| | Autor: Jodi Picoult Titel: Zeit der Gespenster Originaltitel, Jahr: Second Glance, 2003 Verlag: Piper ISBN: 978-3-492-05400-3 Ausgabe: Hardcover Seiten: 463 |
Ich habe schon 2 gescheiterte Versuche mit Picoult hinter mir, beim dritten Anlauf hat es schließlich doch noch geklappt.
Der Klappentext lässt auf eine andere Grundthematik schließen. Auf Geister, auf Mystik, auf Paranormales. Ganz so falsch ist das nicht, jedoch ist das eigentliche Thema ein ganz anderes. Das Sterilisationsgesetz in den USA im 20. Jahrhundert.
Einer der Hauptprotagonisten ist Ross Wakeman, ein ziemlich seltsamer Kauz. Andere halten ihn für einen großen Glückspilz, da er immer wieder lebendig aus lebensgefährlichen Situationen kommt. Er selbst ist darüber alles andere als erfreut, er möchte nämlich sterben um bei seiner geliebten Aimee zu sein, die Jahre zuvor bei einem Unfall verstarb. Oder zumindest will er wenigstens mit Geistern in Kontakt treten können um so Verbindung zu ihr aufzunehmen. So versucht er sich als Geisterjäger. Durch Zufall wird er von einem Bauherrn angeheuert, der ein Einkaufszentrum auf einem alten Indianerfriedhof bauen möchte, auf dem aus angeblich spuken soll. Und schon bald macht Ross Bekanntschaft mit einem Geist...
Das ist noch lange nicht alles, die Story ist ziemlich umfangreich. Paranormale Erscheinungen, Verlust, Eugenik & Pränataldiagnostik, Zwangssterilisation, Benachteiligung bestimmter Bevölkerungsgruppen, all das ist auf die paar Seiten gequetscht. Die einzelnen Fäden der relativ komplexen Geschichte sind geschickt miteinander verwoben. Anfänglich war ich aufgrund der vielen Charaktere und Nebenschauplätzen etwas verwirrt, aber je mehr die einzelnen Teile miteinander verknüpft wurden, umso mehr Nebel lichtete sich in meinem Kopf. Man sollte das Buch aber wohl nicht über einen längeren Zeitraum hinweg lesen, um den Faden nicht wieder zu verlieren. Ein Teil des Buches erzählt die Geschichte rund um das Ehepaar Lia und Spencer Pike in den 30er Jahren, der Rest ist in der Gegenwart angesiedelt.
Aufgrund der Fülle an Personen und Handlungssträngen auf den etwas über 400 Seiten bleibt leider die Charakterzeichnung etwas auf der Strecke, die meisten Figuren bleiben relativ blass. Nur mit Ross hat Picoult einen Protagonisten geschaffen, der mir wider Willen sympathisch war und mit dem ich mitfieberte. Kein strahlender Lebemann, sondern ein depressiver, sich als Versager fühlender, suizidgefährdeter Mann. Andere Leser mögen es als im Selbstmitleid ertrinken sehen, mir tat dieser Kerl nur unendlich leid, der einfach nicht die Kraft aufbringen kann, um ins Leben zurück zu finden. Das also ist, mehr oder weniger, der große Held des Romans.
Auch das eigentliche Thema, das Sterilisationsgesetz, kam mir etwas zu kurz. Das Buch hätte meiner Ansicht nach ruhig noch ein paar hundert Seiten mehr vertragen.
Fazit: Alles in allem aber ein spannender Unterhaltungsroman, der gut zum schmökern geeignet ist. Das Thema selbst wird mir in Erinnerung bleiben, die Story hingegen verblasst leider jetzt schon.
