Ich hole Machandels Thread mal aus der Versenkung und bin gleichzeitig dankbar, dass sie in ihrer Rezension bereits so manchen Eindruck zu Papier brachte, den auch ich teile - obwohl ich jetzt eigentlich zum Sport wollte, kann ich somit doch eben die Gelegenheit nutzen, meine Eindrücke zu
Nocturnes. Five Stories of Music and Nightfall abgeben, deren letzte zwei von insgesamt fünf Geschichten ich gestern beendet habe.
Ob Kurzgeschichten es bei mir auch prinzipiell schwierig haben, vermag ich kaum zu sagen, tatsächlich ist es wohl so, dass ich bisher nie ein großer Leser solcher gewesen bin, das kann jetzt als Bestätigung dafür dienen, dass ich sie nicht sonderlich mag oder als Beleg dafür, dass ich einer Ab- oder Zuneigung noch gar nicht sicher sein kann.
Auf alle Fälle ist es bei diesen doch insgesamt so gewesen, wie Machandel schon sagte: Die Stories plätschern eher so dahin, der Schreibstil ist, ich beziehe mich hier also auf die englische Originalausgabe, eignet sich aufgrund seiner Zugänglichkeit auch sehr dafür, man ist stellenweise fast so schnell darin versunken wie bei einem Paul Auster, dessen Romane ich auch in den Originalfassungen u.a. darum sehr schätzen gelernt habe - jedoch ist es bei Auster eher die Faszination, zumindest meistens, die einen, um mal einen musikalischen Vergleich zu bemühen, wie bei einem Beethovenkonzert, welchem man aus der ersten Reihe beiwohnt, oder manchmal auch wie ein schier geheimnisvolles Crescendo, die einen hineinsaugt. Bei diesen Kurzgeschichten ist es wahrlich eher die gravitätische Kraft von Fahrstuhlmusik, der man sich aufgrund ihrer nicht vorhandenen Bedeutsamkeit und weil man eben gerade nichts Besseres zu tun hat - im Fahrstuhl wartet man eben aufs gewünschte Stockwerk, bei diesem Buch auf das nächste Umblättern, um es mal minimal überspitzt auszudrücken - nicht entzieht/entziehen möchte.
Da ich beinahe unmittelbar vor diesem Werk
Alles, was wir geben mussten und einige Wochen oder eher Monate zuvor
The Remains of the Day gelesen habe, muss ich sagen, dass die Seichtheit und das Unvermögen, den Leser in einem Fluss angenehm mitströmen zu lassen wie bei
The Remains of the Day oder in einer Mischung aus Erschütterung und (Konträr-)Faszination wie bei
Alles, was wir geben mussten, bei diesem Buch wirklich allerhand Spekulationen über Ishiguros Motivation zulassen, warum, wie er diese Geschichten verfasst hat.
Unkompliziert und leicht zu lesen sind sie also, allerdings nicht im positiven Sinne, d. h. kurzweilig und spannend, sondern wirklich nur einfach und schnell vergessen.
