Willkommen Gast. Bitte einloggen oder registrieren.

E-Mail: Passwort:

Autor Thema: Val McDermid - Vatermord (The fever of the bone)  (Gelesen 491 mal)

Kirsten

  • bibliophile Marathoni
  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 7474
Val McDermid - Vatermord (The fever of the bone)
« am: 16. Februar 2010, 14:53:05 »



Inhalt
Dieser Fall bringt Tony Hill an seine Grenzen. Scheinbar wahllos schlägt der Killer zu. Seine Opfer sind Jugendliche, doch das scheint die einzige Gemeinsamkeit zu sein. Es gibt zwischen ihnen keine direkte Verbindung, sie wohnen in unterschiedlichen Städten, haben unterschiedliche Hintergründe und kannten sich nicht einmal. Die einzige Gemeinsamkeit, die sie in ihrem Leben hatten war Rigmarole, eine Plattform im Internet um Freunde zu finden. Doch warum der Täter gerade diese Teenager ausgesucht hat scheint ein Geheimnis zu bleiben.

Das ist noch lange nicht Tonys einziges Problem: Carols neuer Vorgesetzter will ihn aus finanziellen Gründen nicht mehr als Profiler haben, sondern greift zu seinen eigenen Leuten. Obwohl Carol das nicht recht ist fügt sie sich. Das durch Ereignisse aus der gemeinsamen Vergangenheit ohnehin schon gespannte Verhältnis zu Tony leidet darunter. Tony selbst hat private Probleme: sein Vater, der zu Lebzeiten nichts von ihm wissen wollte, hat ihn zum alleinigen Erben gemacht. Wird Tony dieses Erbe antreten oder weiterhin die Distanz zu dem Fremden wahren?

Meine Meinung
In diesem Fall ist Tony weitgehend auf sich alleine gestellt, doch das gelingt ihm überraschend gut. Während Carol wegen der Behandlung durch ihren neuen Chef noch eingeschnappt ist und dadurch den Blick fürs Wesentliche verliert, blüht er ohne ihren Einfluß regelrecht auf. Es scheint, als ob er sich jetzt endlich mehr Gedanken um sich selbst machen kann. Auch in seinen Ermittlungen wirkt er freier und weniger gehemmt im Umgang mit Anderen. Carol dagegen wirkt sehr unsympatisch. Wie ein Rammbock versucht sie, ihre Pläne durchzusetzen ohne auf die Folgen für ihre Umgebung zu achten. Sie nimmt keinen noch so gut gemeinten Rat an.
The fever of the bone bietet eine elegante Möglichkeit für die Autorin, die etwas festgefahrene Situation um das Duo Hill/Jordan neu zu beleben. Neue interessante Charaktere und Orte bieten dem Leser Platz für Spekulationen, wie es in Zukunft weiteregehen wird. Einzig die Tatsache
Spoiler (Klick zum Anzeigen/Verbergen)
muß ich bemängeln.
4ratten :marypipeshalbeprivatmaus:

Liebe Grüße
Kirsten

EDIT: Betreff angepasst. LG Aldawen
« Letzte Änderung: 11. Oktober 2010, 08:58:39 von Aldawen »
Gespeichert
Now I have moved and I've kept on moving
Proved the points that I needed proving
Lost the friends that I needed losing
Found others on the way

illy

  • chronischer Bücherjunkie
  • Global Moderator
  • *
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 2757
Val McDermid - Vatermord (The fever of the bone)
« Antwort #1 am: 10. Oktober 2010, 19:26:51 »



Val McDermids Reihe um Tony Hill gehört zu den Serien, bei denen ich mir neue Bücher ohne lange Verzögerungen kaufe, aber auch wenn ich sonst viel auf Englisch lese, warte ich hier sonderbarerweise lieber auf die deutsche Fassung. Aber endlich ist Vatermord auf Deutsch erschienen und ich konnte ich darauf stürzen (und das Buch innerhalb von zwei Tagen durchlesen). Den deutschen Titel finde ich jetzt nicht so gelungen, aber immerhin ansatzweise passend, da gibt es Schlimmeres.

Tony Hill ist diesmal menschlicher als ich es gewohnt war. Es hielt sich zwar noch in Grenzen, er ist weiterhin ein verschrobener Kauz, aber ich fürchte, die Autorin muss aufpassen, dass sie ihn nicht zu normal werden lässt, macht doch gerade seine Exzentrik einen guten Teil des Reizes dieser Serie aus. Carol Jordan gefiel mir nicht ganz so gut wie sonst, sie hat Probleme mit ihrem neuen Chef und wirkt im Umgang mit den Hierarchien nicht so kompetent, wie ich sie in Erinnerung hatte. Ich hatte das Gefühl, dass das das restliche Team ein bisschen mehr in den Fokus gerückt ist, das ist eine Entwicklung, die mir gut gefällt.

Der Fall selber ist diesmal leider für mich etwas zu leicht gewesen, mir war recht schnell klar, in welcher Richtung der Mörder zu suchen ist. Aber auch wenn ich schon in der Mitte des Buches eine heiße Spur hatte, waren die Ermittlungen noch interessant genug um mich bei der Stange zu halten.

Ein gewohnt gutes Buch einer empfehlenswerten Reihe.

4ratten:marypipeshalbeprivatmaus:
Gespeichert
Ein Buch, das man liebt, darf man nicht leihen, sondern muss es besitzen.  (Friedrich Nietzsche)

Tolpan

  • Beware of the Killer Puffin!
  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 1556
  • Heiß auf Gras!
Re: Val McDermid - Vatermord (The fever of the bone)
« Antwort #2 am: 14. Oktober 2010, 20:36:58 »

Carol Jordan, Leiterin der Sondereinsatztruppe Bradfields, bekommt es mit einem neuen Chef zu tun, der der Meinung ist das ihre Gruppe womöglich überflüssig und Tony Hill einfach viel zu teuer ist. Tony selbst hat derweil am Erbe seines verstorbenen Vaters, zu dem er nie Kontakt hatte, zu knabbern. Dann wird er ausgerechnet in die Stadt gerufen, in der geerbte Haus steht, um an einem Profil für einen Fall zu arbeiten: ein 14jähriges Mädchen wurde ermordet. Während er weg ist bekommt es auch Carol mit ermordeten jugendlichen Jungen zu tun. Jetzt könnte ihre Truppe Tony sehr gut gebrauchen ... (Leider ist der Klappentext zu diesem Buch nicht wirklich korrekt.)

Das was hinter den Mordfällen stand, also der Täter und seine Motivation und die Auflösung wie die Ermittler ihm schlussendlich auf die Schliche kommen, fand ich (mal wieder) gut gelöst. Gut fand ich ebenfalls, dass mich Val McDermid in Teilen dabei auch wieder überraschen konnte.

Leider hat sich das Buch für mich aber über eine große Seitenzahl (mindestens die Hälfte) erst einmal gezogen. Das lag u. a. daran, dass dem Leser selbst sehr schnell klar ist, das hinter dem Mord, den Tony untersucht, und den Morden, die Carols Team untersucht, derselbe Mörder steckt während die Ermittler im Buch dies jedoch nicht wissen. Gleichzeitig wird aber die Beschreibung der Ermittlungen zu den eigentlichen Mordfällen noch durch die Nachforschungen / Annäherungen an Tonys Vergangenheit in die Länge gezogen. Erst nach einer ganzen Weile kam Schwung in die Mordermittlungen und bemerkt man endlich dass man es mit demselben Täter zu tun hatte. Hier wurde es dann doch noch richtig spannend. Allerdings kam mir Tonys Arbeit insgesamt gesehen etwas zu kurz.

Eigentlich lese ich Val McDermids Hill-/Jordan-Reihe sehr gerne. Die Charaktere sind teils etwas verschroben (allen voran Tony: wem gelingt es wohl sonst sich in seinem eigenen Haus festnehmen zu lassen?) und haben ihre Macken oder Kanten, sind dabei aber trotzdem sehr sympathisch beschrieben. Ihr Schreibstil verlangte von mir zwar mehr Konzentration als meine vorherige Lektüre (ebenfalls ein Thriller), ist aber trotzdem angenehm zu lesen, sodass ich auch in der nicht so spannenden Anfangshälfte das Buch immer gerne zur Hand genommen habe.

Val McDermid beherrscht ihr Handwerk. Das Buch ist nicht schlecht. Jedoch gab es andere Bücher von ihr, die ich spannender und besser fand. Ich schwanke deshalb zwischen neutralen 3 und guten 4 Ratten. Da ich die Hill-/Jordan-Reihe jedoch als solche gut finde und mag lande ich schlussendlich bei 4ratten. Wer die Reihe gerne liest sollte auch mit diesem Buch seinen Spaß haben. :-)
Gespeichert
Home is where my SUB is

If more of us valued food and cheer and song
above hoarded gold, it would be a merrier world.

J.R.R.Tolkien - The Hobbit

Coco206

  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 142
    • Hundezauber
Re: Val McDermid - Vatermord (The fever of the bone)
« Antwort #3 am: 24. November 2010, 16:18:46 »

Aufbau:

523 Seiten mit 44 nicht zu lang und nicht zu kurz geratene Kapiteln, die jeweils die verschiedenen Ermittler und die jeweiligen Opfer begleiten und aus der Sicht des allwissenden Erzählers geschildert werden.


Meine Meinung:

Der sechste Fall für den skurilen Psychologen und Profiler Tony Hill und das Team um Detective Chief Inspector Carol Jordan. Eine meiner liebsten Reihen, deshalb freute ich mich auch sehr auf das Buch. Aber irgendwie wollte ich erst nicht so richtig in die Geschichte reinfinden. Das Gefühl, den letzten Band nochmal hervorzuholen und zumindest das Ende zu lesen, damit ich weiß, was es mit der Erbschaft von Tonys Vater, den er nie kennengelernt hat, seiner sehr unsympathischen Mutter und Carols Einmischung in diese Angelegenheit auf sich hat, war ziemlich groß.
Genauso verwirrt hatten mich die Namen der Ermittler im Fall der ermordeten Jennifer, sodass ich gleich nochmal dachte, ich müsste "Schleichendes Gift" zur Hand nehmen. Bis mir dann klar wurde, dass zumindest sie noch nicht aufgetaucht sind bisher.

Das alles hat sich sehr schleppend angelassen. Tony wird in besagtem Fall hinzugezogen, aber er, bzw. seine Herangehensweise an das Profil, hatte nichts mit seiner sonstigen Art und Weise in den Kopf eines Mörders zu schlüpfen zu tun. Könnte auch daran liegen, dass seine privaten Angelegenheiten (die Erbschaft) ihn in der Stadt, in der diese Ermittlung stattfindet, zu sehr in Beschlag genommen haben.

Nach ca. 200 Seiten wurde das Ganze dann doch interessant und es kam Bewegung in die drei Handlungsstränge, von denen zwei direkt miteinander verknüpft sind, der dritte einen Altfall darstellt. Die Ermittlungen, Gespräche mit Zeugen und Vernehmungen, Tonys Profiling, da hat Val McDermid ihrer Geschichte Leben, Spannung und das gewisse Etwas, das zu dieser Reihe gehört, gegeben.
Es ist nicht hochdramatisch, die Spannung lässt einem auch nicht unbedingt das Herz schneller schlagen, aber es wird zu einem wirklichen guten, englischen Kriminalroman. Als sehr angenehm empfand ich auch, dass McDermid es nicht nötig hat, blutige Details, dramatische Gefahrensituationen für die Helden oder einen Showdown im Stil vieler amerikanischer Thriller zu benutzen.
Sie bedient sich am Ende mancher Kapitel kleiner, wirklich kleiner, Cliffhanger, und das Ende lässt sie, was die private und berufliche Situation ihrer beider Protagonisten angeht, auch offen, aber die Geschichte in sich ist abgeschlossen und stimmig. Auch wenn insgesamt der Zufall etwas zu präsent war.
Inhaltlich reicht das, was man durch den Klappentext erfährt, es gibt eine stetige Entwicklung und alles baut aufeinander auf, sodass ich nicht so viel dazu sagen kann und möchte, ohne etwas zu "verraten".

Ihren wichtigen Charakteren im Buch verleiht sie Kontur, man entwickelt Sympathien und Antipathien und man ist sich durch unaufdringliche Landschafts- und Personenbeschreibungen, dem obligatorischen Tee und den Essensgewohnheiten immer bewusst, dass man sich in England befindet.

Für die überschwängliche Begeisterung reicht es bei mir nicht, da mir Tony's gewohnte Art, sein Profil zu entwickeln und den Leser daran intensiv teilzuhaben, zu wenig war.
 3ratten von mir.
Gespeichert

Anja

  • Büchersüchtel
  • Magazinteam
  • *
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 401
Re: Val McDermid - Vatermord (The fever of the bone)
« Antwort #4 am: 10. Januar 2011, 20:27:07 »

Was gibt es in der kalten Jahreszeit Schöneres, als sich gemütlich mit einem guten Buch ins Bett zu kuscheln? Wenn dann ein Thriller auch noch so spannend ist, dass man es kaum aushalten, ihn aber auch nicht weglegen kann, weil man unbedingt wissen muss, wer der Täter ist, dann ist es ein Thriller genau nach meinem Geschmack. Wie „Vatermord“ von Val McDermid.

Der 6. Fall für Carol Jordan und Tony Hill führt die Kripo-Beamtin und den Profiler auf die Spur eines Mörders, der sich seine jugendlichen Opfer scheinbar wahllos auf einer Internet-Plattform aussucht.  Die Ermittlungen gestalten sich alles andere als leicht, da Carols neuer Vorgesetzter aus Kostengründen auf Tonys Dienste verzichten will und lieber einen Frischling von der Uni anstellt, der von der praktischen Arbeit eines Profilers keine Ahnung hat. Tony geht derweil auf eine Reise in seine eigene Vergangenheit, doch als Carol ihn braucht, ist er trotz anfänglicher Gegenwehr ihres neuen Chefs wieder bei dem Fall dabei. Aber das nächste Opfer ist schon in den Fängen des Killers…

„WOW!“- das war meine erste Reaktion nach dem Lesen dieses Buches. McDermid versteht ihr Handwerk, ich liebe die unverhofften Wendungen in der Handlung, dass auch Kommissar Zufall eine kleine, aber entscheidende Rolle spielt und man als Leser, wenn man endlich glaubt, den Täter zu kennen, letztlich doch erkennen muss, auf der falschen Fährte gewesen zu sein.

Obwohl dieses Buch mein erstes Buch dieser Reihe war, war ich sofort in der Geschichte drin, denn neben der ganzen Spannung sind gerade die beiden Hauptpersonen durch ihre Gedanken und Handlungen so facettenreich und tiefgehend charakterisiert, dass es trotz so manch bedrückender Themen eine Freude ist, dieses Buch zu lesen.

Mein Fazit: ein Knaller! Uneingeschränkt empfehlenswert.
Gespeichert
Mein SUB
~~~*Manchmal denke ich, der Himmel besteht aus ununterbrochenem, niemals ermüdendem Lesen. (Virginia Woolf)*~~~