Hallo allerseits

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wie Schokotimmi habe ich den ersten Teil gelesen. da ich mal wieder auf Schwedisch lese, kann ich leider mit Seitenangaben nicht dienen und eventuelle Zitate sind also von mir übersetzt.
Die Einleitung hat auch mich fasziniert. Die kleinen, alten Frauen/Damen, die allzu oft unsichtbar sind, gibt es wirklich in großen Mengen. Gerade das "Unsichtbare", dass Ugrešić schon in der Überschrift betont, stimmt sehr gut. Gerade alte(rnd)e Frauen werden oft nicht wahrgenommen, ausgeblendet.
Aber es gibt sie, und nicht immer sind die so nett und harmlos, wie man auf den ersten Blick glauben könnte...
Auch ohne es direkt auszusprechen, macht Ugrešić deutlich, wie schnell eine alte Frau zur Hexe wird, egal ob "wirklich" oder nur in unserer Wahrnehmung.
Die Mutter der Erzählerin im ersten Teil finde ich hervorragend getroffen. Nicht nur die Wortfindungsschwierigkeiten und anderen Folgen des Hirntumors, sondern auch ihre sonstigen Eigenheiten sind sehr lebensecht dargestellt.
Z. B. ihre Reaktion in der Zeit nach dem Tode ihres Mannes (Kap.
Komm und leg dich hier hin...), als sie einerseits ihr Leben immer weiter einschränkt, andererseits mit ihrem einförmigen Leben unzufrieden ist, aber auch alle Versuche der Kinder, sie aus ihrem Loch zu ziehen, ablehnt, ist so wirklich, nachvollziehbar. "Ich will nicht, wie es ist, ich will/kann aber auch nichts tun, um das zu ändern, für jeden Vorschlag habe ich einen Grund ihn abzulehnen." So eine Lebenseinstellung (egal ob temporär oder dauerhaft) kenne ich nur zu gut.
Der Abschnitt um Aba und die gemeinsame Reise in die Heimatstadt der Mutter hat auch mir Probleme bereitet. Hier wurde das Buch für mich erst einmal uninteressanter und zog sich etwas. Aba ist eine unsympathische Gestalt, gegen deren Vereinnahmung sich die Erzählerin nur schlecht wehren kann. Dabei ist sie aber auch eine tragische Gestalt, wie im 5. Abschnitt des "Reisekapitels" deutlich wird:
ja, sie war ein altes Mädchen. Sie war mit dem unsichtbaren Stempel des unerwünschten Kindes auf der Stirn geboren. Und es spielte keine Rolle, ob sie sie wirklich geliebt hatten oder nicht, oder ob sie sie lieben würden oder nicht; ihr Hunger war angeboren und zusammen mit ihr würde er auch verschwinden. Nicht viel konnte den Hunger stillen; viele waren bei dem Versuch dazu ermüdet. War es vielleicht kein gewöhnlicher Hunger, sondern ein solcher Hunger, wie der, mit dem der mythologischen Erysichthon bestraft wurde, der am Ende seines Lebens an seinen eigenen Knochen nagte?Das ist ein stilistisch eindrucksvoller (in meiner Übersetzung weniger) Absatz, der deutlich zeigt, wie Ugrešić ihre Figuren darstellt. Sie sind in ihrer Echtheit alles andere als "perfekt", stecken in ihrer Haut, aus der sie nicht herauskommen, vermutlich auch nicht herauskommen können, selbst wenn sie ihre Situation deutlich sehen. Ist es vielleicht auch das, was eine Frau zur Hexe macht?
Dummerweise habe ich mir nicht aufgeschrieben, an welcher Stelle das Märchen, das mit dem
Ei (dem titelgebenden Ei?), das in einer Ente, die in einem Kaninchen, das in einer Kiste, die in einer Eiche, die auf einer Insel am anderen Ende des großen Meeres liegt, zuerst erwähnt wird. Ganz am ende des 5. Abschnittes des "Reisekapitels" wird es noch einmal aufgenommen. Dort ist es die Liebe, die sich in dem Ei befindet. Liebe also als ein unerreichbares Ziel, nach dem man sich nur sehnen kann.
Eine Variation des Märchens gibt es übrigens auch bei den Brüdern Grimm, leider finde ich auf die Schnelle nicht, wie es heißt.
Interessant übrigens, wie so ganz anders Ugrešić an ihre Aufgabe, ein Buch über einen Mythos zu schreiben, herangeht, als z. B. Olga Tokarczuk, deren Buch "AnnaIn in den Katakomben" Aldawen und ich letztlich gemeinsam gelesen haben. Aber auch ihre Herangehensweise gefällt mir bisher.