen Charaktere als Typen auch in meinem weiteren Umfeld wieder erkannt: da gibt es die über-engagierten Kirchengemeindefrauen, die neugierigen Nachbarn, die dominanten Mütter, die alleingelassenen Witwen und die starrköpfigen Alten. Bennett beschreibt diese Typen aber nicht klischeehaft, sondern so, dass sie sehr individuell erscheinen.
Bennett spart wie üblich nicht an sarkastischem Humor, das Lachen blieb mir manchmal wirklich im Halse stecken. Aber genau das mag ich an seinen Geschichten. Sie zeigen auf scheinbar humorvolle Weise den Alltag, doch dahinter lauert eben „der Schrecken des Alltags“.
Am meisten hat mir die Geschichte „Ein Bett zwischen Linsen“ gefallen: wie sich die alkoholabhängige Pfarrersfrau Susan mit den Kirchengemeindemitgliedern (sie nennt es „den Fanclub“) herumschlagen muss, das war zu köstlich beschrieben.
“Geoffrey ist schon schlimm genug, aber was bin ich froh, dass ich nicht mit Jesus verheiratet war. Die Lesung aus dem Evangelium drehte sich um diese Sache im Garten Gethsemane, wo Jesus betet und die Jünger ständig einschlafen. Er weckt sie auf und sagt: „Könnt ihr denn nicht eine Stunde mit mir wachen?“ Ganz meine Mutter.
Aber auch die fünf anderen Monologe waren sehr, sehr gut.
Ich gebe

Viele Grüße von Annabas
