Ich habe gestern ebenfalls die drei Prologe gelesen, leider in einer unkommentierten Ausgabe. Ich bin, was Faust angeht, nahezu "unbeleckt". Abgesehen von der Gründgensverfilmung, die ich 1979 oder 80 einmal im Kino gesehen habe, kenne ich nur ein paar Zitate. Allerdings keine aus den Prologen, was mich ziemlich überraschte. Ich dachte "ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft", stamme aus dem Gespräch Gott-Mephisto ganz am Anfang.
Zueignung verstehe ich auch als "Widmung", nur ist mir völlig unklar,
wem Goethe denn nun das Drama gewidmet hat. Seiner Inspiration, der er seine Werke zu verdanken hat?
Ich stelle mal wieder fest, dass ich gereimtes (bzw. Gedichte in jeder Form) einfach nicht lesen kann. Ich kann mich zwar an der Sprache, den Lauten ergötzen, aber den Inhalt verstehe ich - wenn überhaupt - erst nach mehrfachem Lesen. Und wenn's dann an irgendwelche poetischen Bilder geht...
Ich hoffe auf einfacheres Lesen, wenn es richtige Dialoge gibt.
Vorspiel auf dem Theater Man kann ein Stück eben nur aufführen, wenn es sich auch "rechnet", findet der Theaterdirektor. Heute so aktuell wie nie zuvor!! Dem Dichter geht es eher um die reine Kunst und nicht den Kommerz. Auch das ist zeitlos.
Und beide haben sie recht.
Am meisten gefällt mir die Aufforderung der lustigen Person an den Dichter, doch nicht für die Nach- sondern die
Mitwelt zu schreiben. Die lustige Person holt den Dichter von seinem Piedestal herunter und sagt ihm "Mach' was, räsonniere nicht über das Dichten, sondern dichte!" (Glaube ich zumindest. Wie gesagt tue ich mich richtig schwer mit gereimtem Zeug.)
Prolog im HimmelWie schon im Film gefällt mir auch hier der Mephistopheles am besten. Die Erzengel bauchpinseln Gott, indem sie ihm erzählen, die gesamte Schöpfung sei so
"herrlich wie am ersten Tag", was Mephistopheles ironisch verarbeitet zu einem
"Der kleine Gott der Welt [der Mensch] (...) ist so wunderlich , als wie am ersten Tag", und setzt noch einmal eins drauf mit seiner Feststellung, dass ihm die Menschen so leid tun, dass er
"sogar die armen selbst nicht plagen" mag. So recht abnehmen will ich ihm sein Mitgefühl allerdings nicht.
Gott macht eine weniger sympathische Figur. Er lässt sich mal wieder mit einem Teufel auf eine Wette ein - um seiner Unterhaltung willen, will mir scheinen. Ich sehe ihn als einen gelangweilten Potentaten, der sich über den Widerspruch eines seiner Untergebenen freut, und das Fußvolk (die Menschen) zu seinem Amüsement gebraucht. Zwar kommt der Wettvorschlag von Mephistopheles, aber Gott hat ihn meiner Meinung nach dazu herausgefordert, indem er ihm den perfekten Faust vor die Nase hält. Gar nicht nett, finde ich.
Jetzt verstehe ich auch, wieso wir (falls wir das tun) im Vaterunser "Und führe uns nicht in Versuchung" beten. Genau das tut Gott doch hier, sogar doppelt. Einmal versucht er Mephistopheles und über ihn den Faust.