

Drei Erzählungen sind in diesem Bändchen zusammengestellt:
- San Manuel Bueno, Märtyrer: Don Manuel ist der allseits beliebte Dorfpfarrer von Valverde de Lucena. Sein Credo lautet: Der Mensch muß leben, und er soll gut leben, nicht unbedingt in einem materiellen Sinn, sondern Worten und Taten. Dabei hält er auch den Glauben an Gott und an ein ewiges Leben nach dem Tod für hilfreich, wenn er auch als sein großes Geheimnis, vor allen außer einem Geschwisterpaar verborgen, seinen eigenen Unglauben verbirgt. Die daraus resultierenden Selbstzweifel bekämpft er mit Aktivität, und das so gekonnt, daß einige Jahre nach seinem Tod sogar ein Seligsprechungsverfahren eingeleitet wird.
- Eine Liebesgeschichte: Daß Ricardo und Liduvina noch nicht verheiratet sind, liegt vor allem an Ricardos Vater, der darauf besteht, sein Sohn müsse zuerst seine Studien beenden. Inzwischen fühlt sich Ricardo längst zum Prediger berufen, weiß aber nicht, wie er ehrenhaft aus der Verlobung mit Liduvina herauskommen soll. Er schlägt ihr eine gemeinsame Flucht vor: Entweder entzündet sich daran die schal gewordene Liebe neu oder sie lehnt ab, beides besser als der Status quo. Liduvina willigt ein, aber die Flucht endet schon nach zwei Tagen in einem Desaster und beide kehren zurück, um unabhängig voneinander nach einiger Zeit Zuflucht in Klöstern zu suchen. Ricardos Predigerkarriere führt ihn eines Tages auch in Liduvinas Konvent und die Predigt wird zu einer Beichte.
- Ein armer reicher Mann oder Das komische Lebensgefühl: Emeterio ist ein ordentlicher junger Mann, der bei einer Bank arbeitet und Monat für Monat sein Erbe um eigene Ersparnisse vergrößert. Das macht ihn zu einem begehrenswerten Ziel für die Tochter seiner Hauswirtin, Rosita, aber Emeterio ist darüber so erschrocken, daß er flüchtet und Rosita damit in die Arme eines anderen treibt. Er bleibt Junggeselle, bis ihn 25 Jahre später der Zufall wieder mit Rosita zusammenführt und er endlich lernt, was Lebensgenuß ist. Dafür läßt er sich sogar von Rosita beim Spiel übers Ohr hauen, weil er weiß, daß sie ihren Spaß daran hat.
Der für diese Veröffentlichtung gewählte Untertitel
Drei Geschichten zur Unsterblichkeit paßt recht gut, schließlich geht es um drei große Themen, die man mit diesem Begriff ohne weiteres in Verbindung bringten kann, und die mit unterschiedlichen Schwerpunkten in jeder der drei Geschichten eine Rolle spielen: Glaube, Liebe, Weisheit (als Lebensklugheit). Dabei sind die Charaktere ihrer Sache und vor allem sich selbst alles andere als sicher, im Gegenteil bestehen sie mehr aus Zweifeln als Gewißheiten. Und daraus resultieren eben auch, wie bei Ricardo und Liduvina, falsche Entscheidungen – obwohl gar nicht sicher ist, daß es eine richtige gäbe. Auf der Rückseite heißt es, Unamuno sei „ein Autor, der mit dem Leser und seinen Figuren um die Wahrheit feilscht, die am Ende nicht zu haben ist“. Ein gutes Fazit!

Schönen Gruß,
Aldawen