
InhaltInés ist nur kurz schockiert, als sie in der Tasche ihres Mannes Ernesto eine Liebeserklärung einer anderen Frau findet. Denn schließlich wird jede Frau einmal von ihrem Mann betrogen, so ihre Ansicht. Doch natürlich sammelt sie weiterhin Hinweise auf die Untreue ihres Mannes. Eines Nachts verfolgt sie ihn sogar und muss dabei miterleben, wie ihr Mann seine Geliebte (unabsichtlich) umbringt. Inés schreckt das jedoch nicht. Überlegt beseitigt sie alle Beweise und steht komplett hinter ihrem Mann, verschafft ihm sogar ein Alibi. Doch dann taucht plötzlich eine weitere Geliebte auf ...
Erster SatzErnesto hatte damals schon über einen Monat nicht mehr mit mir geschlafen.Meine MeinungViel kann ich zu dem dünnen Buch (184 Seiten) nicht sagen, ohne zu viel zu verraten. Das Geschehen wird meistens aus der Sicht von Inés erzählt, man erfährt ihre Gefühle und Gedanken. Dabei bleibt sie bei allen noch so entsetzlichen Entdeckungen immer gelassen, handelt überlegt und systematisch. Im Zentrum ihres Denkens steht das Glück der Familie bzw. das Glück ihrer Ehe, welches sie mit allen Mitteln zu schützen versucht. Sie verzeiht ihrem Mann das Fremdgehen sofort, schon bevor er ihr davon erzählt. Sie verhilft ihm zu einem Alibi und beseitigt schwerwiegende Beweise, nur, um ihren Mann nicht zu verlieren. Denn sie ist davon überzeugt, dass Ernesto sie liebt und sich nur sexuell abreagieren muss, da ist doch nichts dabei, oder?
Dieser Sichtweise hänge ich eigentlich ganz und gar nicht an, trotzdem kann ich Inés` Handlungsweise irgendwie verstehen. Sie ist keine hohle Nuss, die denkt, Sex sei nur Sex, sie weiß sehr wohl, dass sich in einer Affäre auch tiefgehende Gefühle entwickeln können. Dies möchte sie natürlich verhindern, alles andere ist ihr egal. Solange Ernesto nur bei ihr bleibt. Diese Denkweise wird von der Autorin auch immer wieder gut begründet, so dass es mir fast schon natürlich vorkam, dass Inés reagiert, wie sie reagiert.
Interessant dabei ist, dass eigentlich nichts so ist, wie Inés es sich denkt. Aber da will ich natürlich nichts vorweg nehmen.
Auch über die Tochter des Ehepaars, Laura, erfährt man so einiges. Die Informationen erhält man jedoch nur über Telefongespräche, die diese meistens mit ihrer besten Freundin führt. Sie ist ungewollt schwanger, weiß nicht, was sie tun soll. Mit ihren Eltern will und kann sie nicht reden, die sind zu sehr mit ihren eigenen Problemen beschäftigt. Inés beschreibt ihre Tochter immer als launisch und verschlossen, wenn man Laura dann so zuhört, weiß man auch warum. Denn mitten in der Familie spielt sich weit tragischeres ab als das Fremdgehen des Mannes, leider bemerkt es nur niemand.
Es ist also kein reiner Krimi, eher ein Blick in eine Familie, in der jeder nur an sich denkt und dabei an allen anderen vorbei rauscht. Gut geschrieben, mir aber fast etwas zu kurz und zu gehetzt.

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