
KlappentextDas Nimmerland im Kopf des Kindes ist immer mehr oder weniger eine Insel - mit erstaunlichen Farbklecksen: mit Korallenriffen, verwegen aussehenden Schiffen auf hoher See, mit wilden und einsamen Lagerplätzen; mit Gnomen, die meist Schneider sind; mit Höhlen, durch die ein Fluss fließt, mit Prinzen mit sechs älteren Brüdern und einer Hütte, die immer mehr zerfällt, und einer sehr kleinen alten Frau mit Hakennase ... an diesen Zauberstränden ziehen Kinder beim Spielen ewig ihre Boote ans Land.
Erster SatzAlle Kinder, außer einem, werden erwachsen.Meine MeinungBisher kannte ich Peter Pan nur aus dem Disney-Film, das Buch habe ich jetzt zum ersten Mal gelesen. Und es hat mir echt gut gefallen. Dabei ist die Hauptperson, Peter Pan, auf den ersten Blick nicht besonders sympathisch. Er hat ein sehr egozentrisches Weltbild, ist überheblich und frech. Meiner Meinung nach stellt er aber perfekt das Kind ohne Erziehung bzw. elterliche Einflüsse dar. Er lebt das aus, was sich Kinder manchmal wünschen: einfach tun und lassen können, was man will, ohne den erhobenen Zeigefinger des Vaters oder den entsetzten Blick der Mutter im Hintergrund. Dass es in einer Gruppe autonomer Kinder brutal und zügellos zugeht, finde ich dabei wenig überraschend.
Beim ersten Kampf habe ich dann aber doch etwas verdutzt geschaut. In dem Buch gehts richtig zur Sache, aufgeschlitzte Leichen inklusive. Ich glaube, ich war enfach zu sehr von dem Film und unseren heutigen Kinderbüchern beeinflusst, als dass ich so etwas erwartet hätte. Da gehts ja sonst eher beschaulich und ohne große Gewalt zu. Vielleicht fand ich auch deswegen das Buch so faszinierend. Es ist einfach anders. Ohne jetzt eine Debatte darüber auslösen zu wollen, finde ich es nicht schlimm, wenn Gewalt in Kinderbüchern auftaucht. Klar, blutiges Gemetzel ist unangebracht, aber der bloße Hinweis, dass gerade jemand erstochen wird, schadet Kindern meiner Meinung nach nicht. Peter Pan hält sich innerhalb dieses Rahmens auf. Es wirkt zwar erst einmal brutal, aber irgendwie auf kindliche Weise. Es sei noch einmal darauf hingewiesen, dass das meine unqualifizierte Meinung darstellt!
Sehr schön und gleichzeitig auch sehr traurig fand ich das Thema Mutterliebe. Die Kinder leben zwar ohne Kontrolle von Erwachsenen, vermissen aber die Wärme ihrer Mütter. Ich finds schön, dass dieser Zwiespalt dargestellt wird, letztendlich muss man sich halt doch für das eine oder andere Leben entscheiden. Peter Pan ist daher für mich eine eher tragische Figur, eigentlich tat er mir die meiste Zeit einfach nur leid.
Eine halbe Ratte Abzug gibt es für etwas, wofür das Buch eigentlich überhaupt nichts kann. An manchen Stellen waren mir die Intentionen des Autors zu offensichtlich. Das liegt aber vor allem daran, dass ich mich derzeit verstärkt mit der Wirkung von Kinderbüchern beschäftige, ansonsten wärs mir vielleicht gar nicht so aufgefallen.
Es gibt unglaublich viel in diesem Buch zu entdecken und ich finde es fast schade, dass ich es erst jetzt gelesen habe. Ich hätte gerne gewusst, ob es mir als Kind gefallen hätte. Das kann ich jetzt leider nicht mehr ändern, aber dafür hat die Geschichte das Kind in mir erfreut.

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