

Das Buch handelt vom Untergang der holländischen
Batavia 1629 vor der australischen Küste und der darauf folgenden Ermordung von über 100 Überlebenden des Untergangs. Von 341 Personen an Bord erreichten letztendlich nur 68 den Hafen der Stadt Batavia.
Am Anfang war ich reichlich ungeduldig. Ich wusste ja schon, dass es um den Untergang der Batavia und die gewaltsamen Auseinandersetzungen unter den Überlebenden gehen würde und so war ich etwas gelangweilt, während die Autorin sich über 100 Seiten Zeit nimmt, ihre Figuren auf das eigentliche Geschehen vorzubereiten. Berichtet wird das Geschehen von Judith, der Tochter eines Predigers.
Das Buch wurde von jemandem mit dem "Herr der Fliegen" verglichen, die Stimmung ist aber eine ganz andere. Während der "Herr der Fliegen" vom Konflikt geprägt ist und Autorität erst gewonnen werden muss, steht die Hierarchie hier in gewisser Weise von vorneherein fest und das Hauptaugenmerk liegt auf der Hilflosigkeit der Opfer, die nicht aufbegehren können, eine solche Möglichkeit noch nicht einmal wahrnehmen. Dadurch wirkt die Geschichte auf mich fremder, diesen bedingungslosen Kadavergehorsam, nicht einfach nur aus Angst, sondern auch aus gewohnter Obrigkeitshörigkeit kann ich nicht nachvollziehen und so überlegte ich beim Lesen immer wieder, wie die Figuren die Gewaltherrschaft vielleicht hätten brechen können. Die Verhältnisse auf der Insel werden immer bedrückender, irgendwann wird die Luft ganz dick vor lauter Furcht, Unterdrückung, ängstlichem Ausweichen und Duckmäusertum. „Man muss der Autorität gehorchen“ wechselt zu einem, "wenn ich mich nützlich mache und ganz still bin, werde ich verschont".
Die übermächtige Schuld, die die Erzählerin Judith fühlt, ist deprimierend. Erst im Nachhinein erkennt sie, dass jeder Handbreit, den man kampflos dem Unterdrücker überlässt, seine Position stärkt.
„Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist.
Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat.
Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschafter.
Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“
Martin Niemöller wegen des langwierigen Beginns nur