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Autor Thema: Jodi Picoult - Zeit der Gespenster  (Gelesen 581 mal)

Annabas

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Jodi Picoult - Zeit der Gespenster
« am: 06. März 2010, 19:56:48 »


Jodi Picoult – Zeit der Gespenster



Inhaltsangabe:

Als Ross Wakeman an der Tür seiner Schwester Shelby klopft, ist er ziemlich am Ende. Den Job als Geisterjäger hat er gerade hingeworfen, er kommt über den Tod seines geliebten Frau Aimee einfach nicht hinweg und er scheint nicht sterben zu können – obwohl er es schon mehrmals selbst versucht hat. Da kommt ihm der Auftrag eines örtlichen Bauunternehmers gerade recht, um noch ein paar Dollars zu verdienen. Auf einem Grundstück, auf dem ein alter Indianerfriedhof liegen soll, soll es spuken und Ross ist der richtige Mann, um der Sache auf den Grund zu gehen, denn auf dem Land soll ein Einkaufszentrum errichtet werden. Der alte Spencer Pike, ehemaliger Besitzer des Grundstücks, ist bei Ross Forschungen allerdings nicht gerade hilfreich. Ross spürt, dass an der Geistergeschichte mehr dran ist als es scheint und rührt dabei zusammen mit Shelby an ein nicht gerade ruhmreiches Kapitel der amerikanischen Vergangenheit ...

Der erste Satz:

„Als Ross Wakeman sich das erste Mal umbrachte, hatte er Erfolg, anders als beim zweiten oder dritten Mal.“

Meine Meinung zum Buch:

Es ist schwierig, für dieses Buch eine Gesamtbewertung abzugeben, denn es hat sehr gute und spannende Passagen, ich habe aber auch etliche Kritikpunkte. Außerdem verrät man bei diesem Buch schnell zuviel und nimmt anderen die Spannung, da muss ich beim Schreiben sehr aufpassen.

Jodi Picoult nimmt für jedes ihrer Bücher ein spezielles „Grundthema“, und bei diesem Buch ist es die Eugenik. Ich wusste nicht, dass es in den USA Anfang der 30er-Jahre Eugenik-Projekte gab und las überrascht und auch entsetzt, dass in etlichen Staaten Zwangssterilisationen an der Urbevölkerung und an als „degeneriert“ eingestuften Mitmenschen durchgeführt wurden, wohl auch schon an Kindern. Im Anhang des Buches gibt die Autorin einige Erklärungen zum Hintergrund ab, das war sehr aufschlussreich. Als Thema für einen Roman fand ich es jedenfalls sehr gut und hoch interessant.

Zu den im Roman dargestellten Personen habe ich aber keinen richtigen Zugang gefunden. Weder zu Ross noch zu Shelby, noch zum Polizisten Eli, noch zu den vielen anderen Charakteren. Sie erschienen mir alle recht flach und eindimensional.

Zu lesen war das Buch sehr angenehm und flüssig. Die Autorin unterbricht die chronologische Abfolge der Ereignisse um Ross und Shelby mit einem langen Abschnitt, der die Geschichte von Spencer Pike und seiner Frau Cecelia im Jahr 1932 erzählt. Zusätzlich gibt es in der Erzählung der Jetztzeit einen weiteren Handlungsstrang um eine gewisse Meredith und ihre Tochter Lucy, der für mich aber mehr zur Verwirrung beigetragen hat und erst sehr spät mit der Haupthandlung verknüpft wird.

Die Spannung schwankt während des Lesens sehr stark. Die erste Hälfte des Buches habe ich mit mäßiger Begeisterung gelesen, dann zog die Spannung während der Ermittlungen um Cecelias lange zurück liegenden Todesfall sehr an und ich war von diesem Abschnitt wirklich begeistert. Das Ende ist dann leider wieder sehr langgezogen – die letzten 50 Seiten hätten in meinen Augen nicht sein müssen, die Geschichte an sich war da schon beendet.

Meine Bewertung insgesamt: 3ratten       :marypipeshalbeprivatmaus:

Viele Grüße von Annabas    :winken:
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Avila

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Antw:Jodi Picoult - Zeit der Gespenster
« Antwort #1 am: 06. März 2010, 22:43:19 »

Irgendwie bin ich grad verwirrt. Du hast das Buch bei vorablesen gewonnen, oder?
Ich hatte mir die Leseprobe dazu nämlich auch durchgelesen - na ja, eher angelesen, aber irgendwie fand ich die Leseprobe zu ... abgedreht?! Deswegen habe ich die Leseprobe abgebrochen und so natürlich auch keinen Leseeindruck geschrieben.
Wenn ich mir jetzt deine Rezension durchlese, kriege ich aber irgendwie einen anderen Eindruck. Ich dachte, das Buch handelt von Geistern. Also von Verstorbenen, die aber noch in der Welt hier leben und dieses Thema würde noch intensiver behandelt werden. Jetzt lese ich aber, dass Picoult sich mit Eugenik auseinander gesetzt hat und das ist ja schon irgendwie ein wenig anders, als ich gedacht hätte. Kannst du mir (meinetwegen auch in einem Spoilern, falls es sonst zu viel verraten sollte) sagen, inwiefern die  beiden Themen miteinander verknüpft werden?
Denn von dem was du schreibst, klingt das Buch eigentlich doch schon sehr interessant.
Und außerdem die Frage: Hat die Leseprobe ein realistisches Bild vom gesamten Buch vermittelt?
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Annabas

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Antw:Jodi Picoult - Zeit der Gespenster
« Antwort #2 am: 06. März 2010, 23:00:48 »

@Avila:

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Falls du noch mehr wissen möchtest, schreibe ich gerne auch noch weiter - allerdings muss ich dann vermutlich wirklich mehr von der Handlung verraten.

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Avila

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Antw:Jodi Picoult - Zeit der Gespenster
« Antwort #3 am: 06. März 2010, 23:53:16 »

Also das, was ich bisher von der Autorin gelesen habe, hatte zwar ähnliche ernste Themen wie Eugenik, aber ging nicht ins Übersinnliche und da dachte ich, die Autorin probiert etwas Neues aus. Deswegen wurde ich abgeschreckt, aber wie ich lese, ist das ja nicht so.

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Vielen Dank für deine Antwort - sie hat mir auf jeden Fall weitergeholen. :)
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Annabas

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Antw:Jodi Picoult - Zeit der Gespenster
« Antwort #4 am: 06. März 2010, 23:59:26 »

@Avila:

ich denke, da spielt auch der ungeschickt gewählte deutsche Titel eine Rolle.
Im Original heißt das Buch "Second Glance" - weit weniger gespenstisch.  :zwinker:

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sandi

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Re: Jodi Picoult - Zeit der Gespenster
« Antwort #5 am: 22. März 2010, 22:00:41 »

Autor: Jodi Picoult
Titel: Zeit der Gespenster
Originaltitel, Jahr: Second Glance, 2003
Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-05400-3
Ausgabe: Hardcover
Seiten: 463

Ich habe schon 2 gescheiterte Versuche mit Picoult hinter mir, beim dritten Anlauf hat es schließlich doch noch geklappt.
Der Klappentext lässt auf eine andere Grundthematik schließen. Auf Geister, auf Mystik, auf Paranormales. Ganz so falsch ist das nicht, jedoch ist das eigentliche Thema ein ganz anderes. Das Sterilisationsgesetz in den USA im 20. Jahrhundert.

Einer der Hauptprotagonisten ist Ross Wakeman, ein ziemlich seltsamer Kauz. Andere halten ihn für einen großen Glückspilz, da er immer wieder lebendig aus lebensgefährlichen Situationen kommt. Er selbst ist darüber alles andere als erfreut, er möchte nämlich sterben um bei seiner geliebten Aimee zu sein, die Jahre zuvor bei einem Unfall verstarb. Oder zumindest will er wenigstens mit Geistern in Kontakt treten können um so Verbindung zu ihr aufzunehmen. So versucht er sich als Geisterjäger. Durch Zufall wird er von einem Bauherrn angeheuert, der ein Einkaufszentrum auf einem alten Indianerfriedhof bauen möchte, auf dem aus angeblich spuken soll. Und schon bald macht Ross Bekanntschaft mit einem Geist...

Das ist noch lange nicht alles, die Story ist ziemlich umfangreich. Paranormale Erscheinungen, Verlust, Eugenik & Pränataldiagnostik, Zwangssterilisation, Benachteiligung bestimmter Bevölkerungsgruppen, all das ist auf die paar Seiten gequetscht. Die einzelnen Fäden der relativ komplexen Geschichte sind geschickt miteinander verwoben. Anfänglich war ich aufgrund der vielen Charaktere und Nebenschauplätzen etwas verwirrt, aber je mehr die einzelnen Teile miteinander verknüpft wurden, umso mehr Nebel lichtete sich in meinem Kopf. Man sollte das Buch aber wohl nicht über einen längeren Zeitraum hinweg lesen, um den Faden nicht wieder zu verlieren. Ein Teil des Buches erzählt die Geschichte rund um das Ehepaar Lia und Spencer Pike in den 30er Jahren, der Rest ist in der Gegenwart angesiedelt.

Aufgrund der Fülle an Personen und Handlungssträngen auf den etwas über 400 Seiten bleibt leider die Charakterzeichnung etwas auf der Strecke, die meisten Figuren bleiben relativ blass. Nur mit Ross hat Picoult einen Protagonisten geschaffen, der mir wider Willen sympathisch war und mit dem ich mitfieberte. Kein strahlender Lebemann, sondern ein depressiver, sich als Versager fühlender, suizidgefährdeter Mann. Andere Leser mögen es als im Selbstmitleid ertrinken sehen, mir tat dieser Kerl nur unendlich leid, der einfach nicht die Kraft aufbringen kann, um ins Leben zurück zu finden. Das also ist, mehr oder weniger, der große Held des Romans.

Auch das eigentliche Thema, das Sterilisationsgesetz, kam mir etwas zu kurz. Das Buch hätte meiner Ansicht nach ruhig noch ein paar hundert Seiten mehr vertragen.

Fazit: Alles in allem aber ein spannender Unterhaltungsroman, der gut zum schmökern geeignet ist. Das Thema selbst wird mir in Erinnerung bleiben, die Story hingegen verblasst leider jetzt schon.

4ratten
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