Meine Meinung:Im Rahmen des SLW 2010 habe ich mich diesem Thriller gewidmet. Ich fand das Buch zwar nicht grottenschlecht, aber doch - insbesondere zum Ende hin - etwas enttäuschend.
Der Beginn des Buches konnte mich noch vollends überzeugen. Mit Diane wird ein äußerst interessanter Hauptcharakter eingeführt. Sie hat starke psychische Probleme, ist beziehungsunfähig und äußerst neurotisch. Dies ist auf einen brutalen Überfall zurückzuführen, den sie im Alter von 14 Jahren erleben musste und den sie erfolglos versucht, zu verdrängen. Seitdem ist auch die Beziehung zu ihrer Mutter und damit auch zu ihrem Stiefvater Charles Helikian als schwierig zu bezeichnen, was scheinbar vor allen Dingen von Diane selbst ausgeht. Stattdessen flüchtet sie sich in die Wissenschaft, und widmet sich mit Leib und Seele der Ethologie - der Wissenschaft vom Verhalten der Raubtiere.
Diane wird sehr gelungen eingeführt, so dass es mir schwer fiel, das Buch wieder aus der Hand zu legen, da ich immer wissen wollte, wie es mit ihr weitergeht.
Um sich doch noch ihren tiefen Kinderwunsch zu erfüllen, adoptiert Diane ein Kind aus einem thailändischen Waisenhaus und nennt es - da es immer wieder die geheimnisvollen Silben Lü-Si-An spricht - Lucien. Zu ihrem Adoptivsohn baut sie zum ersten Mal in ihrem Leben eine innige, liebevolle Beziehung auf. Umso härter trifft es sie, als das Kind bei einem Verkehrsunfall so schwer verletzt wird, dass es ins Koma fällt und die Ärzte schließlich jede Hoffnung auf eine Rettung Luciens aufgeben. Diese Szenen sind äußerst eindrucksvoll geschildert, so dass mir fast der Atem stockte. Mit Diane bangte ich um das Überleben des Kindes und wollte wissen, wer die Menschen waren, die einen so brutalen Anschlag auf ein unschuldiges Kind verüben. Schließlich taucht ein geheimnisvoller deutscher Arzt im Krankenhaus auf und schafft es mit einer unkonventionellen Methode - nämlich der Akupunktur - das Kind zu retten. Doch wer ist der geheimnisvolle Retter, der kurz darauf brutal ermordet auf dem Krankenhausgelände aufgefunden wird? Und wer hat ihn zu Lucien bestellt?
Obwohl ihr immer wieder heftig davon abgeraten wird, will Diane selbst diesen Geheimnissen auf den Grund gehen. Nach und nach kommt sie immer mehr Geheimnissen auf die Spur und muss schließlich - trotz ihrer Rationalität - feststellen, dass hier Kräfte mit im Spiel sind, die im wahrsten Sinne des Wortes nicht von dieser Welt sind. Schon ziemlich früh kommen alle möglichen Ausprägungen parapsychologischer Phänomene mit ins Spiel, was natürlich bei einem Thriller etwas gewöhnungsbedürftig ist. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass Diane - welche schon ihres Berufes wegen rational denkt und nur das naturwissenschaftlich Erklärbare glaubt - zu schnell bereit ist, die Existenz parapsychologischer Phänomene zu bejahren und nur kurze Zeit Skepsis zeigt.
Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass sich Diane für meinen Geschmack ein wenig zu sehr zur "Superwoman" entwickelt. Zwar hat sie eine äußerst erfolgreiche Karriere als Kampfsportlerin hinter sich, aber trotzdem erschienen mir einige Szenen schon alleine wegen Dianes "Superkräften" zu unglaubwürdig.
So zum Beispiel bei der Szene, in der es Diane im Alleingang und unbewaffnet gelingt, drei schwerbewaffnete Männer zu töten, von denen sie in einem Museum überrascht wird.
Der größte Schwachpunkt des Buches ist jedoch meiner Meinung nach der Schluss. Ich lese zwar gerne Fantasy, aber in einem Thriller wie diesem haben solch übertriebene Fantasyanleihen meines Erachtens wenig zu suchen. Es kommen derartig atemberaubende und teilweise absurde Verstrickungen und Verschwörungen zum Vorschein, dass ich manchmal nur noch den Kopf schütteln konnte. Da hätte ich mir wirklich Besseres erhofft.
Der Schreibstil des Buches gefiel mir dagegen recht gut und Grangé versteht es, die Natur und die Lebewesen so anschaulich zu beschreiben, dass es ein Leichtes für mich war, das Geschehen vor meinem geistigen Auge verfolgen zu können. Beeindruckend waren seine Schilderungen der mongolischen Kultur und der faszinierenden Natur in der Taiga dieses Landes. So bekommt der Leser einen gewissen Eindruck von diesem Land, seiner Kultur und seinen Bewohnern.
Weiterhin versteht es der Autor insbesondere zu Beginn sehr gut, Spannung aufzubauen, so dass das Buch stellenweise richtiggehend zum Pageturner wird. Auch die Charaktere wurden sehr lebendig beschrieben, nicht nur Diane, sondern auch die Nebencharaktere konnte ich mir recht gut vorstellen und ein paar davon wuchsen mir auch ein wenig ans Herz.
Lediglich die Übertreibung mit den parapsychologischen Elementen machten das Buch letztendlich doch eher enttäuschend. Somit gibt es von mir nur

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