Charles Dickens – David Copperfield


Handlung:Im Mittelpunkt dieses Romans steht natürlich David Copperfield, mit dessen Geburt alles beginnt. Man sieht ihn aufwachsen, erfährt seinen Bildungsweg, Schicksalsschläge, die erste Verliebtheit und schließlich die Familiengründung.
Auf seinem Lebensweg begegnet David so einigen Hindernissen und Widrigkeiten – nicht zuletzt seinem Erzfeind Uriah Heep. Für mich stellte die Figur Copperfields den roten Faden dar, von dem allerdings etliche Seitenpfade abgingen und so merkte man dem Roman im Ganzen doch an, dass er stückchenweise von Dickens veröffentlicht wurde, wie es damals gang und gäbe war. Die Handlungsstränge im Einzelnen sind unterhaltsam und machen neugierig, aber bisweilen fehlte mir der Gesamtzusammenhang sowie unvorhersehbare, überraschende Ausgänge.
Ich persönlich fand es schade, dass mir die Figur David Copperfield in diesem Wirrwarr an Erzählungen des Öfteren verloren ging.
Charaktere:Hier kann ich Dickens nur ein großes Lob aussprechen. Er versteht es wunderbar, lebendige, schrullige, liebenswerte, ekelhafte, naive, selbstbewusste, starke und schwache Persönlichkeiten zu formen und zu beschreiben.
Ob man sich mehr an dem sich ständig anbiedernden, durchtriebenen Uriah Heep, dem liebenswert schrulligem Micawber oder an der eleganten, tatkräftigen Betsey Trotwood erfreuen kann, bleibt einem selbst überlassen. Dickens bedient nahezu jede Vorliebe mit allen denkbaren Klischees, die er in umfangreichem Stil ausstaffiert.
Schreibstil:Ohne Frage ist der Erzählstil meiner Meinung nach gewöhnungsbedürftig und Geschmackssache. Man muss sich mit langen Sätzen und aus der Zeit gekommenen Formulierungen bzw. Begriffen auseinandersetzen, was der Geschichte andererseits, wenn man die Zeit, in welcher sie spielt berücksichtigt, einen besonderen Charme und Authentizität verleiht.
Dickens schreibt aber immer verständlich, nicht gestelzt oder hochtrabend; allenfalls die Dialoge wirken nach unseren heutigen Maßstäben eben etwas steif und unwirklich.
Fazit:Das erste Drittel des Buches hat mich gefesselt. Im zweiten Drittel habe ich leichten Stillstand verspürt und das letzte Drittel hat immerhin noch einige Handlungsstränge aufgelöst. Mir persönlich ist Copperfields Werdegang im Laufe des Buches zu sehr untergegangen und ich hätte mir gerade bei ihm noch etwas mehr Ecken und Kanten gewünscht. Es gab wenig Überraschungen, nahezu alles war vorhersehbar und wirkte deshalb etwas platt.
Ich würde trotzdem nicht von dem Buch abraten, da es wie gesagt schon allein aufgrund seiner bunten Charaktere lesenswert ist. Wer allerdings spannende Unterhaltung und unerwartete Wendepunkte erhofft, dem würde ich andere Lektüre empfehlen.
