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Autor Thema: Theresa Breslin - Das Medici-Siegel  (Gelesen 293 mal)

TanjaT

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Theresa Breslin - Das Medici-Siegel
« am: 08. März 2010, 02:16:40 »


578 Seiten, Taschenbuch (gibt's auch gebunden), cbt-Verlag

Nachdem ich die ursprünglich angeleierte Leserunde im Dezember verpasst habe, habe ich es nun doch mal geschafft, den Jugendroman zu lesen.

Inhalt:
Der 12-jährige Matteo stiehlt im Auftrag eines gewissen Sandino ein Siegel der Medici mit Hilfe eines Priesters, doch bei der Übergabe wird der Priester von Sandino erschlagen und Matteo, der eigentlich gar nicht Matteo heißt, überlebt nur knapp und mehr aus Zufall. Gerettet wird er von einer Gruppe von Leuten, die sich um einen Meister mit dem Namen Leonardo da Vinci scharen. Leonardo beschließt, den Jungen als Diener in die Gruppe aufzunehmen und fortan reist Matteo mit ihnen und lernt sehr vieles.
Doch muss Matteo auch auf der Hut sein, denn obwohl die Jahre vergehen, bleibt ihm Sandino doch auf den Fersen ...

Kritik:
Ich mische mal kopierten Text und zusätzlichen aus dem Leserundenthread, in dem man bei Interesse auch noch nachlesen kann, wenn man detailliertere Infos zum Buch haben möchte (die wichtigsten Sachen sind dort alle verspoilert).

Als Jugendbuch stehe ich "Das Medici-Siegel" gemischt gegenüber. Es gibt schon sehr brutale Szenen, die teils auch sehr plastische Schilderungen erhalten, im Buch. Gewundert hat mich, dass zwar detailliert auf Leichensektionen eingegangen wurde und beschrieben wird, dass der Kopf eines Familienvaters auf einer Lanze aufgespießt mitten im Raum steht, während seine Kinder halb ohnmächtig direkt darunter liegen, dass aber mit keinem Wort explizit erwähnt wird, dass zwei wichtige Figuren vergewaltigt wurden. Auf der anderen Seite findet die angeblich historische Situation Eingang, als man Caterina Sforza mit der Ermordung ihrer Kinder droht und diese schlicht die Röcke hebt und sagt: "Dann verrichtet euer grausames Werk. Ich kann noch mehr davon machen!" und dann wieder sowas wie eine Mutter mit gebrochenem Genick und ihr am Felsen zerschollenes Kleinkind.
Warum hier ein Schnitt gesetzt wurde und da nicht, kann ich nicht ganz nachvollziehen.

Generell werden im Buch viele historische Aspekte angeschnitten, sowohl hinsichtlich Leonardo da Vinci als auch hinsichtlich anderer bekannter Namen, italienischer Herrscherfamilien, Schlachten und so weiter. Dass es hierbei ziemlich brutal und blutig zugeht, ist natürlich schon realistisch und auf der anderen Seite muss man sehen, dass es in manchem Fantasyroman beispielsweise deutlich brutaler zugeht. Irgendwie finde ich es auch sinnvoller, Gewalt da darzustellen, wo sie realistisch ist als sie einzuführen, wo sie vermeidbar ist. Klingt vielleicht komisch, ist aber so - und ich denke, Jugendliche sind da durchaus in der Lage, das einzuordnen, immerhin lesen Jugendliche meist auch schon Erwachsenenromane, nicht mehr nur zielgruppenorientierte Titel. Und da Matteo im Buch zwischen 12 und 22 Jahren alt ist, dürften die Leser im Teeniealter sein und das Ganze entsprechend verstehen und verarbeiten können.

Was die historischen Dinge speziell anbelangt, denke ich, dass die Zielgruppe - eben Schüler - mit der kriegerischen Action im Buch vermutlich mehr anfangen können als ältere Leser. Ebenso wie die Details zu historischen Figuren wie Leonardo, Machiavelli, Borgia, de Medici ... sicherlich auch recht praktisch zu sehen sind, weil es immer spannender ist, auf eine erzählende Weise etwas über Figuren zu lernen als staubtrockene Theorie.
Mir selbst haben die Forschungen da Vincis und die medizinischen und heilkundlichen Ausführungen im Buch am besten gefallen.
Schade ist wiederum, dass das Buch kein Nachwort bietet, in dem Realität und Fiktion deutlicher voneinander getrennt werden. Theresa Breslin hat sich schon sehr frei bewegt, was ihre Ausführungen betrifft und die Figur des Jacopo de Medici sowie entsprechend seine Geschichte sind beispielsweise völlig frei erfunden (zumindest habe ich über keinen Jacopo Anfang des 16. Jahrhunderts etwas finden können). Da hätte man bei einem Jugendbuch, finde ich, schon einige Hinweise ins Buch einbringen sollen.

Die Charakterisierung von Figuren im Buch ist sehr schwankend. Einerseits erfahren einige Figuren eine sehr detaillierte und glaubwürdige Darstellung, die zumindest über weite Teile hinweg gehalten wird, andererseits "schlampt" die Autorin bei vielen Kleinigkeiten, bei Nebenfiguren und im letzten Drittel des Buches da auch ziemlich.

Alles in allem liegt mein Eindruck - vielleicht auch gefärbt durch die atmosphärische Darstellung von Leonardo da Vinci und seinem Gefolge, die für mich bei diesem Roman sehr zentral waren - trotz der Kritikpunkte, zu denen auch einige langatmig zu lesende Sequenzen gehören, bei

 3ratten :marypipeshalbeprivatmaus:

« Letzte Änderung: 14. März 2010, 19:59:45 von TanjaT »
Gespeichert
Ich grüße euch alle. Immer. Ehrlich.
Tanja
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